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Langenhagen Explodieren die Kosten für geplanten Rathaus-Anbau?
Umland Langenhagen Explodieren die Kosten für geplanten Rathaus-Anbau?
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00:19 18.03.2019
Neben Büros an der Schützenstraße und am Frankenring in Godshorn hat die Stadtverwaltung auch Büroräume im Geschäftsgebäude gleich nebenan gemietet. Quelle: Rebekka Neander (Archivbild)
Langenhagen

Lohnt die Sanierung des Rathaus-Altbaus und wie teuer wird sie? Oder sollte sich die Stadt doch zu einem kompletten Neubau im Stadtzentrum durchringen? Diese Fragen schienen spätestens im Juni vergangenen Jahres beantwortet: Anstelle des von der Rathausspitze seinerzeit favorisierten Neubaus auf dem Handelshof verabschiedete der Rat aus Kostengründen den Start für alle nötigen Planungen der Altbau-Sanierung sowie eines Anbaus auf dem benachbarten Waggumer Hof für rund 35 Millionen Euro. Mehrere dafür notwendige Besichtigungen des Altbaus durch Sachverständige sorgen nun aber für Aufregung: Die ursprünglich auf rund 12 Millionen Euro geschätzten Sanierungskosten könnten sich womöglich mehr als verdoppeln, wie Peter Duensing vom Projektbüro Constrata jetzt andeutete. Anlass für die Rathaus-Pläne sind dramatische Platzprobleme im Altbau. Die Verwaltung ist inzwischen weit über das Stadtgebiet auf kostspielige Mietobjekte verteilt.

„Keine Arbeitsplätze erster und zweiter Klasse“

Im bisher vorliegenden Gutachten des Beratungsunternehmens Drees & Sommer blieben laut Bürgermeister Mirko Heuer unter anderem alle Aspekte unbeachtet, die eine technische Verknüpfung des Anbaus mit dem Altbau sicherstellen. „Wir wollen unter allen Umständen verhindern, dass es künftig Arbeitsplätze erster und zweiter Klasse geben wird“, sagt Bürgermeister Mirko Heuer jetzt im Gespräch mit dieser Zeitung. Im Anbau favorisiert Heuer „Arbeitswelten 4.0“ und damit einen Abschied von herkömmlichen Zuordnungen von Fluren und Büroräumen. „Wir haben uns dazu in Hannover mehrere Beispiele moderner Verwaltungen angesehen“, ergänzt Baudezernent Carsten Hettwer. Man müsse in einer Verwaltung künftig in der Lage sein, flexibel auf akute Problemstellungen zu reagieren. „Abläufe müssen sich anpassen können“, so Hettwer und zählt die unter anderem Flüchtlingsthematik auf, auf die die Kommune kurzfristig habe reagieren müssen.

Anlass für die vor wenigen Wochen erfolgten Begehungen des Altbaus durch verschiedene Sachverständige war die Vorbereitung für den für die zweite Jahreshälfte geplanten Wettbewerb für das Rathaus-Projekt. „Diese Empfehlung hatte uns das Projektbüro Constrata gegeben, um die bislang nicht vertieften Aspekte zu untersuchen“, sagt Hettwer. Diese neuen Erkenntnisse hatten Peter Duensing von Constrata und Thomas Bovermann aus der Planungsgruppe VA unlängst dem Stadtplanungsausschuss verkündet und damit dort für größere Diskussionen gesorgt.

„Mittlerer Sanierungsstandard reicht nicht aus“

Denn ihre Botschaften haben es in sich: „Eine mittlere Sanierungsmaßnahme wird nicht ausreichen“, eröffnete Duesing der Politik. Für diese hatte sich der Rat bereits 2016 festgelegt. Auf der Liste der beiden Experten stehen zu oberst die überfüllten Stromtrassen. Dies sei ein großes Problem für den Brandschutz. Zudem gebe es brennbare Materialien in den Fluchtwegen. Viele Kleinigkeiten habe die Stadt bereits erledigt, ergänzt Hettwer ein paar Tage später im Pressegespräch. „Es gibt keinen Grund für unsere Mitarbeiter, sich akut Sorgen zu machen.“

Die Aluminium-Glasfassade auf der Rückseite muss laut Duensing grundsätzlich ausgetauscht werden – auch aus energetischen Aspekten. Die Fensterrahmen seien verblichen, ihre Konstruktion verziehe sich durch die Thermik und sei nur eingeschränkt funktionstüchtig. Wasserleitungen im Altbau seien undicht, Fußböden lösten sich ab und seien verfärbt, das Deckensystem nicht mehr verfügbar. Die Experten empfehlen daher keine temporäre Sanierung. Beim Trinkwassersystem gebe es Hygienemängel. Die Kälteerzeugung sei unwirtschaftlich und mit FCKW belastet, die Stark- und Schwachstromverkabelung müssen voneinander getrennt werden. Zudem gebe es ein „Sammelsurium an Umwälzpumpen“.

Sowohl das gesamte Soziale Rathaus als auch die Stadtbibliothek sind im Stadthaus untergebracht. Für diesen Komplex zahlt die Stadt eine hohe Miete. Quelle: Rebekka Neander (Archivbild)

Stadtbaurat Hettwer plädierte schon im Ausschuss für einen „einheitlichen Wettbewerb“ für den Anbau und die Sanierung. „Die Planung muss aus einer Hand sein, selbst wenn sie in Abschnitten realisiert wird“, sagte er. Über die bereits verlorene Zeit und steigende Kosten gab es im Ausschuss eine in Teilen emotionale Diskussion. „Was hier an finanziellem Unsinn gemacht wird, ist für mich langsam unfassbar“, sagte Marc Köhler (SPD). Er meinte damit auch die Kosten für die zusätzlichen Gebäude, die die Stadt für Verwaltungsmitarbeiter angemietet hat. Es sei wichtig, dass schnell mit dem Anbau begonnen werde, damit schnell saniert werden könne. CDU-Politikerin Claudia Hopfe sagte: „Wir müssen neu denken.“ Jens Mommsen (BBL) sprach von Planungsfehlern und Pfusch von Handwerkern.

Verteilung der Verwaltung im Langenhagener Stadtgebiet Quelle: HAZ-Grafik/Llorens

Heuer beruft sich auf Ratsbeschluss gegen einen Neubau

Heuer und Hettwer weisen die dabei im Ausschuss geäußerten Unterstellungen, sie wollten mit dem neuen Gutachten ihren alten Wunsch nach einem Neubau durch die Hintertür durchboxen, inzwischen vehement von sich. „Es gilt der Ratsbeschluss für den Anbau“, betont Heuer auf Nachfrage. Überdies sei das bestehende Rathaus mit der bei den Menschen der Stadt eingeführten Adresse „ein Wert an sich“, den man abwägen müsse gegenüber den neu aufgerufenen Kosten. Aus der Verwaltung werde es keinen neuen Vorstoß für einen Neubau geben. Der, so Heuer, müsse – wenn gewünscht – aus der Politik kommen.

Verteilung der Verwaltung im Langenhagener Stadtgebiet Quelle: HAZ-Grafik/Llorens

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