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Langenhagen Weicht das Hotel Zollkrug für Wohnhäuser?
Umland Langenhagen

Langenhagen: Weicht das Hotel Zollkrug für Wohnhäuser? Neue Pläne für ehemalige Flüchtlingsunterkunft

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16:11 29.12.2019
Das Gebäude des ehemaligen Hotels und Restaurants Zollkrug ist inzwischen in die Jahre gekommen. Quelle: Sven Warnecke
Langenhagen

Der ehemalige Zollkrug an der Walsroder Straße hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Zuletzt im Zweiten Weltkrieg nach einem Bombentreffer zerstört, bauten es die Eigentümer anschließend wieder auf und betrieben es lange Zeit als Restaurant und Hotel. Die Immobilie ist nach Auskunft der Langenhagener Stadtverwaltung fest mit den Namen der Familien Eicke und Gosewisch verbunden – wie auch die Inschrift auf einem Findling vor dem Gebäude zeigt. Nun könnte das Haus, das laut Stadt nicht unter Denkmalschutz steht, abgerissen werden.

Zuletzt hatte die Stadt Langenhagen das Gebäude angemietet, um dort Flüchtlinge einzuquartieren. Das erklärte Ziel der Verwaltung ist und war die dezentrale Unterbringung – weg von den großen Sammelunterkünften. Im November 2014, noch vor der Hochphase des Flüchtlingsstroms, mietete die Stadt das Haus an. Bis zu 34 Menschen, zum Teil ganze Familien, lebten bisweilen zeitgleich in den von der Stadt umgebauten Räumen.

Über Jahre haben Geflüchtete eine Heimstatt gefunden

Neben einer Zollstelle diente der Flecken als Pferdestation, als Schänke, Hotel und zuletzt als Flüchtlingsheim.

Wiederholt machte das Haus Schlagzeilen: Im Mai 2016 war dort ein fünf Jahre altes Kind aus dem geöffneten Fenster aus dem ersten Stock gefallen. Wie durch ein Wunder zog sich das Mädchen nur leichte Kopfverletzungen zu. Ein Jahr später, im Oktober 2017, musste dann die Feuerwehr anrücken, nachdem in einem Zimmer eines damals 17 Jahre alten Asylsuchenden eine Matratze in Flammen stand.

Doch der Zollkrug war auch Schauplatz eines erfolgreichen Pilotprojekts: Unter dem Motto „Singend spielerisch die Sprache lernen“ hatte der Langenhagener Singkreis unter der Leitung von Sabine Spieker eine damals einmalige Aktion gestartet: das Singen mit Flüchtlingen. Das gemeinsame Musizieren sei ein ausgezeichneter Weg zur Integration, so der Singkreis,

Stadt beendet Mietverhältnis Ende 2018

Doch auch das ist inzwischen Geschichte. Das Mietverhältnis mit der Langenhagener Eigentümerfamilie endete nach Angaben von Stadtsprecherin Sabine Mossig zum 31. Dezember 2018. Weder über die gezahlte Miete noch über die Kosten für die Umbauten wollte die Rathaussprecherin Auskunft geben. Die Vertragsinhalte seien vertraulich.

Die einst in dem Zollkrug untergebrachten Menschen leben mittlerweile in anderen Unterkünften der Stadt oder in einer eigenen Mietwohnung, teilt Mossig mit. Derzeit wohnen in der Stadt 561 Flüchtlinge in den auf ganz Langenhagen verteilten 55 städtischen Unterkünften – teilweise noch Container –, weitere 118 Menschen seien bei Angehörigen untergebracht.

Was passiert in Zukunft mit dem Zollkrug?

Die Eigentümer-Familie Gosewisch hat direkt nach dem Ende des Mietverhältnisses mit der Stadt Langenhagen das Unternehmen Hotel Zollkrug umbenannt. Nun firmiert es als „Zollkrug GmbH“ – ohne den Zusatz Hotel. Im Handelsregisterauszug wird zudem als neuer Unternehmensgegenstand die Projektentwicklung des Grundstücks „einschließlich das Betreiben und die Verwaltung der gegenwärtigen und zukünftigen Immobilien inklusive Hausmeisterdiensten“ festgehalten.

Auf Anfrage bestätigen die Eigentümer die Umbenennung. „Wie auch immer; was die zukünftige Nutzung des Zollkrug-Grundstücks anbetrifft, so führen wir derzeit Gespräche“, teilt die Familie schriftlich mit. Da es sich allerdings um Vertrauliches handele, würden vorerst keine konkreten Pläne verraten.

Bebauungsplan lässt dreistöckige Häuser zu

Die Stadtverwaltung wird da schon deutlicher. Es gebe einen rechtsverbindlichen Bebauungsplan, heißt es von Mossig auf Nachfrage. Dieser erlaubt auf dem „Grundstück grundsätzlich eine dreigeschossige Bebauung – mit Staffel- oder Dachgeschoss – in der offenen Bauweise“, teilt die Rathaussprecherin dazu mit. „Die überbaubare Grundstücksfläche lässt es zu, dass auch im Norden des heutigen Baukörpers angebaut werden kann“, heißt es von Mossig weiter.

Da das Grundstück in einem ausgewiesenen Mischgebiet liegt, ist also grundsätzlich neben einer reinen Wohnbebauung auch die Nutzung als Geschäfts- und Bürogebäude, als Einzelhandelsbetrieb, Gastronomie oder auch für sonstige sogenannte „nicht wesentlich störende Gewerbebetriebe oder Praxen“ dort vorstellbar, erklärt die Stadtsprecherin.

Einzige Einschränkung sei die festgesetzte Grundflächenzahl sowie der zu erhaltene Baumbestand. „Letzterer ist für das Grundstück besonders prägend“, betont Mossig.

Der Zollkrug ist bis heute in Familienbesitz

Zwei namentlich noch bekannte Familien haben den Zollkrug in den vergangenen 500 Jahren geprägt. Mit dem Zollprivileg vom 22. Oktober 1501 setzte Herzog Erich I. den „Tolner up den Nigenhagen“ – gemeint war nach Angaben des heutigen Stadtarchivs Langenhagen. Das Zollhaus, das heute als Zollkrug bekannt ist, entstand in Brink an der Heerstraße nach Stade. Die Zolleinnahmen gingen an das Fürstenhaus. Im Erbregister von 1612 wurde Jacob Jacobs als Zöllner benannt, der auch eine Krügerei betrieb und vom Krugzins freigestellt war.

1660 wurde dann berichtet, dass das Zollhaus nach einem Brand an gleicher Stelle neu errichtet worden ist. In Zeiten des boomenden Posthandels wird das Zollhaus Ausspann- und Poststation für die zweimal in der Woche verkehrende reitende und fahrende Post von Hannover nach Bremen und Stade. 1753 wurde die Zollstation geschlossen.

1790 übernahm Hans Heinrich Eicke das Anwesen und betrieb den Krug und die Poststation. Die Familie war mit Pferdezucht und -handel zu Wohlstand gelangt. Diese Geschäfte machten seinerzeit die Dörfer Brink und Langenhagen über die Grenzen hinaus bekannt. Durch Heirat ging der Zollkrug in den 1940er-Jahren an eine andere Langenhagener Familie über, die namentlich nicht genannt werden möchte und bis heute Eigentümer ist. In den Bombennächten im Zweiten Weltkrieg wurde das Anwesen zerstört und in den 1950er-Jahren wieder aufgebaut.

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Von Sven Warnecke

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