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Nachrichten Steht Eishalle endgültig vor dem Aus?
Umland Langenhagen Nachrichten Steht Eishalle endgültig vor dem Aus?
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00:15 23.08.2017
Von Rebekka Neander
Dominique Marie Kindler unterschreibt bei Jacqueline Reckert gegen das drohende Aus der Eishalle. Quelle: Bismark
Langenhagen

Wer ist verantwortlich für Verdienstausfälle? Wer für nicht funktionierende Technik? Wer für nicht erfolgte bauliche Instandhaltung? Und wer schuldet derzeit eigentlich wem wieviel Geld? Über all diese Fragen haben Bürgermeister Mirko Heuer und Stadtbaurat Carsten Hettwer mit den Gesellschaftern der Betreibergesellschaft, Kay Uplegger und Marco Stichnoth, seit Februar wiederholt beraten. Ist die Stadt schuld am Zusammenbruch der Kühltechnik - als Eigentümerin der Halle? Und durfte die Eishallengesellschaft im Gegenzug die Pacht dafür einbehalten? Bis zuletzt lobten beide Seiten die konstruktive Stimmung der Gespräche. Doch einig geworden sind sie sich offenkundig nicht.

Mitte vergangener Woche hat die Stadt nun die juristische Reißleine gezogen und mit Hinweis auf nicht gezahlte Pacht von ihrem Sonderkündigungsrecht Gebrauch gemacht. Wie weit durchdacht die Kündigung ist, ist fraglich: Ein Schlüssel wurde bislang nicht eingezogen. Überbracht wurde das Schreiben am 16. August, datiert ist es, wie es heißt, jedoch mit dem 17. August. Stichnoth hat der Kündigung nun erstmal widersprochen.

Zwar war offenbar bereits seit Längerem beiden Seiten klar, dass die Eishalle als solche künftig von einem anderen Betreiber geführt werden müsste. Uplegger und Stichnoth wollen sich zurückziehen. Gleichwohl, so hieß es, wollten alle Beteiligten mit Hilfe eines finanziellen Moratoriums einen größeren Rechtsstreit mit einem drohenden Insolvenzverfahren vermeiden. Dem Vernehmen nach waren alle beteiligten Gläubiger bereit, einem solchen Weg zu folgen. Darunter neben dem Energieversorger auch die Stadt selbst, die aus dem ersten Insolvenzverfahren der früheren Betreiber Belastungen zugunsten zweier Brauereien im fünfstelligen Bereich übernommen hatte. Das Moratorium sollte ein Insolvenzverfahren verhindern und damit vor allem Zeit und weitere Kosten sparen. Die Kündigung hat an der Brüsseler Straße deshalb durchaus Irritationen hervorgerufen.

Denn Interesse an der Halle besteht sehr wohl. Gerhard Griebler, Betreiber des Eisstadions am Pferdeturm und einst gewissermaßen Retter der dortigen Hannover Indians, hält an seinem Angebot fest. Er will an der Brüsseler Straße neben dem ganzjährigen Betrieb der Eishalle ein Nachwuchszentrum für den Eissport bauen mit Internat und physiotherapeutischen Angeboten. Das wollte Griebler eigentlich mit Uplegger und Stichnoth gemeinsam. Doch offenbar haben den Unternehmer deutliche Signale erreicht, dass die Langenhagener Politik eine solche Kooperation nicht begrüßen würde. So will Griebler das Projekt auch alleine verwirklichen, vorausgesetzt, er übernimmt die Halle schuldenfrei und erhält wie seine Vorgänger einen Jahreszuschuss von 120.000 Euro von der Stadt.

Zudem liegt der Stadt inzwischen ein zweites Angebot vor: Ein hannoversches, im Bereich von Fitness- und Wellness-Anlagen engagiertes Bauunternehmen habe, wie es heißt, einen Pool von Sponsoren um sich versammelt, die seinerzeit von den derzeitigen Gesellschaftern der Eishalle nicht gehört worden seien. Was von diesen zwei Angeboten zu halten ist, darüber erhält man aus dem Langenhagener Rathaus nicht viele Informationen.

Immerhin aber sind sie so aussagekräftig, dass die Verwaltungsspitze bei einer Einigung mehr in die Waagschale werfen würde als bei dem Start von Uplegger und Stichnoth: Die unbestritten noch ausstehenden Bauarbeiten an der Halle würde die Stadt umgehend starten. Darauf war beim Start der derzeitigen Betreiber verzichtet worden mit dem Hinweis, man wolle erst einmal abwarten, ob deren Betriebskonzept aufgehen wird. Dass dies so nicht funktionieren könne, habe die Stadt inzwischen gelernt, heißt es im Rathaus.

Und jetzt? Die ersten Leidtragenden des seit Monaten schwelenden Streits ist die Damen-Bundesligamannschaft des SC Langenhagen, die Lady Scorpions. Ihnen wurde die Lizenz für die bevorstehende Saison vorsichtshalber entzogen. Der SCL hat dagegen inzwischen Einspruch eingelegt. Auf dem trockenen steht die Elia-Gemeinde, die für den Heiligabend erneut ein Eis-Musical einstudieren wollte. Der bisherige Erfolg mit diesem Projekt war so groß, dass die Akteure mit dem SCL eine Eiskunstlaufsparte gegründet haben.

Und auch das Deutsche Nationalteam der Sledge-Hockey-Spieler, deren Para-Olympischer Trainingsstützung in Langenhagen ist, können sich nicht auf internationale Turniere im Herbst vorbereiten. Die Sportler sprechen vom "Genickschuss" für den Behindertensport, sollte die Halle schließen. Die Halle sei die einzige in Norddeutschland, die den internationalen Anforderungen für Para-Eishockey genüge. Dies betreffe auch die Langenhagener Ice Lions, den Rekord-Meister im Para-Hockey unter dem Dach des SCL.

Die Sportler haben einen offenen Brief an Heuer geschrieben und inzwischen eine Unterschriftensammlung gestartet, um den Langenhagener Politikern zu signalisieren, welche Verantwortung diese trügen. Auch in der Ratssitzung am Montagabend wollen Mannschaftsvertreter erscheinen, um ihre Sorge vorzutragen. Die Ratssitzung beginnt am Montag, 21. August, um 18.30 Uhr im Ratssaal. Die Eishalle selbst wird dann nicht auf der Tagesordnung stehen. Heuer will der Politik für Mitte September einen Verwaltungsvorschlag zum weiteren Verfahren machen. Eine endgültige Entscheidung könnte dann frühestens im Rat am 24. September fallen.

Sportler sammeln gut 250 Unterschriften

Gut 250 Unterschriften haben Mitglieder des bisherigen Bundesliga-Teams Lady Scorpions sowie des Nationalteams der Sledge-Hockey-Spieler am Sonnabend im City-Center Langenhagen und auf dem Wochenmarkt gesammelt. Hinzu komme noch eine Unterschriftensammlung vom Sozialverband, teilte Sprecher Christian Schirmer mit.

Den Lady-Scorpions wurde kurz Beginn der Saison die Bundesligalizenz entzogen. Für das Sledge-Hockey-Team steht die Vorbereitung auf internationale Wettbewerbe auf dem Spiel. Betroffen sind auch die Ice Lions, der Para-Eishockey Rekordmeister des SC Langenhagen. Im Namen beider Teams hat inzwischen Bürgermeister Mirko Heuer einen weiteren offenen Brief erhalten. Darin weisen die Sledge-Hockey-Spieler ausdrücklich auf die nationale Bedeutung der Halle hin.

In Norddeutschland sei dies die einzige Eissporthalle, die den internationalen Para-Eishockey-Standards entspricht. Langenhagen ist deshalb seit einigen Jahren Para-Olympischer Trainingsstützung der Nationalmannschaft.

Lange warten bitten mussten die Ehrenamtlichen wie Katharina Witte, Rainer Kuschnierzika, Stephan Fieß, Sven Pirnstill, Jacqueline Reckert und Nina Hemmes mit ihrer fünfjährigen Tochter Joleen die Kunden im CCL nicht: Viele, wie Dominique Marie Kindler oder Gisela Bischof kannten die Debatte um die Schließung und sprachen sich mit ihrer Unterschrift dagegen aus.

"Erflogen in Wiesenau" - unter diesem Label steht der erste Honig aus dem Stadtteil, den die Wiesenauer am Sonntag, 20. August, kaufen können. Mehr noch: Von 13 bis 18 Uhr beantwortet der Imker bei der offenen Pforte von Familie Leske an der Friedrich-Ebert-Straße die Fragen der Besucher.

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