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Nachrichten Rathaus soll familienfreundlicher werden
Umland Langenhagen Nachrichten Rathaus soll familienfreundlicher werden
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13:43 05.01.2017
Eine Momentaufnahme des Stellenmarktes: Wie Langenhagen suchen viele andere Kommunen derzeit vor allem Personal für den Bausektor. Bislang ist in den Langenhagener Anzeigen nichts von der Familienfreundlichkeit der Stadt zu lesen. Dies soll sich nun ändern. Quelle: Neander
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Langenhagen

Christina Mundlos hat die Leibniz Universität Hannover in die Top 3 der familienfreundlichen Hochschulen in Deutschland geführt. Und doch erlebt man die neue Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Langenhagen knapp einen Monat nach Dienstantritt sichtlich überrascht: „Ich kenne kaum einen öffentlichen Arbeitgeber, der flexiblere Arbeitszeiten anbietet als die Stadt Langenhagen.“ Mehr noch: „Es gibt hier keine Kernarbeitszeit. Im Notfall lässt sich der Arbeitsbeginn also durchaus verschieben. Das habe ich so bislang nicht erlebt.“ Und doch hat das Ganze einen erheblichen Haken. „Welche Möglichkeiten die Verwaltung anbietet, um Familie und Beruf zu vereinbaren, wissen viele Mitarbeiter überhaupt nicht.“

Deshalb will Mundlos nun gleich Anfang Januar als eine ihrer ersten Projekte einen umfänglichen Informationsbrief an alle Mitarbeiter verschicken. Darin sollen alle erleichternden Module bis hin zum Telearbeitsplatz zuhause erläutert werden. „Und natürlich die Tatsache, dass ich für eine individuelle Beratung jederzeit ansprechbar bin.“ Das Geheimnis der Vereinbarkeit liegt für Mundlos, selbst zweifache Mutter, in der Kommunikation. „Wenn es keinen frühzeitigen Austausch zwischen dem Arbeitgeber und dem Arbeitnehmer gibt, kann es nur zu Problemen kommen.“ Aber nur wer rechtzeitig signalisiert, welche Bedürfnisse zu befriedigen sind, kann an einer Lösung mitwirken, mit der beide Seiten zurechtkommen. „Die Stadt bietet ja grundsätzlich auch Telearbeitsplätze an. Aber man muss besprechen, wo und wie weit diese tatsächlich zu der konkreten Stelle passen“, erläutert Mundlos.

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Defizite verzeichnet Mundlos auch in der Kommunikation nach außen. „Wir werben in Stellenanzeigen überhaupt nicht mit der Familienfreundlichkeit der Stadtverwaltung.“ Das möchte sie ändern. Bislang taucht zwar dann und wann mal ein derartiger Hinweis in Ausschreibungen auf. Dies jedoch mehr nach dem gefühlten Zufallsprinzip. „Ich möchte, dass dies grundsätzlich Bestandteil der Ausschreibungen wird. Egal, ob wir Erzieher oder Bauingenieure suchen.“

Ausbauen möchte die Soziologin und Buch-Autorin auch die Fortbildung der Mitarbeiter. "Ich möchte einmal im Jahr Informationen zur Work-Life-Balance anbieten." Bereits fertig erstellt, allerdings noch nicht gedruckt ist die neue Informationsbroschüre zur Arbeit der Gleichstellungsbeauftragte. "Die soll dann in der Infothek im Rathaus-Foyer bereit liegen. Dort fehlt von dieser Arbeit bislang jede Spur."

Raus aus der Rosa-Hellblau-Falle

Fortbildungsimpulse möchte die Gleichstellungsbeauftragte Christina Mundlos auch in die Kindertagesstätten senden. Ein erste Kernthema soll die Geschlechterbildung sein. Dazu möchte Mundlos das Thema der vermeintlichen Geschlechterzuordnung von Spielzeug ansprechen. "Warum wird für Mädchen mit Puppen geworben und für Jungs mit Weltraum-Spielzeug?" fragt Mundlos. "Die Kinder mobben sich im Kindergarten, weil eine Gruppe dann Anspruch auf bestimmtes Spielzeug erhebt und die jeweils andere nicht damit spielen lässt."

Mundlos strebt an, aus jeder städtischen Kindertagesstätte ein bis zwei Mitarbeiter in derartige Schulungen zu holen. Wünscheswert wäre zudem das Angebot eines Theaterstücks für Grundschulkinder. "Natürlich ist das auch ein Thema für die freien Träger. Aber mein Budget ist endlich", räumt Mundlos ein. Denkbar wäre aber, über Zuschüsse auch ein stadtübergreifendes Projekt daraus zu machen.

Von Rebekka Neander