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Langenhagen Häusliche Gewalt: Stadt und Ophelia weisen mit Plakataktion auf Hilfsangebote hin
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Langenhagen: Häusliche Gewalt: Stadt und Ophelia weisen mit Plakataktion auf Hilfsangebote hin

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17:23 26.11.2019
Die Integrationsbeauftragte Justyna Scharlé (von links), Corona Grüning von Ophelia und Ute Mau von der Integrationsstelle zeigen die Plakate gegen häusliche Gewalt. Auch Monitore im CCL informieren über die Aktion. Quelle: Katerina Jarolim-Vormeier
Langenhagen

Sie sind nicht zu übersehen: 170 Plakate in DIN-A0-Format mit drei Frauenköpfen und einem nicht erkennbaren Gesicht hängen seit Montag im gesamten Stadtgebiet. Die Motive sind ebenfalls auf Monitoren im Rathaus und auf Werbetafeln im CCL zu sehen. Auch im Kino Cinemotion hat Theaterleiterin Ulla Petzelt Plakate an den Innentüren der Damentoiletten aufgehängt.

Plakataktion gegen häusliche Gewalt

Initiiert hat die Aktion erstmals die städtische Integrationsbeauftragte Justyna Scharlé in Kooperation mit dem Beratungszentrum Ophelia. Die Akteurinnen wollen so auf das Thema häusliche Gewalt aufmerksam machen. „Eine von vier Frauen erlebt Gewalt in den eigenen vier Wänden“, sagt Corona Grüning, die das Banner gestaltet hat und bei Ophelia für Website, Medien- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist.

Theaterleiterin Ulla Petzelt bringt ein Plakat an der Innenseite der Damentoilette an. Quelle: Katerina Jarolim-Vormeier

Fünf Motive auf den Plakaten

Ziel ist auch, dass Frauen sich selbst Hilfe in Form von Beratung holen oder die Telefonnummer an möglicherweise Betroffene weitergeben. Die Plakatmotive zeigen Frauen unterschiedlicher Herkunft und Alters, die Informationen sind in diversen Sprachen gehalten. Zu sehen sind nicht betroffene Frauen, aber auch Betroffene, deren Gesicht rot markiert ist. „Sie tragen eine Maske und sind als Schatten ihrer selbst dargestellt“, erläutert Grüning ihre Idee.

Aktion endet am 2. Januar

Die Plakataktion startete am internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen und Mädchen – und endet dann am 2. Januar. Die Kooperationspartnerinnen haben nach eigenen Angaben bewusst diesen Zeitraum ausgewählt, da der Advent und Weihnachten als die Phasen „der relativen Harmonie gelten“ würden. „Das ist auch eine emotionale Zeit, in der besonders viel häusliche Gewalt vorkommt“, berichtet die Integrationsbeauftragte. Und diese ereigne sich in allen Gesellschaftsschichten – wie auch die Zahlen von Ophelia Jahr für Jahr belegen.

Hinweise nimmt Ophelia entgegen

Frauen, die von häuslicher Gewalt betroffen sind, sollen sich von den Plakaten angesprochen fühlen und gleichzeitig auch merken, dass es auch andere betrifft. „Menschen, die helfen wollen, können Betroffene auf Ophelia hinweisen“, sagt Grüning. Sie nennt ein Beispiel: „Bei einem Verdacht von häuslicher Gewalt reicht es, an der Tür des Nachbarn zu klingeln und nach einer Milch zu fragen“, empfiehlt sie. Denn das unterbreche zunächst das Geschehen.

Was ist häusliche Gewalt? „Die Gewalt findet zwischen Menschen statt, die eine Gemeinschaft bilden oder gebildet haben und sich kennen“, erklärt Grüning. 2017 seien 114.000 Fälle von Gewalt durch Partner oder Ex-Partner bei der Polizei bundesweit angezeigt worden. Tendenz steigend. Laut Bundesfamilienministerin Franziska Giffey suche sich indes nur jedes fünfte Opfer überhaupt Hilfe. Daraus folge eine Dunkelziffer von 80 Prozent. Speziell Frauen nach einer Trennung drohe die meiste Gefahr.

Kein Mensch soll wegschauen

Die Beratungsstelle Ophelia agiert bei Hinweisen oder wenn die Polizei vor Ort gewesen war. Dann nimmt das Beratungsteam in der Ostpassage schnell Kontakt auf und hilft vertraulich. „Wir beraten auch Angehörige, Lehrkräfte und Ehrenamtliche“, sagt Grüning. Ihren Angaben zufolge gibt es neben der körperlichen und sexuellen auch die psychische, ökonomische und soziale Gewalt. Bei allen Formen sei es wichtig, „dass kein Mensch einfach wegschaut“.

Die nun in Langenhagen gestartete Aktion kostet gut 2000 Euro und wird aus dem Budget der Integrationsbeauftragten finanziert. Scharlé weist darauf hin, dass die Plakataktion auch noch auf Praxen, Firmen und Warteräume ausgeweitet werden könne. Weitere Informationen gibt es nach einer E-Mail an integration@langenhagen.de.

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