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Langenhagen Gewaltbereiter Patient flüchtet erneut aus Psychiatrie in Langenhagen
Umland Langenhagen

Langenhagen: Patient flüchtet erneut aus Psychiatrie

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14:57 30.07.2021
Keine Gitter vor den Fenstern: Das Klinikum für Psychiatrie und Psychotherapie in Langenhagen ist kein Gefängnis. Darauf legt die Leiter der Klinik auch wert, Rohdehof 3 in Langenhagen, 2 Fotos im Dossier
Keine Gitter vor den Fenstern: Das Klinikum für Psychiatrie und Psychotherapie in Langenhagen ist kein Gefängnis. Darauf legt die Leiter der Klinik auch wert, Rohdehof 3 in Langenhagen, 2 Fotos im Dossier Quelle: Rainer Surrey (Archiv)
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Langenhagen

Die Polizei sucht weiter nach einem 25 Jahre alten Patienten, der am 21. Juli aus der geschlossenen Abteilung der psychiatrischen Klinik in Langenhagen geflohen war. Der Hannoveraner gilt als gewaltbereit und war deshalb eingewiesen worden. Die Polizei kann eine Eigen- und Fremdgefährdung aktuell nicht ausschließen, teilte Michael Bertram, Sprecher der Polizei Hannover, mit. Auch nach fast einer Woche fehlt von dem Flüchtigen jede Spur.

Nicht zum ersten Mal ist der Mann aus dem Krankenhaus entwichen. Bereits einen Tag nach seiner ersten Einweisung Anfang Juli flüchtete er, wurde aber einen Tag später in Hannover-Linden aufgegriffen – und erneut eingewiesen. Wie es zu der neuerlichen Flucht kommen konnte, kann oder will der Polizeisprecher nicht sagen. Nach Informationen dieser Zeitung brach der 25-Jährige ein Fenster auf, um zu türmen.

Polizei warnt: Geflüchteten nicht ansprechen

Der gesuchte Julian A. ist zwischen 1,76 und 1,80 Meter groß und von schmächtiger Statur. Er hat langes, dunkles, welliges Haar, trägt Dreadlocks und hat einen Ansatz von einem Vollbart. Zum Zeitpunkt des erneuten Verschwindens trug er eine zerrissene Jeans sowie eine dunkle Lederjacke. Es ist zudem davon auszugehen, dass er einen Rucksack in Form eines Schafs bei sich hat.

Da nicht ausgeschlossen werden kann, dass von dem 25-Jährigen eine Gefährdung für andere Menschen ausgeht, bittet die Polizei, beim Antreffen auf keinen Fall in Kontakt zu dem Gesuchten zu treten, sondern sich direkt an die Polizei zu wenden. Zeugen, die Hinweise zum Verbleib von Julian A. geben können, werden gebeten, sich beim Polizeikommissariat Hannover-Stöcken unter Telefon (05 11) 1 09 38 15 oder bei jeder anderen Polizeidienststelle zu melden.

Psychiatrische Kliniken sind keine Gefängnisse

„Psychiatrische Kliniken wie die unsere sind Einrichtungen, in denen Menschen geholfen wird, die an einer seelischen Erkrankung leiden“, erklärt Steffen Ellerhoff, Sprecher des Klinikums Region Hannover (KRH), zu dem auch die psychiatrische Klinik in Langenhagen mit zwei Abteilungen gehört. Diese bieten Platz für bis zu 40 Patienten. „Es sind reguläre Krankenhäuser und keine forensischen Einrichtungen oder etwa Gefängnisse“, betont er. Deshalb gebe es keine Gitter vor den Fenstern, auch nicht in der sogenannten geschlossenen Abteilung. Gleichwohl könnten dort Fenster nicht so ohne Weiteres geöffnet werden.

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Enger Austausch mit Gerichten

Wie Ellerhoff weiter erläutert, werde eine psychische Erkrankung von den Medizinern nicht nur als Störung beziehungsweise pathologische Reaktion betrachtet, „sondern auch als ein Bewältigungsversuch in einer bedrängenden innerseelischen oder äußeren Konfliktsituation“. Deshalb werde darauf geachtet, vorhandene Fähigkeiten und gesunde Anteile wahrzunehmen, anzuerkennen sowie im Sinne der Hilfe zur Selbsthilfe zu fördern.

Allerdings werde es speziell in den sogenannten Übergangsphasen, „vor allem, wenn die Gefahr von Selbst- oder Fremdgefährdung vermutet werden muss, notwendig, die Patientinnen und Patienten in einer geschützten Station zu behandeln“, erläutert der KRH-Sprecher. Doch diesem „schützenden Rahmen“, wie ihn Ellerhoff nennt, seien auch gesetzliche Grenzen gesetzt. Deshalb werde in derartigen Fällen „ein enger Austausch mit den zuständigen Gerichten gepflegt, um einen gesetzeskonformen und inhaltlich angemessenen Umgang mit den uns anvertrauten Mensch zu gewährleisten“.

„Die Menschen in unserer Behandlung gelten natürlich nicht per se als gewaltbereit“, sagt Ellerhoff. Allerdings könne ihre Erkrankung dazu führen, dass die Patienten häufig ihre Situation falsch beurteilen oder wahrnehmen. Das führe durchaus zu eigenen Ängsten, die zu Anspannung oder gar Gewalt führen könnten.

Von Sven Warnecke