Langenhagen: Kater Uwe hält das Weiherfeld auf Trab
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Langenhagen Uwe und Kaltenweide, wie ein Kater sein Dorf auf Trab hält
Umland Langenhagen

Langenhagen: Kater Uwe hält das Weiherfeld auf Trab

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13:35 24.11.2019
Als ob er wieder Pläne schmiedet, wohin es diesmal gehen soll. Quelle: Rebekka Neander
Kaltenweide

„Guck mal, ist das Uwe?“ Soziale Medien sind ja in jüngerer Zeit ob unschöner Kommentare etwas in Verruf gekommen. Für Melina Leibelt sind sie ein Segen. Denn seitdem sich unter Nachbarn und Bekannten herumgesprochen hat, welch spezielles Problem die Mutter und Geschäftsfrau mit ihrem so niedlich dreinschauenden Hauskater hat, führt Kater Uwe auch ein virtuelles Eigenleben. „Wenn ihn jemand sieht, schickt man mir über Facebook oder Instagram eine Nachricht, wo er gerade ist.“ Sie lacht, während sie dies erzählt. Ihr Blick fällt liebevoll auf den grau-weiß-braun-getigerten Kater, der durch das Dachfenster nach draußen schaut. Ein gewisses Seufzen lässt sich jedoch ebenfalls nicht unterdrücken. Denn der Uwe guckt, als schmiede er neue Pläne.

Irgendwie hängt der Kater an seinen zweibeinigen Wohnungsgenossen. So sehr, dass er morgens parallel zur Mutter und dem fünfjährigen Sohn Emil durch die Vorgärten mit zum Kindergarten an der Zellerie kommt. „Auf dem Rückweg nimmt er dann aber offenbar ganz eigene Routen“, sagt Leibelt. Irgendwann tauchte Uwe dann auch in der Kindergartengruppe auf. „Dummerweise, als Emil krank war. Sonst hätte er ihn ja gleich erkannt.“

Ein anderes Mal kam ein Anruf aus dem Tierheim. „Nachbarn hatten Uwe mit einem Stallkater eines anderen Hofes verwechselt und brachten ihn dorthin.“ Als sich auf dem Hof aber herausstellte, dass der Kater des Hauses bereits anwesend war, brachten ihn die Hofbesitzer ins Tierheim.

Der fünfjährige Emil ist zu Hause Uwes engster Vertrauter. Quelle: privat

„Wir müssen los, Uwe holen ...“

Dass Freigänger-Katzen auch mal verschwinden, sei nun keine Überraschung gewesen, sagt Leibelt. Doch dann häuften sich die Schilderungen von Bekannten, die das noch junge Tier etwas verloren an den unmöglichsten Stellen im Dorf gesehen hatten. Kein Wunder dass sich Uwe verlief, sagt Leibelt, im Weiherfeld sähen ja auch alle Straßen irgendwie gleich aus. „Ich musste immer wieder losfahren, um den Kerl einzusammeln.“ Sogar Emil, eigentlich Uwes innigster Verbündeter in der Familie, rollt inzwischen mit den Augen, wenn seine Mama mit dem Autoschlüssel um die Ecke kommt. „Wir müssen los, Uwe holen ...“

Auch manch Elternteil von Emils Freunden zeigt sich inzwischen durchaus genervt – eben weil der Kater gerne auch mal die Freunde Emils, wenn sie abgeholt werden, mit nach Hause begleitet. Dann steht nach Entdeckung des blinden Passagiers der Rücktransport an. „Unsere Nachbarn haben einen Gartenbaubetrieb. Die kontrollieren jetzt jeden Morgen ihre Autos, ob Uwe womöglich irgendwo zugestiegen ist.“

Der junge Kater Uwe wohnt seit eineinhalb Jahren am Rande des Weiherfelds und sammelt fleißig Freunde.

Uwe begleitete Melina Leibelt und ihren Ehemann Timm auch zur Europawahl. „Wir setzten ihn vor dem Wahllokal in einen unserer Fahrradkörbe, damit jeweils einer von uns wählen gehen konnte, während der andere bei Uwe wartete.“ Um nicht mehr auf die Anrufe und Internet-Botschaften angewiesen zu sein, bekam der Kater ein Halsband mit GPS-Sender. „Ich konnte dann auf dem Smartphone sehen, wo er gerade war.“ Eine der besonderen Routen hat sie bis heute gespeichert. Satte 7 Kilometer lief der Kater – „leider über die Autobahnbrücke und dann seltsamerweise immer gerade auf einem Feldweg“.

Warum läuft ein Kater brav auf dem Feldweg? Ganz einfach: Weil er Bekannte beim Joggen begleitet. Quelle: privat

GPS-Halsband bleibt auf der Strecke

Letztlich strandete der Kater in der Nähe des Tierheims Krähenwinkel. „Von dort hätte er nie zurückgefunden, also bin ich dort hin und habe ihn gesucht.“ Den Eindruck, den sie dort vermittelt haben muss, wird Leibelt so schnell nicht vergessen. „Eine Frau kam aus dem Tierheim mit vier Hunden an der Leine. Und ich stehe am Wegesrand und rufe ins Gebüsch nach ,Uwe’ ...“ Zum Glück kam der Kater dann tatsächlich schnell heraus gekrochen und löste die Peinlichkeit auf.

Erst später stellt sich heraus, warum der naturverbundene Kater nicht vom Wegesrand abweichen wollte. „Bekannte sprachen uns an, als sie den Kater bei uns sahen, und erzählten, er hätte sie auf ihrer Joggingrunde begleitet.“ Uwes Satellitenüberwachung fand leider ein schnelles Ende. „Das Halsband hat zur Sicherheit zwei Sollbruchstellen, damit sich die Tiere nicht aufhängen können“, erklärt Leibelt. Leider löste sich jene, die die Batterieverbindung kappt. Das Sendesignal verstummte. Aber Kaltenweide wäre nicht Kaltenweide, wenn nicht die Eigentümerin einer Pferdeweide nach dem Mähen derselben auf das Halsband stoßen, sich an den dorfbekannten Kater erinnern und das Halsband wieder zu dessen Zuhause tragen würde. Nun aber liegt es auf dem Tisch. „Es ist halt für einen so schmalen Kater wie Uwe etwas schwer“, sagt Leibelt. Sie suche nun nach einer leichteren Alternative.

Das Halsband mit GPS-Sender verlor der Kater - die Pächterin einer Pferdeweide fand es nach dem Mähen wieder und brachte es Familie Leibelt zurück. Quelle: Rebekka Neander

Eigener Account auf Instagram erleichtert das Wiedererkennen

Für den Übergang besitzt Uwe nun einen eigenen Account auf Instagram: Unter „uwe.the.cat“ sammelt Melina Leibelt Bilder und kleine Geschichten des Katers. Wer Zweifel hat, ob er Uwe gesichtet hat, findet dort Vergleichsbilder. Denn die Abenteuer reißen nicht ab. Eines Tages schickten Bekannte ein Foto: Es zeigte Uwe mitten vor der Tür eines Supermarktes, wie er sich in aller Ruhe putzt, obwohl er mitten im Weg sitzt. Aber dort war es trocken und was will Tier mehr. Als Melina Leibelt dort ankam, war Uwe verschwunden. Leibelt traf bei ihrer Suche auf eine Mitarbeiterin eines Drogeriemarktes, die vor der Tür eine kurze Pause machte. Ja, sagte diese, einen Kater habe sie gerade erst aus dem Lager scheuchen müssen. Wenn er wieder auftauche, sperre sie ihn im Klo ein und rufe Melina Leibelt an.

Andere Bilder zeigten Uwe, wie er bei Regen in einem Spielzeugladen an der Eingangstür sitzt und von innen dem Regen draußen zusieht. Als Melina Leibelt dort ankam, war der Kater verschwunden. Die Verkäuferinnen erzählten ihr, sie hätten ihn bei dem Wetter nicht vor die Tür scheuchen wollen. Nach längerer Suche im Laden kam plötzlich aus einem Berg von Kuscheltieren Uwe heraus – tief verschlafen und sich genüsslich reckend. „Den hätte niemand dort entdeckt zwischen den Tieren.“ Ein Pärchen im Bekanntenkreis, er ist Notfallsanitäter, berichtete von einem Einsatz im Dorf. Während die Einsatzkräfte oben sich um den Patienten kümmerten, stand der Krankenwagen unten vor der Tür mit der bereits ausgepackten Trage. Melina Leibelt seufzt. Man muss nicht lang raten, wer auf der Trage auf Abfahrt wartete, als die Sanitäter wieder aus dem Haus kamen.

„Rufen Sie mal quer über den Parkplatz nach Uwe ...“

Uwe ist eigentlich ein ganz normaler Kater. Allerdings entstammt er einer wild auf der Straße lebenden Mutter, die irgendwann von der Katzenhilfe aufgelesen wurde. Und wahrscheinlich hat er dieses Leben mehr als buchstäblich mit der Muttermilch aufgenommen. Uwe zog ein in das nette Einfamilienhaus am Rand des Weiherfelds, nachdem sein Vorgänger „Udo“ altersbedingt verstorben war. Dass der Neuling wieder einen eher tieruntypischen Namen bekommen sollte, sei seinerzeit der etwas schrägen „Familientradition“ geschuldet, sagt Leibelt lachend. Dass sie dies in eher unangenehme Situationen bringen würde, konnte ja keiner ahnen. „Stehen Sie mal bei Regen auf dem Parkplatz eines großen Supermarktes und brüllen ,Uwe’ ...“ Wenn es nach Leibelt selbst gegangen wäre, hieße der Kater heute Manfred oder Wilfried. „Ok“, und wieder lacht sie, „das wäre auch nicht besser.“

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Von Rebekka Neander

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