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Langenhagen „Tue Gutes und rede darüber“: Martinsgemeinde im Fernsehen
Umland Langenhagen „Tue Gutes und rede darüber“: Martinsgemeinde im Fernsehen
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00:15 05.05.2019
Pastor Rainer Müller-Jödicke erläutert Redakteur Hans-Christian Hoffmann, warum er trotz rückläufiger Mitgliedszahlen an die Zukunft der Kirche glaubt. Quelle: Rebekka Neander
Engelbostel

Eigentlich weiß Pastor Martin Müller-Jödicke ziemlich genau, wo er in seiner Martinskirche zu stehen hat. Jetzt aber weist ihm ein Taschenmesser den Weg. Es liegt auf dem Fußboden irgendwo zwischen Altar und erster Kirchenbank. Eigentümer des kleinen Werkzeugs ist Marcel Manske. Auf dessen Schulter thront eine Kamera. Und nur wenn des Pastors Fußspitzen an den metallenen Wegweiser stoßen, hat Manske Müller-Jödicke exakt, wo er ihn haben will: im Bild. Denn der Pastor hat lange nach Ende des Gottesdienstes noch eine Botschaft zu übermitteln: Auch wenn sich die Mitgliederzahlen der evangelischen Kirche bis 2060 halbieren werden, glaubt Müller-Jödicke an die Zukunft seiner Gemeinde. Aus gutem Grund.

Marc Hadenfeldt überwacht die Tonaufnahmen in der Martinsgemeinde. Quelle: Rebekka Neander

Von derzeit 2,5 Millionen Mitgliedern der Landeskirche Hannover werden im Jahr 2060 nur noch 1,2 Millionen Menschen auch auf dem Einkommensteuerbescheid lesbar Mitglied der Gemeinden zwischen Ostfriesland, Lüneburg und Göttingen sein. Dies ist eines der alarmierenden Ergebnisse, die die Landeskirche in einer Studie am Donnerstag präsentiert. Rund 500.000 Menschen scheiden aufgrund des demographischen Wandels aus, heißt es in der Pressestelle der Landeskirche Hannover. Von den übrigen entscheidet sich rund ein Drittel vor dem 31. Geburtstag für den Austritt. „Das erste Mal nach ihrer Konfirmation sehen viele Kirche erstmals wieder auf dem Gehaltszettel“, sagt Benjamin Simon-Hinkelmann, stellvertretender Pressesprecher im Landeskirchenamt Hannover. „Und dann treten sie eben aus.“ Und weil auch der NDR von dieser Studie erfahren hat und die Landeskirche Hannover um ihre Meinung zu den Zahlen gebeten hat, steht an diesem Sonntag ein Kamerateam mitten im Familiengottesdienst der Martinsgemeinde. Denn auch das Landeskirchenamt in Hannover gibt die Hoffnung nicht auf und hat den Sender auf die Reise geschickt: Warum Kirche eine Zukunft hat, könnten die Fernsehleute am besten in Engelbostel sehen.

Nur die Martinsgemeinde schrumpft nicht

Denn die Martinsgemeinde schrumpft eben nicht. Das hat viele Gründe. Mehrere davon hat noch vor dem Pastor Stephan Mörke dem erstauten Kamerateam vor die Linse gehalten: Da wäre vielleicht die Schürze, auf der dem Turm der Kirche ein nettes Lächeln samt Bier und Bratwurst aufgesetzt wurde. Oder der Bierdeckel mit dem Schriftzug „Kirche ist auch dein Bier“. Oder die kleine Getränkedose, deren Schriftzug Weiß auf Grün „MartinsHugo“ versucht schmackhaft zu machen. „Wir haben uns überlegt, wie wir Kirche auch an unüblichen Orten wie dem Sportplatz ins Gespräch bringen können“, erzählt Mörke lachend in die Kamera, während Redakteur Hans-Christian Hoffmann noch etwas ungläubig die Dose in seiner Hand hin und her dreht.

Kirchenvorsteher Stephan Mörke verblüfft Redakteur Hans-Christian Hoffmann und Kameramann Marcel Manske mit der extra entworfenen Schürze, den Bierdeckeln und dem "Martins-Hugo". Quelle: Rebekka Neander

Auch Svenja Mischel hat nach dem Familiengottesdienst so warm wie eindringlich berichtet, wie ihre Tochter, die den Kirchen-Kindergarten besucht, die Eltern wieder ins Kirchenschiff nebenan gebracht hat. „Der Gottesdienst hier ist eben anders, als man es von früher gewöhnt ist“, erzählt Mischel. Kein starrer Frontalunterricht, sondern ein Mittendrin. Und eben dies werden Müller-Jödicke und sein Team nicht müde, auch vehement und wiederholt unters Volk zu bringen. „Tue Gutes und rede darüber“, pflegt der Pastor an dieser Stelle zu sagen. Ein wesentliches Detail, wie Mischel meint. „Wenn niemand draußen mitbekommt, dass es hier anders ist, hilft es ja nichts.“

Svenja Mischel ist über ihre Tochter wieder zur Kirche gekommen. Kameramann Marcel Manske und Toningenieur Marc Hadenfeldt nehmen ihr Statement auf. Quelle: Rebekka Neander

Eine Vielzahl durchaus ungewöhnlicher Aktionen, der glückliche Umstand, viele engagierte und talentierte Mitwirkende in allen Altersstufen zum engeren Netzwerk zählen zu dürfen, eine Kirche, „die sichtbar im Dorf ist“, all dies gehört für den Pastor zu dem Mosaik, das die Gemeinde zum landesweiten Beispiel mache. Das mag nicht bis ins letzte Detail einfach zu kopieren sein auf andere Standorte. „Aber solche Mitspieler gibt es sicherlich auch in anderen Gemeinden“, hält Simon-Hinkelmann fest. „Die Kunst besteht darin, diese Leute zusammenzubringen.“

Wird es 2060 in Engelbostel noch einen Pastor geben?

Auch wenn Müller-Jödicke seit einigen Jahren den Schwund sichtbar stoppen konnte („Morgen habe ich wieder zwei Eintritte“), sieht auch er der weiteren Entwicklung nicht ohne Sorge entgegen. Wie lange es noch einen Pastor auf der Kanzel geben werde, vermag er nicht zu sagen. „Wir werden noch viel stärker auf Laien-Prediger setzen als jetzt schon.“ Dafür aber reiche in Engelbostel das Gemeinschaftsgefühl in jedem Fall. „Die Kirche steht hier seit 1196 und sie wird auch 2060 noch hier sein.“

Info: Der Bericht über Engelbostels Martinsgemeinde und die Studie wird im NDR Fernsehen am Donnerstag um 19.30 Uhr zu sehen sein.

Von Rebekka Neander

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