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Umland Langenhagen Nachrichten Die Tafel schaut auf 20 bewegte Jahre zurück
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00:25 13.05.2018
Das Hasen-Outfit zählt nicht, sondern nur wie lange er haltbar ist. Die Tafel Langenhagen bleibt über ihren 20. Geburtstag  bestehen. Vorsitzende Jutta Holtmann (von rechts) freut sich mit ihren Vorstandskollegen Karin Wilshusen, Frauke Brüning und Hans-Joachim Schwarz. Quelle: Rebekka Neander
Langenhagen

 Frauke Brüning ist glücklich. Nicht nur heute und nicht erst seit gestern. Die Schatzmeisterin der Tafel Langenhagen macht in diesen Tagen immer wieder von Herzen drei Kreuze, dass der Vorstand des Vereins vor geraumer Zeit einen wichtigen Sprung gewagt hat. „Was sind wir froh, dass wir heute mit der Tafel in unseren eigenen vier Wänden sitzen und von niemandem mehr abhängig sind.“ Brüning denkt dabei nicht nur, aber auch an die aktuellen, nicht immer schönen Kürzungs-Debatten im Langenhagener Rat. Und während Brüning dies sagt, ertönt um sie herum allseits ein zustimmender Seufzer. Keine Frage: Der Tafel-Vorstand ist sich einig. 

600.000 Tüten sind eine „Leistung, aber kein Grund zum Feiern“

Anlass dieses Gesprächs ist der bevorstehende 20. Geburtstag der Tafel Langenhagen. Einer Einrichtung, deren steigender Erfolg stets auch ein flaues Gefühl hinterlässt. Und dies seit dem allerersten Tag. „Wir haben nie für möglich gehalten, dass es in Langenhagen so viele Menschen gibt, die bedürftig sind“, sagt auch Jutta Holtmann – mit Brüning die zweite im Vorstand, die seit Gründung des Vereins dabei ist. „Damals haben wir geglaubt, wir kämen damit hin, dreimal in der Woche Lebensmittel zu verteilen“, erzählt Holtmann. Dieser Glaube hielt genau eine Woche lang. „Seither verteilen wir an jedem Wochentag.“ In der Einladung für die offizielle Geburtstagsfeier am Sonnabend, 26. Mai, liest es sich ähnlich: In 20 Jahren habe man in jeweils 50 Wochen für 600 Bedarfsgemeinschaften wohl insgesamt 600.000 Tüten gepackt. Dies sei „eine Leistung, aber eigentlich kein Grund zum Feiern“. 

Der Alltag der heute rund 90 Helfer umfasst 15 Ausgabestellen, an denen insgesamt 714 sogenannte Bedarfsgemeinschaften mit Lebensmitteln versorgt werden. „Das heißt, dass sich hinter dieser Zahl noch mehr Menschen verbergen, die davon profitieren“, sagt Holtmann. Die Helfer, die allmorgendlich die Tüten befüllen und sie dann in die Flotte der Versorgungsautos packen, stellen beim Packen auch spezielle Taschen für Muslime zusammen. „Darin ist dann kein Schweinefleisch, keine Süßigkeiten mit Gelantine oder Fisch, der in Salaten mit Soße als solcher nicht mehr erkennbar ist“, ergänzt Brüning. Anfragen, auch vegetarische Tüten zusammenzustellen oder solche speziell für Diabetiker, habe es gegeben. Sie wurden verneint. „Das schaffen wir nicht mehr“, sagt Holtmann.

Sharing-Mode wird zur Konkurrenz für 1000 Tafeln in Deutschland

Denn mit der Größe der Tafel sind auch die Anforderungen gewachsen. Datenschutz, Hygiene, Finanzamt – alle wollen berücksichtigt werden. „Wir brauchen einen Betriebsarzt und einen Beauftragten für Unfallschutz“, zählt Frauke Brüning auf. Die eigentliche Herausforderung für die Zukunft allerdings sei eher eine Mode: „Food sharing“, wie neudeutsch das Angebot benannt ist, bei dem Lebensmittelmärkte nicht mehr verkaufs-, wohl aber verzehrfähige Lebensmittel im Markt verschenkt werden können. Ähnliche Angebote lassen sich inzwischen im Internet oder per App auf dem Smartphone aufspüren. „Das ist für die Tafeln natürlich eine große Konkurrenz“, räumt Holtmann ein. Zumal niemand wisse, welche Blüten diese Entwicklung noch treibe. 

Gleichwohl bleibt das Langenhagener Team zuversichtlich. „Eine Partnerschaft mit einer Tafel ist für die Märkte deutlich zuverlässiger, da wir garantiert alle entsprechenden Waren abholen“, betont Brüning. Bei den Sharing-Aktionen sei eine solche Gewissheit nicht vorhanden. „Allerdings verändern die Märkte ihre Bestellsysteme und ordern viel präziser als früher“, mahnt Holtmann. Besonders dort, wo örtliche Tafeln nur sporadisch Waren abholten, steuerten die Märkte um. „Da geht auf Sicht viel verloren.“ Holtmann bezweifelt, dass sich von den aktuell 1000 in Deutschland aktiven Tafeln alle halten können. 

Haben Kollegen in Essen Regeln nicht früh genug durchgesetzt?

Den jüngst schlagzeilenträchtigen Frust der Kollegen in Essen ob des Nicht-Benehmens von Tafel-Kunden, kann der Langenhagener Vorstand nur bedingt verstehen. „Die haben das zulange laufen lassen“, vermutet Holtmann. In Essen waren Geflüchtete vorrübergehend von der Ausgabe ausgeschlossen worden. In Langenhagen, betont Holtmann, gelten für alle Bedürftigen dieselben Regeln, „und die muss man durchsetzen“.  Ein paar Mal habe man auch in Langenhagen einige Kunden zurecht weisen müssen. Einer Nationalität sei dies nicht zuzuordnen. „Kinderstube ist bei uns kein Kulturthema“, hält Brüning fest. Und wenn sich junge Leute nicht ordentlich benähmen, „bekommen sie von uns eine Ansage“, sagt Holtmann und lacht. 

Zum 20. Geburtstag wünscht sich Holtmann vor allem, dass alle Helfer gesund bleiben. Und dass sie Ersatz finden für die vielen Älteren, die sicherlich irgendwann einmal genug hätten. „Ich wünsche mir, dass wir uns weiterhin von dieser Idee begeistern lassen, dass wir etwas zusammen machen.“ Schatzmeisterin Frauke Brüning hätte dann allerdings noch eine weitere Idee, wie sie schmunzelnd ergänzt. „Gegen Flach-Geschenke haben wir allerdings auch nichts.“

Von Rebekka Neander

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