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Langenhagen Wechsel in der Musikschule: Neuer Leiter Polzer folgt auf Unger
Umland Langenhagen

Musikschule Langenhagen: Neuer Leiter Polzer folgt auf Unger

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17:55 31.10.2019
Damit er seine alte Wirkungsstätte nicht aus den Augen verliert, überreicht Musikschulnachfolger Stefan Polzer an Meike und Manfred Unger ein T-Shirt mit dem legendären Waldersee-Haus und vielen Unterschriften der nun ehemaligen Kollegen. Quelle: Rebekka Neander
Langenhagen

Man könnte sagen: ein typischer Unger. Langenhagens Bürgermeister Mirko Heuer ist soeben im Niet Hus zum Ende seiner stimmungsvollen Ansprache gekommen. Er hat gerade vor eingeladenen Gästen Zahlen, Anekdoten und gute Wünsche atmosphärisch miteinander verwoben und befreit nun sein Abschiedsgeschenk aus dem allseits bekannten Langenhagen-Stofftäschchen. Mit der Betonung auf „zwei“ Honiggläser moderiert Heuer, was zum Vorschein kommt. „Zwei“, damit Ehefrau Meike weiß, dass auch sie mit bedacht wurde und das kein Thema wird. Manfred Unger guckt, stutzt, schmunzelt. „Zum Thema wird hier höchstens mein Diabetes.“ Kurze Stille im Raum. Dann befreites Gelächter.

Nein, man muss Musik nicht lieben, um den Musikschulchef Manfred Unger zu vermissen. Sein trockener Humor, sein in keiner noch so nüchternen Situation um diese eine, kleine, pointiert gesetzte Schlussbemerkung verlegen zu sein – all dies dürfte sich auch dem Publikum nicht mehr zählbarer Konzertmoderationen lustvoll eingebrannt haben. Am Sonntag wird Unger ein dann letztes Mal zu erleben sein: beim offiziellen Übergabekonzert der Musikschule im Theatersaal.

Bürgermeister Mirko Heuer brachte Manfred Unger mehrere Gläser des stadt-exklusiven Langenhagen-Honigs zum Abschied mit. Quelle: Rebekka Neander

Manfred Unger übergibt Schul-Taktstock an Stefan Polzer

Doch damit ist es vorbei. Unger gibt den Taktstock weiter, allerdings nicht wirklich weit weg. Sein bisheriger Stellvertreter Stefan Polzer tritt am Pult wie am Schreibtisch an Ungers Stelle. Polzers bisherige Funktion übernimmt Ungers Ehefrau Meike. Was das heißt, verrät der nun vielseits Geehrte in gewohnt knappem Duktus: „Ich habe gestern Abend einen Zettel auf dem Bügelbrett gesehen.“ Ein Kurzprotokoll, Verwaltungskram eben. Unger lacht. „Nein, das werde ich nicht vermissen.“ Klingt nach souveränem Abgang.

Im Niet Hus in Kaltenweide konnte Manfred Unger mehrere Dutzend eingeladene Gäste begrüßen, darunter gleich mehrere Rathauschefs aus den verschiedenen Jahrzehnten. Quelle: Rebekka Neander

Ein paar Tage zuvor klingt das etwas anders. Unger hat sich zum Abschlussgespräch in unserer Redaktion eingefunden. Zettel benötigt er dafür nicht. Er weiß, was er geschafft hat. Oder besser geschaffen? Aus 300 Schülern in dem Jahr seines ersten Honorarvertrages 1978 sind inzwischen rund 1300 geworden. Im Jahr 1981 Festanstellung, 1999 Leitungsposten. Erste Entscheidung: „Aus dem Einzelunterricht wurde Gruppenunterricht.“ Zumindest, wo es ging. Schon aus Kostengründen. Gefallen hat dies nicht jedem. Unger schmunzelt. Nun ja, „das Fagott wird wohl immer alleine bleiben.“ Andere Instrumente seien da wohl – tja – beliebter.

Umzug ins Walderseehaus ist Neustart für die Musikschule

Aus den vielen über den Stadtkern verteilten Zimmerchen wird im Jahr 2000 das schuleigene Walderseehaus an der Walsroder Straße in Langenhagen. Für Unger mehr als nur ein symbolischer Umzug: „Das war die eigentliche Geburtsstunde.“ Als einen der Höhepunkte seines Schaffens sieht Unger ganz klar das siebte Internationale Musikschultreffen, das Unger mit Ensembles aus allen Partnerstädten Langenhagens im Sommer 2018 auf die Beine stellt. Die Zukunft sieht Unger in der bereits stark gestarteten, aber für ihn klar weiter ausbaubaren Kooperation mit den Schulen. „Wenn die Schulen noch weiter in den Nachmittag rücken, müssen wir dabei sein, sonst sind wir tot.“

Holtmann an Ungers Seite

Einen besonderen Dank hat der Langenhagener Unternehmer Claus Holtmann überbracht. Nicht nur zeigte der ebenfalls dieser Tage aus der Firmenführung scheidende Holtmann seine (bei Unger) erlernten Künste am Saxofon. Er dankte insbesondere der Musikschule für die Sozialisation junger Menschen. „Wir erleben dies in den Unternehmen auf besondere Weise, was der Besuch einer Musikschule in jungen Menschen entflammen kann.“ Unger hatte seinerseits zuvor Holtmann gedankt: Als „2003 die Politik glaubte, sie könne die Musikschule zum Nulltarif haben“, so Unger in seiner Abschiedsrede vor geladenen Gästen im Kaltenweider Niet Hus, sei es Holtmann zu verdanken gewesen, dass Unger selbst überhaupt von dem Beschlussvorschlag erfuhr. Durch Holtmanns Intervention gab es wenige Tage später einen neuen, anders lautenden Ratsbeschluss. „Die Politik wollte damals natürlich das Richtige“, ergänzte Holtmann in der Rede. „Sie hatte nur vergessen, es so auch aufzuschreiben.“

Claus Holtmann (links am Saxofon) und Stefan Polzer (rechts) gehörten bei der internen Verabschiedung zur Abschiedsband. Quelle: Rebekka Neander

Zur Musik findet Manfred Unger durch seine Mutter. „Ich habe fünf Geschwister. Und wir alle spielten Blockflöte.“ Mit der Mutter an der Laute und dem Vater an der Ziehharmonika konzertiert die Familie nicht nur am Weihnachtsbaum. Wer jetzt etwaige Ähnlichkeiten mit dem heutigen Haushalt Unger feststellen möchte, sei herzlich eingeladen: Alle drei Söhne haben das Horn, das Instrument von Mutter Meike, mit Leidenschaft übernommen.

Im Nebenberuf Saxofonist für Ray Charles und Ute Lemper

Mit zwölf Jahren versucht sich Manfred Unger erstmals an der Klarinette, später verschreibt sich der Autodidakt dem Saxofon. Dass der Hannoveraner Unger musikalisch letztlich in Langenhagen sesshaft wird, „daran ist Ernst Müller schuld“. Der verdiente Musikdirektor holt als Leiter des Blasorchesters Langenhagen Unger in seine Reihen. Mit 20 Jahren, und damit „verhältnismäßig spät“, beginnt Unger das Studium der Klarinette an der Musikhochschule in Hannover. „Für eine Karriere im Orchester war das viel zu spät.“ So aber ist Unger am richtigen Ort zur richtigen Zeit. Als Gründungsmitglied der Musikschule schafft er sich die Basis für eine solide Profikarriere als Lehrkraft. Für die Adrenalinschübe auf der eigenen Bühne sorgen bis zuletzt Tourneebegleitungen als Saxofonist bei so namhaften Künstlern wie Patricia Kaas, Al Jarreau, Ute Lemper und Ray Charles.

Und jetzt? Unger lacht. So richtig Zeit, in Ruhe das Gefühl des Loslassens an sich heranzulassen, hatte er nicht. Anderes war und bleibt wichtiger. Immerhin gibt es Pläne, Träume und Ideen – rund um die sträflich vernachlässigten Hobbys. Das Segelfliegen, die Sammelleidenschaft für historische Klarinetten und mechanische Walzen. Seine Kontakte zu einem Tourneeorchester, das er regelmäßig nach China begleitet hat. Und selbstverständlich bleibt er Kassenwart des Fördervereins der Musikschule. „Ohne den geht ja gar nichts.“ Ohne den Förderverein? Den Kassenwart? Er würde höflich schmunzelnd beides stehen lassen. Den Taktstock mag der Schulleiter aus der Hand geben, seinen Platz in Langenhagens Musikwelt behält Manfred Unger – so wie Trude Herr einst sang: „Niemals geht man so ganz ...“

Herbstkonzert im Theatersaal

Das traditionelle Herbstkonzert der Musikschule bekommt in diesem Jahr eine besondere Bedeutung: Der bisherige Musikschulchef Manfred Unger wird diese Moderation nutzen, um auch vor Publikum den Amtswechsel im Walderseehaus zu vollziehen und den symbolischen Taktstock der Schulleitung an seinen bisherigen Stellvertreter Stefan Polzer zu übergeben. Auch aus diesem Anlass wird die Percussion Group Langenhagen ihre inzwischen legendäre Version der „Bohemian Rhapsody“ von Queen präsentieren. Das Konzert beginnt am Sonntag, 3. November, um 17 Uhr im Theatersaal an der Rathenaustraße. Der Eintritt ist frei.

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Von Rebekka Neander

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