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Langenhagen 2015 flüchteten Ahed und Jourj aus Syrien – jetzt retten sie in Langenhagen Menschenleben
Umland Langenhagen

Langenhagen: Junge Geflüchtete aus Syrien retten nun als Sanitäter Menschenleben

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13:12 03.10.2019
Ahed Al Rifai (links) und Jourj Aljenady sind frisch ausgebildete Rettungssanitäter in Langenhagen. Quelle: Bettina Martin (Johanniter)
Langenhagen

Ahed Al Rifai und Jourj Aljenady aus Syrien sind nach ihrer Flucht 2015 in Langenhagen gelandet. In einer Flüchtlingsunterkunft haben sich die beiden kennengelernt. Sie trafen sich in der Kleiderkammer der Johanniter Am Pferdemarkt wieder und beschlossen, dort künftig ehrenamtlich mitzuhelfen. Nun, vier Jahre später haben der heute 27-jährige Ahed und sein ein Jahr jüngerer Freund Jourj bei den Johannitern in Langenhagen nicht nur ihren Bundesfreiwilligendienst absolviert: Die Zeit haben sie auch dazu genutzt, um die deutsche Sprache zu lernen und parallel die Ausbildung zum Rettungssanitäter abzuschließen. Fortan retten sie Menschenleben. Einer in der Rettungswache in Langenhagen, der andere bei den Johannitern in Garbsen.

Dampfend stehen zwei Becher mit Kaffee bei einem Treffen mit den beiden Syrern auf dem Tisch im Hinterraum der Johanniter-Kleiderkammer „Nahtstelle“ an der Straße Am Pferdemarkt. Für die jungen Männer aus Syrien ist es nach eigenem Bekunden ein wenig wie nach Hause kommen. Und für die Koordinatorin Jennifer Rihm ist die Zusammenkunft mehr als ein Wiedersehen – sie ist schlichtweg glücklich. „Wir sind unheimlich stolz hier auf die beiden“, sagt Rihm. Die Rettungssanitäterausbildung war Teil des Bundesfreiwilligendienstes, den Ahed und Jourj im nordhannoverschen Ortsverband der Johanniter in Langenhagen abgeleistet haben. Insgesamt dauerte die Ausbildung 520 Stunden und umfasste neben einem theoretischen Block auch Praktika in einer Klinik- und einer Rettungswache, erläutert die Johanniter-Koordinatorin.

Bundesfreiwilligendienst liefert Orientierung auf Arbeitsmarkt

Für Ahed und Jourj hat sich nach eigenen Angaben der Bundesfreiwilligendienst als Glücksgriff erwiesen. „Es war eine gute Entscheidung“, fasst Jourj nach Abschluss zusammen. Denn damit habe er sich auch auf dem deutschen Arbeitsmarkt orientieren können – vor allem aber die so wichtige Sprachpraxis gewinnen können. „Mein Ziel war es, mein Deutsch zu verbessern, darin habe ich gute Fortschritte gemacht“, sagt der 26-Jährige selbstbewusst. Ahed ging es ähnlich. „Wir haben viele Menschen kennen gelernt und uns viel mit den anderen Ehrenamtlichen und Kollegen unterhalten. Das hat die Sprache verbessert“, betont der heutige Rettungssanitäter.  

Sprache war zunächst eine große Barriere

Die Sprache hatte sich zunächst als größte Hürde erwiesen, die die beiden bewältigen mussten, bilanziert nun Rihm. Die Buchstaben sahen fremd aus und auch die Ausdrucksweise sei ganz anders, erzählen die beiden jungen Männer. Das Fachliche in der Rettungssanitäter-Ausbildung sei indes gar nicht so schwierig gewesen. Da sind sich beide einig. Zumal Ahed in Syrien etwa vor seiner Flucht bereits vier Semester Zahnmedizin studiert hatte. Zudem loben sie ihre Kollegen der Johanniter-Rettungswache in Langenhagen, die sie in allen Belangen unterstützt haben. Der Rest kam letztendlich später, als es mit der Sprache besser lief, sagt Jourj.

Teil eines Bundesfreiwilligendienstes sind außerdem pädagogische Begleitseminare, die ebenfalls dafür sorgten, dass Ahed und Jourj sich auf Deutsch ausdrücken mussten, erläutert Rihm. „Wir hatten viel Kontakt zu Deutschen und haben die Kultur kennengelernt“, sagen beide heute und sehen das auch als einen Vorteil für den Arbeitsmarkt an.

Ein Zurück in erlernten Beruf ist durchaus eine Option

Jetzt nach der Ausbildung müssen die beiden Rettungssanitäter erst einmal Erfahrungen in der Praxis sammeln. „Es ist ein Beruf mit viel Stress, aber man lernt damit umzugehen, wenn man regulär im Rettungsdienst mit auf dem Auto sitzt und am Patienten arbeitet“, erklärt Jourj. Menschen helfen, Leben retten – das mache den beiden viel Spaß, sagen sie unisono.

Ahed möchte in dem Beruf bleiben, später einmal die dreijährige Ausbildung zum Notfallsanitäter dranhängen. Er bleibt den Johannitern erhalten und arbeitet weiter als Rettungssanitäter in der Wache in Langenhagen. Jourj indes wünscht sich zunächst mehr Routine. Allerdings kann er sich durchaus auch vorstellen, irgendwann wieder in seinen ursprünglichen Beruf in der IT-Branche zu arbeiten. Aktuell rettet er aber erstmal in der Johanniter-Rettungswache in Garbsen Leben.

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