Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Langenhagen So läuft der Neustart für die katholischen Gemeinden im Norden
Umland Langenhagen

Langenhagen: Neustart für katholische Gemeinden

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:36 22.11.2019
Hartmut Lütge ist künftig der leitende Pfarrer im neuen "Pastoralen Raum" für die katholischen Gemeinden zwischen Eikeloh und Langenhagen. Quelle: Rebekka Neander
Langenhagen

Provokante Fragen? Die lacht er einfach weg. „Zölibat?“ Nein, als Verpflichtung sieht er darin keinen Sinn. Hartmut Lütge wirkt ein wenig gelangweilt. Gesagt sei darüber doch längst genug. Doch es müsste doch inzwischen auch allen klar sein, dass in einer katholischen Weltkirche derlei nicht im nationalen Alleingang verändert werden könne.

Nein, Lütge hat als „leitender Pfarrer“ des neu geschaffenen „pastoralen Raums“ im Norden Hannovers viel Aufregenderes im Sinn. „Wer sagt eigentlich, dass die Macht in der Gemeinde am Weihe-Amt hängt?“, fragt Lütje und meint: Wie können Frauen in der katholischen Kirche an Bedeutung gewinnen?

Am Sonnabend, 30. November, beginnt für die katholischen Gemeinden zwischen Eikeloh nahe Schwarmstedt und Wiesenau am südlichen Rand Langenhagens eine neue Zeitrechnung. Sparzwänge und Personalprobleme haben auch das Bistum Hildesheim zu Reformen bewogen: Und so „entsendet“, wie es formal heißt, Bischof Heiner Wilmer nun mit symbolträchtigem Brief ein „pastorales Leitungsteam“, um den drei Pfarreien mit fünf Kirchen auf dem Gebiet von fünf Kommunen in zwei Land- sowie zwei Kirchenkreisen eine Klammer zu geben. Zu diesem Team gehört Lütge. Angst vor dem Konstrukt hat er nach eigenem Bekunden nicht. Auch nicht „vor den Kilometern“, die vor ihm und seinen Kollegen liegen.

Feierliche Einführung des Teams am 30. November

Neben Lütge, gebürtig in Bad Salzdetfurth und seit fünf Jahren in der Mellendorfer St.-Maria-Immaculata-Gemeinde beheimat, gehören der Burgwedeler Pfarrer Ivan Mykhailiuk (St. Paulus), die beiden Gemeindereferenten Thomas Schenk und Michael Habel sowie der Pastoralassistent Benedikt Koßmann zum Leitungsteam. Sie alle werden am 30. November am Vorabend des 1. Advents, um 18 Uhr, von Propst Christian Wirz in der Liebfrauenkirche in Langenhagen in ihre neue Position eingeführt.

Die beiden in Langenhagen vor einigen Jahren unter Reibungsschmerzen fusionierten Gemeinden Zwölf Apostel und Liebfrauen stoßen als letzte in den bereits existierenden Verbund der übrigen Gemeinden. Erst mit der Verabschiedung von Pfarrer Klaus-Dieter Tischler in Langenhagen sollte die Neuordnung auch für die Gemeindemitglieder in der Flughafenstadt vollzogen werden. Die Stadt bleibt damit weiterhin zweigeteilt: Die westlichen Dörfer Langenhagens gehören zur Gemeinde St. Hedwig in Hannover-Vinnhorst.

„Die Krise hat in Langenhagen viele motiviert“

Den Neustart nimmt das Bistum sehr ernst. „Wir schließen uns mit allen neuen Teams an dem Montag nach der Einführung erst einmal für eine ganze Woche ein“, sagt Lütge. Man wolle auszuloten, wie die alltägliche Arbeit in den Gemeinden am besten auf die Beine gestellt werden kann. „Dazu gehört auch eine einheitliche Gottesdienstordnung.“ Das zur Verfügung stehende Personal müsse gezielt eingesetzt werden. Und hier wird es für Lütge spannend.

Gerade in Langenhagen, so sein erster Eindruck nach Gesprächen und Vakanz-Vertretungen, sei die Vorarbeit sehr spürbar. „Die Krise um die Fusion der Gemeinden und um den Kampf um den Erhalt beider Kirchen in Langenhagen hat alle sehr motiviert, ein pastorales Konzept zu gestalten“, sagt er mit hörbarem Respekt. „Gemeinde braucht viele engagierte Menschen“, betont der 48-Jährige. Und innerhalb dieser Strukturen sieht er großen Gestaltungsfreiraum, um insbesondere Frauen stärker in den Mittelpunkt zu rücken.

„Wo liegt die Macht in der Gemeinde denn wirklich?“

„Wir haben längst im Gemeindeleben Bereiche, in denen Frauen wichtige Positionen bezogen haben“, sagt Lütge. In dem künftig von ihm verantworteten Bereich gebe es beispielsweise derzeit vier Personen, die nach einer Fortbildung vom Bischof offiziell mit der Trauerbegleitung und der Ausrichtung von Bestattungen beauftragt worden seien – allesamt Frauen. „Drei in Mellendorf und eine in Burgwedel.“ Und mehr noch: Natürlich seien die Sakramente weiterhin den geweihten Priestern vorbehalten. „Aber wo liegt die Macht in der Gemeinde denn wirklich?“ Lütge fallen auf Anhieb gleich zwei Gemeinden ein, deren Pfarrgemeinderat eine Frau vorsteht.

Mit dem Schwund der Gemeindemitglieder befasst sich Lütge ohne Groll. „Ich erlebe es immer wieder auch in Taufgesprächen, dass nur noch ein Elternteil Mitglied in der Kirche ist und der Hauptverdienende aus Kostengründen ausgetreten ist.“ Aber in seine Kirche(n) seien ausdrücklich alle eingeladen. Die Einsicht der kirchlichen Sinnhaftigkeit wirken zu lassen, überlasse er einem anderen. „Das muss ich nicht machen“, und wieder lacht er. „Da vertraue ich auf Gott.“

Lesen Sie dazu auch

Von Rebekka Neander

Auf der Hannoverschen Straße in Langenhagen gibt es derzeit Einschränkungen für Autofahrer. Eine mobile Ampel regelt dort den Verkehr. Der Grund: Arbeiter bauen die Bushaltestelle Schulenburger Mühle barrierefrei aus.

22.11.2019

Zum Auftakt der neuen Konzertreihe „Klassik im November“ hat der Kunstverein Imago aus der Wedemark die deutsch-rumänische Pianistin Nicoleta Ion für Donnerstag, 28. November, eingeladen.

22.11.2019

Eine Autofahrerin hat am Donnerstagabend beim Queren der Gleise in Langenhagen offenbar eine Stadtbahn übersehen. Bei dem Unfall wurden beide Autoinsassen verletzt. Die Strecke der Linie 1 war zwischenzeitlich gesperrt.

22.11.2019