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Langenhagen Lebensberatungsstelle: „Gesetz hinkt der Familie hinterher“
Umland Langenhagen

Langenhagen Lebensberatungsstelle: Gesetz hinkt Familie hinterher

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17:00 24.11.2019
Ein gut gelauntes Team: Die Lebensberatungsstelle Langenhagen unter der Leitung von Hans-Günther Schoppa (links) besteht seit 25 Jahren. Quelle: privat
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Langenhagen

Eigentlich herrscht über der Ostpassage gute Laune. „Die Finanzierung steht derzeit auf soliden Füßen.“ Ein klarer Satz, der bei Jahrespressekonferenzen einer Sozialberatungsstelle allerdings nicht so oft fällt. Doch die Lebensberatungsstelle mit Sitz in Langenhagen kann sich derzeit nicht beklagen. „Wir haben einen klar vertraglich geregelten Versorgungsauftrag“, sagt Hans-Günther Schoppa. Seit dem ersten Tag leitet Schoppa die Lebensberatungsstelle, und er kann sich auch sehr gut an ganz andere Zeiten erinnern. Und doch blickt sein Team nicht ganz sorgenfrei in die Zukunft. Denn die Fragestellungen seiner Klientel ändern sich in einem schnelleren Tempo als die dazu gehörenden Gesetze.

„Es ist nicht nur die steigende Zahl auch älterer Menschen, die inzwischen den Weg zu uns findet und Fragen zur eigenen Familiensituation hat“, sagt Schoppa. Basis der soliden Finanzierung der Familien- und Erziehungsberatung, zu der die Region Hannover verpflichtet ist und deren Auftrag die Stadt Langenhagen an die Lebensberatungsstelle übergeben hat, ist das Jugendhilfegesetz. In diesem aber sind Kinder grundsätzlich erst einmal jünger als 18 Jahre. In Einzelfällen dürfen sie auch bis zu 21 Jahren alt sein. „Wenn jetzt aber sich Erwachsene melden, die Probleme mit ihren älter werdenden Eltern haben – sei es in der Pflege oder Betreuung –, dann können wir diese Familienberatung nicht mehr kostenlos anbieten“, erläutert Schoppas Stellvertreter Bernd Buchholz. Er verantwortet in der Beratungsstelle den Fachbereich der Familien- und Erziehungsberatung.

„Beratung soll nie an Finanzierung scheitern“

Als Problem wollen beide diesen Nachbesserungsansatz für die gesetzliche Finanzierungsgrundlage jedoch nicht bezeichnen. Dies ginge zu weit. „Unser Anspruch ist, dass hier keine Beratung an finanziellen Fragen scheitern soll“, hält Buchholz fest. Für alle Beratungen, die nicht in die Definition des Jugendhilfegesetzes fallen, berechnet die Beratungsstelle einen Eigenanteil von 25 Euro pro Beratung. „In wirtschaftlich prekären Situationen ermäßigen wir auf 10 Euro“, ergänzt Schoppa. Extremfälle fallen unter den salomonischen Begriff „verhandelbar“. Ein schmaler Grat: „Für manche Menschen sind Dinge wertlos, wenn sie nichts kosten.“

Begonnen hat die Geschichte der Lebensberatungsstelle im Oktober 1994. Basis war der Wunsch der Stadt, eine psychologische Beratung anzubieten. Trotz der historischen Existenz der „Idiotenheilanstalt“ und der späteren Psychiatrie des Regionsklinikums an der Walsroder Straße war eine ambulante Beratung für Menschen in Lebenskrisen fehl am Platz. „Die Stadt übertrug uns als freiem Träger diesen Auftrag“, erinnert sich Schoppa. Bis 2003 übernahm die Stadt auch die komplette Finanzierung. Mit dem Zusammenbruch der Gewerbesteuer in jenem Jahr musste Langenhagen seine Unterstützung jedoch drastisch zurückfahren. Der Kirchenkreis – zunächst unter dem Titel Hannover-Nord, später dann Burgwedel-Langenhagen – sprang ein, auch die Hannoversche Landeskirche steuerte Geld dazu. Den endgültigen Befreiungsschlag ermöglichte die Region Hannover 2016, die ihren gesetzlichen Auftrag der Familien- und Erziehungsberatung im Jugendhilfegesetz über das Jugendamt Langenhagen an die Lebensberatungsstelle übergab.

Geburtstagsfeier mit Festvortrag am 26. November

Was mit 49 Beratungsfällen in 1994 startete, stieg sehr schnell auf knapp 300 bereits innerhalb der ersten fünf Jahre. 2011 knackte die Statistik die 500-er-Marke. 2018 schloss mit 549 Beratungsfällen ab. Tendenz steigend. Das Team ist mit der Fallzahl gewachsen. Hinzu gekommen sind überdies Kooperationen mit anderen Beratungsstellen. So gibt es gemeinsames Projekt zur Wiedereingliederung von Langzeitarbeitslosen mit dem Jobcenter. Ähnliches gilt seit vergangenem Jahr auch mit den „Frühen Hilfen“ für junge Familien. Inzwischen gibt es zu dem eine Zweigstelle in Wiesenau für Familien- und Erziehungsberatung sowie Gruppenarbeit; eine Zweigstelle in Burgdorf ist Anlaufstelle für Lebens-, Ehe- und Paarberatung.

Den 25. Geburtstag feiert die Lebensberatungsstelle am Dienstag, 26. November, mit einem „interaktiven“ Fachvortrag in der Emmaus-Kirchengemeinde in Wiesenau. Zu Gast ist von 17.30 Uhr Tom Pinkall, ein ausgewiesener Experte in der Familienarbeit. Der Eintritt ist frei.

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Von Rebekka Neander

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