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Langenhagen Warnung in Langenhagen: Trinkwasser ist verschmutzt
Umland Langenhagen

Langenhagen: Trinkwasser verunreinigt - Enercity warnt vor Verzehr - Update

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21:59 28.10.2020
Susanne Schmidt zapft Frischwasser. Quelle: Katerina Jarolim-Vormeier
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Langenhagen

In Teilen Langenhagens sprudelte am Mittwoch schaumiges und nach Reinigungsmitteln riechendes Trinkwasser aus vielen Leitungen. Betroffen sind fast 30 Straßenzüge rund um den Reuterdamm, sagte Enercity-Sprecher Dirk Haushalter – mit geschätzt rund 2000 Haushalten.

Gesundheitsamt warnt davor, das Wasser zu trinken

Das Gesundheitsamt empfiehlt dringend, kein Leitungswasser zu trinken. Das Wasser soll in dem betroffenen Gebiet mit Ausnahme der Toilettenspülung nicht verwendet werden, solange die Ursachen für die Verunreinigung noch nicht geklärt sind. Fachleute haben Wasserproben entnommen, diese werden derzeit analysiert.

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Enercity teilte Mittwochabend mit, dass intensiv Ursachenforschung betrieben worden sei. Erste Indizien zeigten, dass die entstandene Schaumbildung vermutlich durch ein Reinigungsprodukt verursacht wurde. Dieses sei aus bislang ungeklärter Ursache von außen ins Wassernetz gelangt (Fremdeintrag). Zur genauen Zusammensetzung gebe es bislang keine eindeutigen Erkenntnisse. Mit ersten Laboranalysen, die sich aufgrund der unklaren Substanz aufwendiger gestalteten, sei frühestens am Donnerstagmittag zu rechnen.

Bereits bis 9 Uhr hatten sich rund drei Dutzend Kunden bei der Störungsstelle des Versorgers gemeldet. Um 14.30 Uhr gab Enercity die lange Liste der betroffenen Straßenzüge bekannt:

  • Bauernwinkel
  • Breimerwinkel
  • Bussardweg
  • Ehrlichstraße
  • Elsterweg
  • Emil-von-Behring-Straße
  • Falkenweg
  • Grenzheide
  • Habereck
  • Habichtweg
  • Hertzstraße
  • Im Gehäge
  • Kneippstraße
  • Leibnizstraße
  • Milanweg
  • Otto-Hahn-Straße
  • Planckstraße
  • Poggenaue
  • Reuterdamm
  • Robert-Koch-Straße
  • Röntgenstraße
  • Sauerbruchstraße
  • Schnittenhorn
  • Sperberweg
  • Theodor-Heuss-Straße
  • Virchowstraße
  • Walsroder Straße 162-179
  • Werlhofstraße
  • Wietzengrund

Enercity versorgt Anwohner kostenlos mit Wasser

Der Enercity-Störungsdienst hat den betroffenen Bereich abgetrennt und die Ausdehnung der Verunreinigung in weitere Versorgungsgebiete verhindert. Der Wasserversorger informiert die Anwohner per Lautsprecherwagen über den Sachverhalt.

Zudem sind Wasserwagen an vier Standorten positioniert:

  • Virchowstraße 5d
  • Emil-von-Behring-Straße/Ecke Theodor-Heuss-Straße
  • Habereck 43 an der Wendeplatte
  • Elsterweg/Ecke Im Gehäge 15

Enercity versorgt seine Kunden dort kostenlos mit frischem Trinkwasser.

Ein Enercity-Mitarbeiter sorgt für Wasser-Nachschub. Quelle: Katerina Jarolim-Vormeier

Frau warnt ihre älteren Nachbarn vor dem Wasser

Susanne Schmidt füllte sich am Nachmittag an einem der großen Behälter Wasser in Kunststoffflaschen ab. Die Anwohnerin der Emil-von-Behring-Straße hatte bereits vor 7 Uhr die Verunreinigung des Trinkwassers zu Hause bemerkt und gleich Enercity darüber informiert. Zudem hatte die 43-Jährige ihre älteren Nachbarn verständigt, dass diese das Wasser aus dem Hahn nicht mehr trinken sollten. „Deshalb hatte der Kaffee heute Morgen so komisch geschmeckt“, habe ihr eine Frau geantwortet, berichtete Schmidt.

Während sie noch ihre Flaschen füllte, bildete sich eine Traube von Menschen um sie herum. Viele waren aufgebracht und fragten, was los sei. Das wollte auch Antje Mahler wissen, die gerade bei ihren Eltern im Wietzegrund zu Besuch ist. Dann machte sie sich auf den Weg, um Wasserbehälter zu holen. „Damit meine Eltern Reserven haben“, sagte die 59-Jährige. Denn wenn sich das Problem herumspreche, gebe es bald kein Trinkwasser mehr in den Geschäften, so ihre Sorge.

Währenddessen bildeten sich Schlangen an den zwei Wasserbehältern, die Enercity an der Ecke Emil-von-Behring-Straße/Theodor-Heuss-Straße abgeladen hatte. Anwohner hatten auch große Kanister dabei. „Ohne sauberes Trinkwasser ist es schlecht“, sagte Monika Meyer und füllte sich zehn Liter ab.

„Habe schon getrunken. Und jetzt?“

Auch in den sozialen Netzwerken im Internet bewegt die Wasserverunreinigung die Gemüter. Nutzer tauschten sich dort beispielsweise darüber aus, wo die Wasserwagen stehen oder dass bei ihnen noch keine Lautsprecherdurchsagen zu hören gewesen seien. Vereinzelt gab es Kritik, dass die Verbraucher zu spät informiert worden seien und nun bereits am Morgen ihren Kaffee oder Tee mit dem verunreinigten Wasser zubereitet hätten. „Habe schon getrunken. Und jetzt?“, fragte ein Nutzer.

Das Langenhagener Wasser stammt aus dem Gewinnungsgebiet Fuhrberger Feld mit den Wasserwerken in Wedemark-Elze und Burgwedel-Fuhrberg. Von dort wird es in mehreren Leitungen in die Landeshauptstadt geleitet – mit Stichleitungen, die Langenhagen versorgen.

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Von Frank Walter und Katerina Jarolim-Vormeier