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Nachrichten 75 Liter Regen fallen pro Quadratmeter
Umland Langenhagen Nachrichten 75 Liter Regen fallen pro Quadratmeter
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00:16 03.07.2017
Von Sven Warnecke
Am Tag nach dem Unwetter wird in Langenhagens Ortsteil Schulenburg aufgeräumt.
Am Tag nach dem Unwetter wird in Langenhagens Ortsteil Schulenburg aufgeräumt. Quelle: Sven Warnecke
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Langenhagen

In Schulenburg fielen nach Angaben von Landwirt Hans-Jürgen Hackerott innerhalb von 24 Stunden 72 Liter Regen pro Quadratmeter. In der schlimmsten Phase waren es am Donnerstag zwischen 15 und 16.20 Uhr allein 35 Liter, sagt er. Wegen der Überschwemmungen wurde die Feuerwehr dann nach und nach zu 32 Einsätzen nach Engelbostel, Godshorn und vor allem nach Schulenburg gerufen.

„Wir sind regelrecht abgesoffen“, berichtet Hackerott weiter. Diese Wassermassen könnten angesichts der vielen versiegelten Flächen auch nicht mehr ordentlich versickern, will er die Ursache für die Überschwemmungen identifiziert haben. Gleichzeitig spricht der Landwirt aber auch von einem seltenen Wetterphänomen, das über Schulenburg hereingebrochen war. Denn im nur wenige Kilometer entfernten Kaltenweide auf der Nordseite des Flughafens sei nur etwa die Hälfte an Niederschlag gemessen worden, sagt er. Gleiches gelte für Resse. Ein vergleichbar schweres Unwetter habe es im Dorf das letzte Mal im Jahr 2002 gegeben, erinnert sich Hackerott.

Dass ganze Straßenzüge unter Wasser gestanden haben, liege aber nicht an einer zu gering dimensionierten Kanalisation, teilte gestern auf Anfrage Stadtsprecherin Juliane Stahl mit. „Die Kanalisation in Langenhagen und somit auch in Schulenburg ist so ausgelegt, dass sie mehr auffangen kann als die Wassermasse eines durchschnittlichen Regenschauers“, berichtet sie. Allerdings seien die Kapazitäten der Regenwassereinläufe im Fahrbahn- oder Gossenbereich einer Straße durchaus begrenzt.

Stahl tritt auch dem Gerücht entgegen, dass die Pumpstation an der Desbrocksriede ausgefallen war. Zwar habe dort in der Tat eine rote Störungslampe gebrannt, bestätigt sie Beobachtungen von Passanten. Doch das könne auch eine einfache Störung bedeuten – und nicht etwa einen Ausfall. Zumal in der Station mehrere Pumpen im Betrieb sind. Ihre Kollegen von der Stadtentwässerung, die ebenfalls vor Ort waren, konnten Stahls Angaben zufolge auch keinen Ausfall feststellen.

Nach den starken Regenfällen waren 32 Überschwemmungen gemeldet worden. Die letzte Alarmierung ging am Freitag kurz nach Mitternacht ein. Angesichts dieser dramatischen Situation hatte Stadtbrandmeister Arne Boy die gesamte Stadtfeuerwehr Langenhagen alarmiert. In der Folge waren dann 120 Feuerwehrleute im Einsatz. Mit 20 Pumpen und sechs Wassersaugern wurden die vollgelaufenen Gebäude nach und nach von Wasser befreit. Über sechs Stunden lang wurden nach Auskunft von Feuerwehrsprecher Christian Hasse mehrere Tausend Kubikmeter Wasser bewegt.

Betroffen war auch eine Schulenburger Veranstaltungshalle an der Gleiwitzer Straße, in der für Sonnabend eine Hochzeit mit 600 Gästen geplant ist. Dort stand nach Auskunft von Hasse das Wasser im Saal einen knappen halben Meter hoch. Wegen der nahenden Feier waren die Tische auch schon festlich eingedeckt gewesen. Mit mehreren Pumpen beförderte die Feuerwehr die Wassermengen aus der Halle. Am Freitagmorgen hatten Mitarbeiter der Lokalität mit dem großen Reinemachen begonnen. Und das Brautpaar hat wohl großes Glück: Nach Auskunft von Event-Hall-Geschäftsführerin Gülderen Karaoglan kann die Hochzeit wie geplant in dem Saal stattfinden, sagte sie auf Anfrage.

„Ein riesiges Dankeschön an die Kameradinnen und Kameraden unserer freiwilligen Feuerwehren, die gut ausgebildet, hochmotiviert und engagiert wieder einmal zur Stelle waren, um selbstlos anderen Menschen Hilfe zu leisten und größeren Schaden abzuwenden“, würdigte Langenhagens Bürgermeister Mirko Heuer gestern das große Engagement der Einsatzkräfte. „Ich bin froh, dass wir uns jederzeit verlassen können auf unsere Feuerwehr, die unter Zurückstellung eigener Interessen und, nicht zu vergessen, ehrenamtlich bei diesen sintflutartigen Regenfällen über Stunden mit immenser Personalstärke für uns im Einsatz war.“

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