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Langenhagen Street-Art: Deshalb sind viele Telefonkästen in der Stadt jetzt bunt
Umland Langenhagen

Langenhagen: Street-Art: Telekom freut sich über buntere Telefonkästen in der Stadt

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11:25 13.08.2019
Mithilfe von Street-Art-Künstler Jonas Wömpner verzieren die Jugendlichen einen grauen Verteilerkasten. Quelle: Sven Warnecke
Langenhagen

Wie klasse ist das denn bitteschön? Da setzen sich zwei Damen im bereits gesetzteren Alter an die Kassen von zwei Drogeriemärkten in Langenhagen – und verdienen sich so mal eben Geld. Doch nicht für sich selbst. Vielmehr soll damit das von der Kulturstiftung Langenhagen angestoßene Street-Art-Projekt weiterfinanziert werden. Und dabei sind sich die beiden Protagonistinnen Gabriele Spier als CDU-Ratsfrau und ihre Grünen-Kollegin Ulrike Jagau mehr als einig: Es geht dabei eben nicht um Politik, sondern um praktische Hilfe vor Ort.

Seit nunmehr vier Jahren treibt die beiden Ratsfrauen das Thema Integration um. In der Folge haben sie ihre Kontakte spielen lassen. „Ohne Netzwerk geht gar nichts“, betont Spier. Seither bieten sie Jahr um Jahr in den Schulferien das Street-Art-Projekt für Kinder und Jugendliche zwischen elf und 16 Jahren an.

Das Projekt lebt vom Netzwerk

Und sie schlagen dabei gleich mehrere sprichwörtliche Fliegen mit einer Klappe. Denn bei dem Projekt geht es in erster Linie um Integration. Doch auch darum, Jugendliche an die Kunst heranzuführen. In diesem Fall an die Graffiti-Kunst. Positiver Nebeneffekt: Die vielfach hässlichen, trist grauen Verteilerkästen der Telekom in Langenhagens Stadtgebiet werden bunter und schöner.

Mit dem von Spier bezeichneten Netzwerk sind nicht etwa nur Sponsoren wie die Stadt oder die Region Hannover und Lotto-Stiftung gemeint, sondern auch die beiden Langenhagener Filialen der dm-Drogeriemarktkette. Spier wie auch Jagau hatten sich extra in den Langenhagener Filialen als Kassiererinnen verdingt. In der Folge flossen 2000 Euro in das derzeit laufende und etwa 3000 Euro insgesamt teure Street-Art-Projekt mit 16 Kindern, die exakt auch 16 trist graue Telekom-Kästen in den Sommerferien mit Graffitis verschönern sollen.

Die beiden Langenhagener Filialleiterinnen des Drogerie-Unternehmens, Yasmin Peprah und Marina Vies, waren von ihren temporären und zupackenden Kassiererinnen derart angetan, dass sie eine künftige Zusammenarbeit im Sinne des Street-Art-Projektes nicht ausschließen. „Einer Wiederholung steht nichts im Wege“, sagte Peprah.

Drogeriemarkt will Projekt weiter unterstützen

Doch die finanzielle Hilfe ist nur ein Aspekt. Auch fachliche Begleitung ist wichtig. Dafür stehen den 16 Projektteilnehmern – sie kommen aus Afghanistan, Syrien, Nigeria und Deutschland – die beiden Street-Art-Künstler Jonas Wömpner und Marlon Reitze zur Seite. Wömpner ist in Langenhagen kein Unbekannter. Der Künstler begleitet das Projekt der Kulturstiftung bereits zum vierten Mal. Die pensionierte Lehrerin Jagau schwärmt gar: „Der hat einen Zugang zu den Kindern.“

Seit dem Beginn des Street-Art-Projektes vor drei Jahren haben die jungen Teilnehmer in Langenhagen 50 zuvor graue Telekom-Kästen verziert. Zum Abschluss der Woche kommen dann 16 weitere dazu. „Wir sind wohl die einzige Stadt in Deutschland mit derart vielen gestalteten Kästen“, freut sich Jagau.

100 Verteilerkästen sollen es wohl werden

Doch mit den dann 66 gestalteten Häuschen soll das Projekt nicht enden. „Auf jeden Fall wollen wir die 100 erreichen“, betont Spier – und lässt erst gar keinen Zweifel aufkommen, dass das nicht klappen sollte.

Jugendliche bringen gemeinsam mit Künstlern Farbe in die Stadt.

Gleichwohl werde es für Spier und Jagau nicht einfacher, Interessierte zu finden. Aktuell kommen die Kinder vom Gymnasium, von der IGS und der Robert-Koch-Realschule. Kontakte wurden auch in die Kirchengemeinden geknüpft. Indes bedauert Jagau, dass es auf ihre Anfrage per E-Mail von Seiten der Langenhagener Moschee nicht einmal eine Reaktion gegeben habe. Und das, obwohl es in den vergangenen Jahren mit der türkisch-islamischen Selimiye Gemeinde eine vertrauensvolle Zusammenarbeit gegeben habe, meint die Grünen-Ratsfrau, die auch stellvertretende Langenhagener Bürgermeisterin ist.

An dem 14 Jahre alten Paul wird es nicht liegen, falls das erklärte Ziel, 100 Verteilerkästen mit bunten Graffitis zu verzieren. Der Schüler ist bereits zum zweiten Mal mit Eifer dabei. „Das macht Spaß“, sagt Paul begeistert. Zwar könne er das noch nicht so gut wie die beiden Street-Art-Künstler, räumt er ein. Doch er kann sich durchaus vorstellen, das später selbst als Beruf zu ergreifen.

Ehernes Gesetz: Gute Sachen werden nicht übersprüht

Lobende Worte haben Spier und Jagau nicht nur für die jungen Künstler sowie Wömpner und Reitze parat. Auch die Telekom verhalte sich überaus kooperativ, berichtet Spier. „Wenn ich dem Unternehmen unsere Entwürfe per E-Mail zwecks Genehmigung zur Ansicht schicke, habe ich nach spätestens einer halben Stunde eine Antwort.“ Diese hatten zuvor die jungen Künstler zusammen mit ihren etwas älteren Lehrern gemeinsam entworfen.

Und haben die Street-Art-Koordinatorinnen keine Angst, dass die Kunstwerke eines Tages wieder beschmiert sind? Das sei erst einmal geschehen, gesteht Spier. Allerdings sei es ein leichtes gewesen, den kleinen Schaden wieder zu beheben. Reitze spricht auch von einem ehernen Gesetz in der Sprayer-Szene, das gute Sachen nicht übersprüht werden – Schlechtes indes schon.

Die Aktion der Jugendlichen kommt auch durchaus gut bei den Langenhagenern an. „Wir erfahren viel positive Resonanz“, berichtet Spier von Gesprächen mit Passanten. Doch noch viel besser sei der Teamgeist, der zwischen Jugendlichen und Street-Art-Künstlern herrscht. „Dabei sind schon echte Freundschaften entstanden“, freut sich die Initiatorin.

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Von Sven Warnecke

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