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Nachrichten Urteil: Zweieinhalb Jahre Haft für Diebstahl
Umland Langenhagen Nachrichten Urteil: Zweieinhalb Jahre Haft für Diebstahl
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Quelle: Kristoffer Finn
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Langenhagen/Hannover

Am zweiten Verhandlungstag standen die psychische Gesundheit des Angeklagten sowie der Zweck, mit dem das Messer verwendet wurde, im Fokus. Denn ursprünglich angeklagt war ein räuberischer Diebstahl, für den es bis zu 15 Jahre Freiheitsstrafe geben kann. Diesen Vorwurf stufte das Gericht später herab: Das bei der Festnahme des Ladendiebs gefundene Messer soll nicht bei der Tat eingesetzt worden sein. 

War der Angeklagte gar depressiv, wie dokumentierte Medikationen nahelegen? Der vom Gericht bestellte Gutachter Tobias Bellin konnte zwar einen langjährigen Drogenmissbrauch feststellen, jedoch keine Depression. Der Angeklagte habe den Detektiv laut eigenen Angaben vor dem Messer warnen wollen. Daraus ließe sich schließen, dass ihm durchaus die Bedeutung einer Waffe bekannt gewesen sei und er die Konsequenzen zumindest habe abschätzen konnte. Eine Schuldunfähigkeit zum Zeitpunkt der Tat habe folglich nicht vorgelegen. Hinsichtlich einer Prognose schätzt der Gutachter, dass Angriffe auf Menschen unwahrscheinlich seien. Der Angeklagte beabsichtigte im Juni lediglich ein Eigentumsdelikt, also den Diebstahl.

Die Entscheidung der Großen Strafkammer über „Diebstahl mit Waffen“ fiel schließlich zugunsten des 29-Jährigen. Um einen räuberischen Diebstahl hätte es sich gehandelt, hätte er die Ware mit dem Messer verteidigt. Das Beisichführen reiche aber bereits aus, um eine potentielle Gefahr darzustellen, begründet die Vorsitzende Richterin Renata Bürgel das hohe Strafmaß des Schuldspruches. Zudem habe es sich nicht um eine spontane Tat gehandelt: Sie wurde durch das Ausleihen der Jacke, um das Diebesgut verstecken zu können, und das gezielte Aussuchen der Parfümerie vorbereitet.

Den Angeklagten erwarten nach den bisherigen sechs Monaten in Untersuchungshaft nun noch weitere zwei Jahre im Freiheitsentzug. Dies ermöglicht ihm auch, eine Entzugstherapie zu machen, nachdem er seine Strafe verbüßt hat. Er möchte nicht mehr so weiterleben: „Ich brauche eine vernünftige Therapie, um nach vorne sehen zu können“, übersetzte der Dolmetscher die einsichtigen Worte des Angeklagten.

Von Anna Feininger