Langenhagen: Hochzeit zwischen Chrom und Kutten: Triker feiern Silberhochzeit von Sonja und Michael
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Langenhagen Hochzeit zwischen Chrom und Kutten in der Triker-Lounge Langenhagen
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Langenhagen: Hochzeit zwischen Chrom und Kutten: Triker feiern Silberhochzeit von Sonja und Michael

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16:31 03.10.2021
Wenn Triker heiraten, feiern alle mit: Michael und Sonja schreiten nach der Zeremonie durch ein Spalier von Kuttenträgern.
Wenn Triker heiraten, feiern alle mit: Michael und Sonja schreiten nach der Zeremonie durch ein Spalier von Kuttenträgern. Quelle: Patricia Chadde
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Langenhagen

Wenn ein begeisterter Triker wie Michael heiratet, dann holen ihn seine Kumpel vor der Zeremonie natürlich stilecht am Wohnort ab. Am Sonnabend röhrten zehn dieser außergewöhnlichen, chromblitzenden Trikes durch Engelbostels Dorfmitte. Sie boten einen starken Kontrast zu den landwirtschaftlichen Erntefahrzeugen, die ebenfalls mit Tempo 30 unterwegs waren.

Um bei der Hochzeit von Sonja und Michael dabei zu sein, war der Freundeskreis der GBW-Triker aus Großburgwedel angerückt, ebenso wie motorisierte Freunde aus Berlin und Osnabrück. Ihr gemeinsames Ziel: die Triker-Lounge an der Langenhagener Hans-Böckler-Straße.

Die Trikes werden in Position gebracht, bevor die Braut eintrifft. Quelle: Patricia Chadde

Benzingeruch liegt in der Luft

Bräutigam Michael hatte seine Kutte an diesem Ehrentag gegen einen weißen Frack mit fliegenden Schößen getauscht und stiefelte zwischen den kleinen Kult-Wohnwagen names Qek, auf Hochglanz gewienerten Trikes mit Kennzeichen aus der ganzen Republik und rund 95 Gästen umher. Die Familie war eher klassisch gekleidet, aber rund 60 Triker hatten ganz stilecht ihre schwarzen Kutten übergeworfen.

Da haben die Großburgwedel-Triker und Gleichgesinnte ganz schön aufgefahren. Zur Silberhochzeit von Sonja und Michael in Langenhagen blitzt viel Chrom.

Dann hieß es noch ein bisschen zu warten. Während auf dem Gelände Michaels beeindruckendes V8-Trike mit 363 PS schon in der „Parkposition“ stand, war die sehnsüchtig erwartete Braut deutlich bescheidener unterwegs, nämlich mit nur zwei PS. Da blitzte kein Chrom, sondern es glänzte gestriegeltes weißes Fell. Zwei Schimmel zogen Braut Sonja und Gefolge zum Partygelände.

Braut Sonja kommt mit zwei PS zur Hochzeitsfeier. Links sitzt Tochter Jannika. Quelle: Patricia Chadde

Triker sind „ein freier Kreis aus Freunden“

Natürlich hätten die Triker ein zünftiges Hupkonzert zur Begrüßung anstimmen können. Aber auf die Kutschpferde nahmen sie natürlich Rücksicht. „Wir sind überhaupt eine ganz tolle Gemeinschaft“, sagte Heike. Sie ist Mitbegründerin des Freundeskreises GBW-Triker, was ausgeschrieben Großburgwedel-Triker heißt. „Wir sind kein Club oder Verein“, fügte sie hinzu, sondern „ein freier Kreis aus Freunden“. Dann wartete die nächste Aufgabe auf Heike, denn die Schleppe der Braut musste gerichtet werden. Dann konnte Sonja am Arm ihres 92-jährigen Onkels Walter zum Zelt schreiten, in dem die Zeremonie stattfand.

Die Gäste nahmen auf weißen Bänken Platz, und los ging es. Die Hochzeitrednerin erinnerte an die erste Begegnung von Sonja und Michael auf dem Oldenburger Kramermarkt. Ein Jahr später hatten beide als werdende Eltern viel zu organisieren und heirateten am 30. September 1996 nur standesamtlich. Den Traum vom eigenen Trike haben sich Sonja und Michael in den 25 Ehejahren seitdem schon erfüllt. Die Sehnsucht nach einer Hochzeit in Weiß aber hielt sie bis zum Datum ihrer Silberhochzeit wach.

Kuttenträger pusten Seifenblasen

Die „Brillensucherin“ und der „Sockenrumliegenlasser“ – so die Hochzeitsrednerin – luden ihre Lieblingsmenschen zu einem zweitägigen rauschenden Fest ein. Weshalb die Triker gleich ihre eigenen Domizile, die kleinen Wohnwagen, mitbrachten. So konnte man zur Musik der Band District 11 auch ein bisschen Alkohol „tanken“.

Diese Gruppe kommt aus Osnabrück zur Hochzeit in der Langenhagener Triker-Lounge. Quelle: Patricia Chadde

Das Rezept für Sonjas und Michaels Ehe besteht aus Loyalität, Humor und Durchhaltevermögen, denn es gab auch sehr herausfordernde Zeiten. Diese hat das Paar gemeinsam gemeistert, weshalb sie das neuerliche Bekenntnis zueinander nun mit fester Stimme sprachen. Mancher gefährlich aussehende Triker wischte sich kurz eine kleine Träne aus dem Gesicht. Dann erhoben sich die Freunde, bildeten ein Spalier und pusteten Seifenblasen. Danach wurde – endlich! – laut und ausdauernd gehupt.

Schließlich wurde eine echte Triker-Ehe in einer Arena aus Qek-Wohnwagen und dreirädrigen Gefährten geschlossen. Bis wieder ein Motor röhrte, sollte es allerdings noch bis zum nächsten Morgen dauern. Erst wurde gefeiert und dabei vielleicht auch gleich der nächste Tourenplan geschmiedet.

Von Patricia Chadde