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Langenhagen Rattenplage in Langenhagen: Jetzt nimmt die Stadt den Kampf auf
Umland Langenhagen

Langenhagen rückt Ratten-Plage auf den Pelz

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12:15 16.11.2019
Auch im Garten hat Barbara Sieker inzwischen ein gutes Dutzend mit Ködern bestückte Fallen aufgestellt. Quelle: Rebekka Neander
Godshorn

Barbara Sieker ist glücklich. Endlich. Die Stadt Langenhagen wird sie künftig unterstützen bei ihrem Kampf gegen die Ratten in ihrer Nachbarschaft. Ob sie sich aber jemals wieder trauen wird, ihre Terrassentür offen stehen zu lassen, darf bezweifelt werden.

Als Barbara Sieker 1997 in die Neuen Wiesen in Godshorn zieht, erfüllt sie sich einen Traum. Ein Zweifamilienhaus für sie und ihr Unternehmen entsteht in dem Neubaugebiet am südöstlichen Dorfrand. Die Feldmark ist nur einen kurzen Fußmarsch entfernt. „Schon damals hatten wir Ratten gesehen“, erzählt Sieker. Kaum verwunderlich auf dem Land, meint sie. Sie holt einen Kater aus dem Tierheim. Thema durch.

Anwohner in Godshorn müssen seit Jahren Ratten im Wohngebiet bekämpfen.

Lernen die Ratten dazu?

Einige Jahre später geht es wieder los. „Die Tiere waren auf der Straße sichtbar und liefen auch über unser Grundstück.“ Sieker beauftragte einen Schädlingsbekämpfer. Dieser stellte Köder auf. „Das funktionierte auch zeitweilig.“ Doch Sieker wurde das Gefühl nicht los, die Tiere lernten schlicht dazu.

Seit dem vergangenen Jahr aber ist nichts mehr, wie es vorher war. „Die ersten Zeichen entdeckte ich auf meiner Dachterrasse an den Gurken-Pflanzen.“ Die Fressspuren konnten nicht von Vögeln stammen. „Und dann sah ich sie – auf meinem Balkon!“ Barbara Sieker kaufte in den Baumärkten an Fallen auf, was sie kriegen konnten. „Zeitweise hatten wir bis zu acht Tiere in der Woche darin“, sagt Sieker. Die Terrassentür auf dem Balkon lässt sie keine Minute mehr offen stehen. Der blanke Horror schwingt in Siekers Stimme bis heute durch.

Die gesamten Schindeln der Dachterrasse musste Barbara Sieker wieder abnehmen lassen. Die Ratten hatten darunter diverse Gänge gebaut. Quelle: Rebekka Neander

Ratten haben das gesamte Terrassen-Dach unterwandert

Weil sie sich nicht erklären kann, wie die Tiere es auf den Balkon im Obergeschoss geschafft haben, bestellte die Unternehmerin einen Dachdecker. Ihr schwante Böses – und sie behielt recht: Die Ratten hatten das schmale Schrägdach, das die Dachterrasse umschließt, komplett unterwandert. „Als wir den Anbau an das Haus errichteten, ahnten wir ja nicht, wie akribisch wir auf die kleinsten Zwischenräume an den Firsten und Graten hätten achten müssen“, räumt Wolfgang Lehmann, ein Freund der Familie, ein. Barbara Sieker musste das gesamte Dach abnehmen und neu auflegen lassen. Ein fünfstelliger Betrag wurde fällig.

Seither gehört der Kontrollrundgang über das Grundstück zur Routine: Welche Fallen sind belegt? Wo muss ein Köder erneuert, wo muss ein totes Tier entsorgt werden? Auch die Nachbarn haben Fallen und Köder längst aufgestellt. „Es ist ganz egal, was wir machen, es hört nicht auf“, klagt Sieker, die in der Zwischenzeit auch Kontakt zu Ortsbürgermeisterin Ute Biehlmann-Sprung aufnimmt. Deren Ratschlag, sich ans Rathaus in der Kernstadt zu wenden, setzte Sieker umgehend um. „Meine Meldung beim Mängelmelder ist bestätigt. Man kümmere sich.“ Anfang September erhielt sie eine Rückfrage: Wo die Tiere denn herkämen? Und wo sie wohnten? „Woher soll ich das denn wissen?“ Danach: Stille. Anfang November sprach Sieker im Ortsrat vor. Dass sie für ihr Grundstück verantwortlich ist, weiß sie zu genau. „Aber was ist denn mit den öffentlichen Grünflächen? Um die müsste sich doch die Stadt kümmern?“

Spitzengespräch im Rathaus über Ratten-Befall

Und endlich kommt Bewegung ins Spiel: Tatsächlich sei das Thema Ratten stadtweit so präsent, dass es eine Runde mit Verwaltungsspitze, Schädlingsbekämpfung und Ordnungsabteilung gegeben habe. Dieser Antwort im Ortsrat folgt wenige Tage später der Anruf aus dem Rathaus: Man wolle sich die Situation nun doch einmal an Ort und Stelle ansehen.

Und siehe da: Die Tiere werden künftig von der Stadt bekämpft – auf den öffentlichen Flächen rund um das Wohngebiet. Michaela Meinecke aus der Abteilung Sicherheit, Ordnung und Umwelt im Rathaus und ein Schädlingsbekämpfer lassen sich die Situation vor Ort von Sieker erklären. Sieker, berichtete Meinecke später, sei bisher die einzige in dem Gebiet, die Ratten gemeldet habe. Viele trauten sich nicht, Nager zu melden, schildert der Schädlingsbekämpfer. Diese Erfahrung mache er immer wieder. Sieker kann das nicht unbedingt verstehen. „Während des Unwetters vor wenigen Wochen waren die Terrassen eines Gebäuderiegels zur Feldmark unterspült, weil das Wasser in die Gänge der Ratten geflossen ist.“

Auf der gesamten Terrasse sind Fallen aufgestellt. Die Terrassentür mag Barbara Sieker dennoch nicht mehr offen stehen lassen. Zeitweise fand sie pro Woche bis zu acht Tiere in diesen Fallen. Quelle: Rebekka Neander

Hausbesuch ändert Haltung der Stadt

„Das Gebiet wird anders abgegrenzt aufgrund der heutigen Informationen“, sagt Meinecke nach dem Gespräch. Bei dem Besuch habe sich ein anderes Bild ergeben, als zuvor vermutet. Die Blickrichtung der Stadt verlagere sich jetzt mehr ins Wohngebiet. Auch auf den öffentlichen Flächen werde es jetzt Köder geben. Und auch die Anwohner sind gefordert: Die Nachbarn erhalten von der Verwaltung Post, kündigt Meinecke an. Darin werden sie aufgefordert, ihre Grundstücke zu kontrollieren und, wenn sie Ratten entdecken, dies der Stadt zu melden und die Tiere selbst zu bekämpfen.

Dass, die Stadt die Tiere bekämpft, darüber freut sich Sieker. „Das ist das, was ich wollte“, sagt sie glücklich. Doch so schnell werden die Tiere nicht verschwinden. „Eins ist sicher: In einer Woche bekommen sie den Befall nicht runter“, sagt der Schädlingsbekämpfer. Man müsse eher von Wochen als Tagen ausgehen. Bei einem kurzen Gang über das Grundstück kann der Experte auf Anhieb keine Hinweise auf Ratten finden. Es gebe „nichts, wo sie sich jetzt täglich bedienen würden“.

Ratten bleiben am alten Hallenbad ein Problem

Auch an dem Wertstoffsammelplatz am ehemaligen Hallenfreibad in Godshorn sind die Ratten noch nicht verschwunden, räumt Meinecke ein. Dies sei ein „wiederkehrendes Problem“. Die Tiere würden immer wieder durch den wilden Müll angelockt, den Umweltsünder dort – teilweise auch neben den Containern – abladen. „Der Platz ist unter Beobachtung.“ Kann es sein, dass die Ratten von dort in das nahegelegene Wohngebiet gekommen sind? „Nein“, sagt der Schädlingsbekämpfer. Wenn man Köder aufstelle, dann würden die Tiere „nicht verscheucht oder vertrieben – dann werden es einfach weniger.“

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Stadt informiert an drei Abenden über Rattenbekämpfung

„Befallserhebung, Bekämpfung und Kontrolle – gemeinsam für ein sauberes Langenhagen“: So lautet der Titel einer Informationsveranstaltung zur Bekämpfung von Ratten am Mittwoch, 20. November. Ab 19 Uhr informiert die Stadt im Dorfgemeinschaftshaus in Schulenburg darüber. Unter anderem bekommen die Betroffenen aus den Ortsteilen Engelbostel, Godshorn und Schulenburg Hinweise, was sie selbst bei einem Rattenbefall tun können und was die Verwaltung in solch einem Fall macht. Ein Schädlingsbekämpfer, der im Stadtgebiet im Einsatz ist, beantwortet an dem Abend Fragen. Für Bewohner aus der Kernstadt gibt es am Dienstag, 26. November, um 19 Uhr in der Aula des Schulzentrums an der Konrad-Adenauer-Straße eine Informationsveranstaltung zum selben Thema. Für das nördliche Stadtgebiet ist der Termin am Dienstag, 27. November, um 19 Uhr im Niet Hus, Clara-Schumann-Straße 4, in Kaltenweide.

Von Rebekka Neander und Julia Gödde-Polley

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