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Nachrichten Ex-Polizist: Jeder kann deeskalierend wirken
Umland Langenhagen Nachrichten Ex-Polizist: Jeder kann deeskalierend wirken
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18:55 22.01.2014
Ralf Bongartz veranschaulicht den Seminarteilnehmern in der Volkshochschule Situationen, wie sie täglich auf der Straße und in der Bahn vorkommen können. Quelle: Stephan Hartung
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Langenhagen

Bongartz ist ehemaliger Kriminalhauptkommissar. In Köln und Bonn war er 20 Jahre im Polizeidienst tätig, davon 15 Jahre bei der Kriminalpolizei. Bongartz hat unzählige Situationen und Geschichten erlebt. Vor zwei Jahren schrieb er das Buch „Nutze deine Angst“, zudem trainiert er Schüler und bringt ihnen richtiges Verhalten bei. 20 Teilnehmern des VHS-Angebots „Wie wir in Gewaltsituationen richtig reagieren“ schilderte er am Dienstagabend Begebenheiten aus seinem Alltag - und wie sich jeder schützen, Gewalt abwenden oder sogar Verbündete zur Abwendung von Gefahr suchen kann. Dabei las der 51-Jährige auch aus seinem Buch vor. Eine Geschichte ereignete sich in der voll besetzten Kölner U-Bahn. Vier Jugendliche stiegen ein, pöbelten und fragten nach einem Feuerzeug. Irgendwann knöpften sie sich einen 15-Jährigen vor, bedrängten ihn und stahlen ihm schließlich sein Mobiltelefon. Wie hätte man sich verhalten sollen? Eingreifen? Ganz allein gegen vier?

Unter den Teilnehmern entstand schließlich eine rege Diskussion. „Versuchen Sie, taktische Teams zu bilden, indem Sie Leute ansprechen, damit Sie in Überzahl sind.“ Und wer dann dazwischen geht, sollte auch auf seine Gestik achten: Es sei nicht sinmvoll, sich mit geballten Fäusten vor den Tätern aufzubauen, erläuterte Bongartz. „Etwas Abstand halten, freundlich und nicht aggressiv sprechen, und zur Deeskalation beitragen.“ Wer selbst direkt zum Opfer wird, sollte aufspringen und laut schreiend durch die Bahn laufen. „Dann erschrecken sich auch die Täter.“ Den Begriff Deeskalation verwendet Bongartz ohnehin oft. Wichtig, wenn andere auf Fehlverhalten wie Rauchen trotz Verbots oder das Überqueren der Straße trotz Rotlichts aufmerksam hingewiesen werden sollen. „Tolles Vorbild!“, hat mal eine Mutter in München zu einem Radfahrer gesagt - und wurde prompt von diesem verprügelt. „Machen Sie keinen Vorwurf, sondern bitten aus Gründen der Vorbildfunktion gegenüber Kindern darum, das Verhalten zu unterlassen.“

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Stephan Hartung

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