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Langenhagen Frauennotruf Ophelia: Mehr Geld, aber viel zu wenig Platz
Umland Langenhagen

Langenhagen: Frauennotruf Ophelia bekommt mehr Geld, sucht aber Räume

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16:23 19.07.2019
Die neue Geschäftsführerin des Frauennotrufs Ophelia, Annette Jendritzki (links), und Mitarbeiterin Corona Bröker vor den bisherigen viel zu kleinen Büros in der Ostpassage. Quelle: Rebekka Neander
Langenhagen

Ein wenig reiben sie sich noch immer die Augen. Jahrelang hat das Team des Frauennotrufs Ophelia aus ihren Büroräumen an der Ostpassage heraus um jeden Euro kämpfen müssen. Doch jetzt ebnet die Istanbul-Konvention den Weg. Zumindest theoretisch.

Auf dem Papier wird sich der Etat der Anlauf- und Beratungsstelle für Frauen und Mädchen in Not zwar deutlich erhöhen. Doch ein weiteres, ärgerlich beständiges Problem wird dadurch womöglich noch schlimmer: „Wir brauchen dringend mehr und größere Räume“, sagt die neue Ophelia-Geschäftsführerin Annette Jendritzki. Schon jetzt platze die über der Ostpassage gemietete Büroetage aus allen Nähten. Wenn Ophelia das nun finanzierte, aber eben auch das eingeforderte Personal einstellt, weiß Jendritzki beim besten Willen nicht, wohin damit.

Pro 40.000 Einwohner eine Vollzeitkraft

Die Istanbul-Konvention ist ein völkerrechtlicher Vertrag, den der Europarat 2011 auf den Weg gebracht hat. Im Februar 2018 trat das letztlich erarbeitete Werk in Deutschland in Kraft. Auch die Region Hannover hat seither die Frauenberatungsstellen mehr in den Fokus genommen: Pro 40.000 Einwohner ist künftig eine Beratungskraft vorgesehen, momentan werde dieser Schlüssel jedoch fast nirgends erreicht. Die Hälfte der Personalkosten, so der vorliegende Vorschlag, will die Region übernehmen, die andere Hälfte sollen die Kommunen tragen.

Etat für Ophelia steigt auf mehr als 200.000 Euro

Für Ophelia steigt die Förderung demnach von 81.600 auf knapp 208.000 Euro im Jahr 2020. Isernhagen wird künftig statt 5000 rund 19.500 Euro überweisen, Burgwedel verdoppelt seinen Anteil von 8000 auf 16.600 Euro, die Wedemark verdreifacht ihre Zahlung von 8000 auf 24.000 Euro. Die Region überweist statt 30.600 künftig 104.000 Euro. Nachdem Burgwedel, die Wedemark und Isernhagen die Vorlage bereits beschlossen haben, folgt nun auch Langenhagen.

„Wir haben schon immer mehr als die anderen Kommunen im Norden an Ophelia gezahlt“, sagt Langenhagens Sozialdezernentin Monika Gotzes-Karrasch. Daher wollte die Flughafenstadt in diesem Fall erst einmal abwarten, wie sich die übrigen Kommunen verhalten und nicht voranpreschen. Nach der einmütigen Zustimmung aus den Umlandkommunen aber will Gotzes-Karrasch nun im August dem Sozialausschuss den entsprechenden Beschlussvorschlag vorlegen. Danach soll Langenhagen nun statt 30.000 43.800 Euro zahlen.

Zentrale bleibt in jedem Fall in Langenhagen

Für das Ophelia-Team sind dies zweifelsohne gute Nachrichten. „Das ist erstmals jetzt eine wirklich bedarfsgerechte Ausstattung“, sagt Jendritzki, die seit April 2019 die Geschäftsführung des Frauennotrufs innehat. Verknüpft seien damit jedoch auch ortsnahe Angebote in den Umlandkommunen. Überdies soll es auch Schulungen für die Kommunalverwaltungen geben, wie häusliche Gewalt zu erkennen sei. „Die Zentrale aber wird auf jeden Fall in Langenhagen bleiben.“

Daran ändere auch die seit langer Zeit für sie quälende Suche nach neuen Räumen nichts. „Es ist schon jetzt so, dass sich Beraterinnen ein Büro teilen müssen, was nicht wirklich optimal ist“, sagt Jendritzki. Daher sei die neue finanzielle Ausstattung ab 2020 Fluch und Segen zugleich. „Für die neuen Kräfte benötigen wir unbedingt mehr Räume. Zugleich aber war die bisherige Suche immer erschwert, weil wir noch keine wirkliche finanzielle Sicherheit hatten.“ Zumindest dies ändere sich jetzt gravierend.

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Die Istanbul-Konvention

Die Istanbul-Konvention ist ein internationales Übereinkommen des Europarates und soll Frauen und Mädchen vor häuslicher Gewalt schützen. Der völkerrechtliche Vertrag wurde seit 2011 erarbeitet und 2017 letztlich verabschiedet. In Deutschland trat diese Konvention nach ihrer Ratifizierung im Februar 2018 in Kraft. Das Übereinkommen schreibt vor, dass die Gleichstellung der Geschlechter in den Verfassungen und Rechtssystemen der Unterzeichnerstaaten verankert sein muss und sämtliche diskriminierenden Vorschriften abzuschaffen sind. Außerdem sollen Hilfsangebote für Frauen verbessert und die Menschen über Bildungsangebote für das Problem sensibilisiert werden. Die einzelnen Aktionen sehen eine Rechtsberatung, psychologische Betreuung, finanzielle Beratung, Hilfe im Zugang zu Unterbringungsmöglichkeiten (Einrichtung von Frauenhäusern), Aus- und Weiterbildung sowie Unterstützung bei der Suche nach Arbeit vor.

Von Rebekka Neander

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