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Umland Langenhagen Nachrichten Anwohner wünschen sich Grün, Wohnen und Läden
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09:10 25.10.2017
Was soll wo gebaut werden? Rund drei Stunden sammelten Anwohner, Experten und Politiker Ideen für die Gestaltung des Stadtkerns. Quelle: Rebekka Neander
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Langenhagen

 Es war eine kuriose Prozession, die sich am Montagnachmittag am Rathaus auf den Weg gemacht hat. Zwei Bollerwagen, bestückt mit je einer überdimensionalen Pin-Wand und verfolgt von jeweils einem Dutzend Schirm- und/oder Regenjacken-Träger, zogen buchstäblich um die Häuser. Allerdings weniger mit Freizeitspaß im Sinn als vielmehr auf der Suche nach Antworten: Sollen die freien Plätze rund um Rathaus und City Center bebaut werden? Und, wenn ja, womit? Und wann? 

Gastgeber der Umzüge war die Stadt Langenhagen. Auf Wunsch des Rates hatte sie zum Innenstadtforum eingeladen. Moderiert und begleitet vom Büro Koris führten Vertreter der Bauverwaltung unter Leitung von Stadtbaurat Carsten Hettwer und in Begleitung von Bürgermeister Mirko Heuer die Teilnehmer vom Post-Gelände über den Schützenplatz bis zum Handelshof. Bevor man sich im Ratssaal in die detaillierte Diskussion vertiefen könne, so der Ansatz, sollten sich alle die Situation noch einmal an Ort und Stelle ansehen und erläutern lassen. 

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Parkplätze oder Park?

Unter den Teilnehmern waren zwar weniger ganz normale Anwohner als es sich die Verwaltung erhofft hatte, dafür aber sehr wohl auch aussagekräftige Interessenvertreter. André Beckmann und Angelika Kramm als Vertreter beider CCL-Teile machten nicht nur die gesamte Innenstadtführung mit, sondern blieben auch weitestgehend bei der anschließenden, letztlich dreistündigen Diskussion im Ratssaal dabei. Gleiches gilt für den Architekten Wilfried Feise, unter dessen gestalterischer Federführung derzeit die Markthalle umgekrempelt wird. Für die große Zahl erschienener Kommunalpolitiker wurde die Veranstaltung damit zur Informationsbörse besonderer Güte. 

Drei Flächen stehen rund um das City Center Langenhagen derzeit in der Diskussion: Was wird aus dem Post-Gelände? Soll der Handelshof bebaut werden? Und was passiert auf den Schützenplatz?

Drei Flächen stehen bei der Planung des Stadtzentrums derzeit im Mittelpunkt. Sie alle gehören seit kürzerer Zeit der Stadt selbst. Sofort darüber verfügen kann sie jedoch nicht überall. „Das Problem mit dem Postgelände ist die vertragliche Bindung mit dem Unternehmen“, erläuterte Hettwer beim ersten Halt an der Nordpassage zwischen Rathaus und Post-Parkplatz. Die Post könne sowohl die Filiale samt Postbank als auch die darüber liegenden Wohnungen, vor allem aber den Paket-Umschlagplatz nebst dazugehörenden Parkplätzen noch bis 2021 nutzen. „Überdies gibt es eine Option der Verlängerung um noch einmal fünf Jahre.“ Sollte es keinen Alternativ-Standort geben vor allem für eine zentrumsnahen Paket-Umschlagplatz, könne die Stadt die Fläche im schlechtesten Fall erst 2026 verändern. 

Marktplatz muss größer werden

Vergleichbare Bedingungen hängen an den übrigen Flächen nicht. Für den gesamten Bereich gibt es gültige Bebauungspläne. Die rechtliche Basis ist also geschaffen. Bleiben die Fragen: Was? Wann? Wo? Hettwer wollte diese bereits vor einigen Monaten durch die Politik beantwortet wissen. Doch auf eine Entscheidung ließen sich die Ratsmitglieder mehrheitlich nicht ein. Zuvor sollten auch die Anwohner befragt werden. 

Dabei kristallisierten sich mehrere Kernwünsche heraus: Es soll grün bleiben im Stadtkern. Und jeder kostenlose Parkplatz zu ebener Erde ist wichtig. Darin sind sich Anwohner und CCL-Betreiber einig. Der Marktplatz muss größer werden und das Schützenfest im Zentrum bleiben. Dies schon allein deshalb, weil die Erblasserin, die vor einigen Jahrzehnten der Stadt die Fläche des heutigen Stadthauses und zugleich früheren Schützenplatzes geschenkt hatte, es so verfügt hatte. „Allerdings ist die Stadt nicht verpflichtet, das Schützenfest am derzeitigen Platz zu belassen“, stellte Hettwer in der späteren Diskussion klar. 

Auf der ehemaligen Grünwaldfläche südlich der Markthalle wünschen sich die meisten Teilnehmer eine parkähnliche Fläche und damit deutlich mehr als nur eine grüne Wiese. Gegen eine Bebauung des Schützenplatzes und des Handelshofes gibt es keinen breiten Widerstand. Vorausgesetzt jedoch, die Zahl der damit entfallenden Parkplätze wird aufgefangen. Dies könnte auch durch eine Tiefgarage ermöglicht werden. Mit preisgünstigem Wohnungsbau für Jung und Alt, wie sich Anwohner wünschten, wird es dann aber schon allein deshalb dort wohl kaum etwas werden. Auch für den Architekten Wilfried Feise könnte die Idee einer Tiefgaragen-Baustelle direkt vor der Tür der Anfang 2018 fertig umgebauten Markthalle ein Thema sein. Er betonte an dem Abend mehrfach, die Stadt müsse mit der Neugestaltung der Grünwaldfläche und des Wendehammers am Handelshof endlich loslegen. 

Ideen für bessere Barrierefreiheit

Unwidersprochen sofort in die Liste der sinnvollen Änderungen aufgenommen wurden die Ideen von Albert Schneider, Initiator des Arbeitskreises für ein barrierefreies Langenhagen: So soll die Bushaltestelle auf Höhe der Post vergrößert und das Leitsystem für Sehbehinderte vom Stadtbahnhof bis auf dem Marktplatz verlängert werden. 

Einzelne Anwohner der umliegenden Wohnstraßen wünschen sich auf den verbleibenden Parkplätzen spezielle Zonen reserviert für Anwohner. Der Druck an Markttagen sei auf den Wohnstraßen schon jetzt problematisch. Verkehrsplanerin Anette Mecke erteilte diesem Wunsch auf Nachfrage jedoch eine erste Absage. Zum einen müssten die Flächen rund um das CCL der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. Zum anderen seien die in Rede stehenden Wohnstraßen von diesen Flächen zu weit entfernt. 

Politische Diskussion bis Jahresende

In seinem Fazit skizzierte Hettwer am Ende der insgesamt fast fünfstündigen Veranstaltung einen groben Fahrplan. Die Verwaltung werde jetzt alle Anregungen der Beteiligten aufnehmen und damit die bereits erstellte Drucksache ergänzen. „Ich denke, dass wir darüber mit der Politik bis zum Jahresende beraten werden“, sagte Hettwer. Anfang 2018 könnten dann die ersten Planungen beginnen. Aufgrund der Lage der Flächen und der mit ihnen verknüpften Bedürfnisse rechnet Hettwer mit einem Start auf dem Grünwald- und Handelshof-Gelände. „Dies hätte den Vorteil, dass wir gleich zwei zusammenhängende Flächen gemeinsam gestalten könnten.“ Für den Schützenplatz und das Postgelände fehlten überdies noch konkretere Aussagen der CCL-Betreiber zu möglichen Erweiterungsplänen. 

Von Rebekka Neander

Antje Bismark 25.10.2017
24.10.2017
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