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Langenhagen Experte: „Futterstellen für Igel und Vögel im Garten ziehen Ratten an“
Umland Langenhagen

Langenhagen: Experte referiert in Schulenburg über Ratten

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17:06 22.11.2019
Schädlingsbekämpfer Andreas Oeltze referiert über Ratten. Quelle: Stephan Hartung
Schulenburg

Das Problem bewegt die Menschen: Ratten. Die Stadt Langenhagen hat nun erstmalig eine groß angelegte Infokampagne gestartet, im Rahmen derer die Einwohner an drei Informationsabenden über den richtig Umgang mit den Nagern informieren werden. 120 Menschen nahmen an der Auftaktveranstaltung im Dorfgemeinschaftshaus über die Bekämpfung von Ratten teil. Andreas Oeltze, der von der Stadt Langenhagen beauftragte Schädlingsbekämpfer, informierte das Publikum darüber, wie Ratten sich ausbreiten – und ob man von einer Rattenplage in Langenhagen sprechen kann. Wir fassen die wichtigsten Fragen zusammen und geben die Antworten.

Hat allein Langenhagen ein Rattenproblem?

Der Experte verneint dies. „Das ist bundesweit ein Problem. Ratten gibt es immer. Man kann ihre Population verkleinern, wird sie aber nie ganz los“, sagte Oeltze. Ralph Gureck, Abteilungsleiter Marketing und Kommunikation der Stadt, führte als Moderator durch den Abend und betonte, „dass wir in Langenhagen keinesfalls eine Rattenplage haben, wir informieren die Bürger nur über das Thema“.

Was genau ist eine Rattenplage?

„Der Begriff einer Rattenplage ist abstrakt und nicht definiert“, sagte Oeltze. Das hänge nicht von Population oder Verbreitung der Tiere ab. „Das ist alles rein subjektiv. Mancher Grundstückseigentümer redet schon von einer Plage, wenn er 40 Ratten habe.“ Der Experte selbst spricht von einem „Rattenbefall, und der ist ganz normal und wiederholt sich jedes Jahr in Deutschland in vielen Städten und Gemeinden – Ratten gibt es überall, mal mehr und mal weniger.“

Pilotprojekt in Schulenburg

In Kürze erhalten die Anwohnerder Straße „Kohnes Kamp“ in Schulenburg Post von der Stadt Langenhagen. Darin enthalten ist das freiwillige und für sie kostenlose Angebot, dass Schädlingsbekämpfer Andreas Oeltze sich die jeweiligen Grundstücke genauer ansieht und die Eigentümer über Befunde informiert. Es würde sich gegebenenfalls eine Bekämpfung der Ratten vor Ort anschließen. Nach zwei bis drei Monaten folgt eine Auswertung des sogenannten Pilotprojekts. Eine erneute Kontrolle findet nach sechs bis neun Monaten statt. Die Stadt weist darauf hin, dass Kohnes Kamp nicht übermäßig von Ratten befallen ist – es handele sich nur um ein Pilotprojekt, das bei positiver Bilanz auf andere Ortschaften oder Straßen auszuweiten sein könnte.

Keine Nahrung anbieten

Wie werden Ratten angezogen?

„Ganz entscheidend ist, dass man Ratten keine Nahrung anbietet“, sagte Oeltze. Klassiker, die Ratten anziehen, seien für Vögel oder Igel eingerichtete Futterstellen im Garten. Aber auch Müll locke Ratten an – wie Müllsäcke, die schon am Vorabend am Straßenrand stehen, sowie Wertstoffinseln in Industriegebieten wie beispielsweise an der Berliner Alle oder der Desbrocksriede. Thorsten Brockmann, Leiter der Langenhagener Stadtentwässerung, appellierte zudem: „Und bitte schütten Sie keine Essensreste ins Klo, das zieht Ratten im Kanalisationssystem an.“ Ebenfalls ein Hot-Spot für Ratten ist laut Brockmann der öffentliche Mülleimer. „Wir haben davon 700 in ganz Langenhagen, leeren sie diese regelmäßig. Viele Menschen verstauen dort ihren Hausmüll, der Ratten anzieht.“

Auf was ist noch zu achten?

Laut Andreas Oeltze darf man den Ratten keinen Unterschlupf bieten. Die Tiere fühlen sich auf dem Komposthaufen und zwischen den Kaminholzstapeln wohl, aber auch unter Betonplatten und Garagen.

Wie kann man als Privatmensch Ratten bekämpfen?

„Ich habe zu Hause drei Katzen, alles Freigänger – das funktioniert“, sagte der Experte. Gleichwohl sei es für eine Privatperson schwerer als früher, Ratten zu bekämpfen. „Viele Mittel sind verboten, nachdem man giftige Wirkstoffe in Flüssen und Seen nachgewiesen hat.“ Daher rät Oeltze, die wichtigsten Regeln zu beachten: keine Nahrung, keinen Unterschlupf bieten für die Tiere.

Intelligente Ratten überwinden

Und wie arbeitet er als Schädlingsbekämpfer?

Er braucht drei Wochen zur Bekämpfung einer Population. Dabei legt er sogenannte Fraßköder aus. Der Clou dabei: Die Ratten sterben davon nicht sofort, sondern erst verzögert. In den Ködern sind Stoffe enthalten, die die Blutgerinnung der Tiere außer Kraft setzen. Sie verbluten innerlich, allerdings erst rund zwei Wochen später. Ratten sind intelligent und schauen sich erst an, was mit den unerfahrenen Jungtieren ihrer Population passiert. Ist das Essen scheinbar bekömmlich und ungefährlich, schlagen auch die anderen Ratten zu.

Was tun, wenn zu Hause Ratten auftreten?

Auf jeden Fall der Stadt melden. „Oft handelt es sich um ein falsches Schamgefühl – und man behält es für sich“, sagt Gureck. Man könne nicht alle Befallspunkte kennen und sei auf die Bürger angewiesen. In diesem Zusammenhang weist Kommunikationschef Gureck auf die entsprechende Plattform „maengelmelder.langenhagen.de“ der Stadt hin.

Hohes Interesse vorhanden

Wie war die Stimmung unter den Besuchern?

Nur wenige Teilnehmer haben einen Rattenbefall bei sich zu Hause. Der Großteil wollte sich informieren. Dass Oeltze nicht nur während der Veranstaltung viele Fragen beantworten musste, sondern auch nach dem offiziellen Ende noch für 30 Minuten von vielen Menschen umringt war, zeigt, wie hoch das Interesse ist.

Wo gibt es weitere Informationen?

Am Dienstag, 26. November, im Ratssaal sowie am Mittwoch, 27. November, im Niet Hus in Kaltenweide. Dort steht jeweils ab 19 Uhr ebenfalls das Thema Rattenbekämpfung auf der Tagesordnung, auch Oeltze wird wieder dabei sein. Außerdem hat die Stadt einen Flyer mit einer Auflage von 1000 Stück erstellt, in dem rund um Ratten Probleme und Abhilfe beschrieben werden. Der Flyer ist im Rathaus erhältlich.

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Von Stephan Hartung

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