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Umland Langenhagen Nachrichten EDC kündigt 350 Mitarbeitern
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00:15 10.12.2016
„Ganz miese Stimmung“: Nach fast 120 Jahren steht die Tonträger-Produktion bei EDC vor dem Aus. Foto: Rollenhagen Quelle: Isabell Rollenhagen
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Langenhagen

Das insolvente Unternehmen Entertainment Distribution Company (EDC) verhandelt noch mit mehreren potenziellen Investoren. „Das ist sehr vage. Wir kämpfen bis zum letzten Tag, dass hier die Lichter nicht ausgehen“, sagt Manuel Sack, EDC-Generalbevollmächtigter. Für die Mitarbeiter steht hingegen fest: Das wird nichts mehr. „Die Stimmung ist ganz mies“, heißt es aus Kreisen des Betriebsrates.

Sozialplan ist unterschrieben

Ganz überraschend kommt die Nachricht über die Kündigungen jedoch nicht. „Es steht ja schon lange nicht mehr gut um die Firma“, sagt eine Mediengestalterin des CD-Werks, die seit mehr als 30 Jahren bei EDC arbeitet. „Trotzdem machen sich meine Kollegen und ich uns Sorgen. Die meisten von uns sind über 50 Jahre alt - das macht es nicht leichter, einen neuen Job zu finden.“ Eine Kollegin aus der Produktkontrolle hofft nun, dass die Mitarbeiter wenigstens noch bis Februar ihr Gehalt bekommen. „Ich habe gehört, dass das auch nicht sicher ist“, sagt die Frau aus Hannover.

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Heute tagt der sogenannte Wirtschaftsausschuss des Unternehmens. Geschäftsführung und Betriebsräte setzen sich an einen Tisch. Es drohen gerichtliche Auseinandersetzungen. „Wir bereiten Kündigungsschutzklagen vor“, heißt es aus dem Betriebsrat. Ein Sozialplan ist zwar unterschrieben, er erfreut sich aber bei den Mitarbeitern keiner großen Beliebtheit. Das liegt daran, dass Abfindungen bei insolventen Unternehmen gesetzlich limitiert sind. Für eine Auffanggesellschaft, in die Mitarbeiter überführt werden könnten, fehlt das Geld. Etliche Mitarbeiter haben sich krankgemeldet. „Aber wir produzieren bis zum letzten Tag und halten unsere Liefertermine ein“, betont EDC-Bevollmächtigter Sack.

Nach fast 120 Jahren steht die Tonträgerproduktion im Raum Hannover vor dem Aus. Universal, der weltgrößte Musikverlag, hatte den Standort 1999 mit der Übernahme von Polygram erworben. Seit 2005 führt die eigenständige EDC den Betrieb, Universal ist der mit Abstand größte Auftraggeber geblieben.

CD-Absatz seit Jahren rückläufig

Seit Jahren ist der CD-Absatz rückläufig. Streamingdienste werden immer beliebter. Viele Musikhörer kaufen keine Alben mehr auf CD, sondern laden sich einzelne Lieder aus dem Internet herunter. Selbst das Weihnachtsgeschäft ist im Langenhagener Werk kleiner als erwartet ausgefallen. „Das neue Metallica-Album war unser einziges Highlight im November“, sagt Sack. Helene Fischer mit ihren Weihnachtsliedern habe zwar auch einen kleinen Aufwind beschert, aber nicht so stark wie erhofft.

Sachwalter Rainer Eckert hat noch nicht völlig aufgegeben. Er beaufsichtigt die Insolvenzverwaltung. „Wir haben die Kündigung wegen der Fristen schon ausgesprochen. Aber parallel verhandeln wir mit möglichen Investoren weiter“, sagt er.

Bestürzung im Rathaus Langenhagen

Die Nachricht von der Entlassung aller EDC-Mitarbeiter hat im Rathaus Langenhagen Bestürzung ausgelöst. Bürgermeister Mirko Heuer will den örtlichen Wirtschaftsklub ansprechen, ob das Netzwerk den Mitarbeitern helfen kann. Bislang hätten sich bei der Stadt ausschließlich Investoren gemeldet, die Interesse an dem Grundstück gezeigt hätten, nicht aber an der Rettung des Unternehmens. Deshalb, so Heuer, habe die Stadt in Absprache mit dem Sachwalter und dem Wirtschaftsministerium „eher zurückhaltend“ agiert. Heuer will nun das Netzwerk des Wirtschaftsklubs WIR auf den Plan rufen. „Wir müssen ergründen, ob dieser Zusammenschluss von mehreren Dutzend Unternehmen nicht helfen kann.“ Diese Hoffnung will Heuer nicht überbewerten. „Es wäre aber schon einmal hilfreich, wenn die Mitarbeiter in einem ersten Schritt ein Bewerbungsportfolio zusammenstellen könnten.“  nea

Von Andreas Schinkel und Isabell Rollenhagen

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