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Umland Langenhagen Nachrichten Katholische Gemeinde steht vor Neuerungen
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12:03 01.11.2017
Claudia Hopfe vom Leitungsteam des LieZaTreffs und Pfarrer Klaus-Dieter Tischler sehen die Gemeinde gut gewappnet für die Herausforderungen in einem neuen Pastoralraum. Neander Quelle: Rebekka Neander
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Langenhagen

 Eine Herausforderung wird es. Für alle. Darin sind sich Claudia Hopfe und Klaus-Dieter Tischler einig. Und doch ist beiden nicht bange vor dem, was auf die Liebfrauen- und die Zwölf-Apostel-Gemeinde in Langenhagen zukommen wird. Dass die zwei sich einig sind, sagt viel aus: Dass die Gemeinde, für die Hopfe an diesem Morgen am Tisch sitzt, sich ebenso gewappnet fühlt für die Neuerungen wie Pfarrer Tischler für die Seite seiner Kollegen.

Tischlers Ruhestand löst Wechsel aus

Tischler selbst bedingt die Veränderungen nur noch mittelbar: Mit seinem Ausscheiden in den Ruhestand voraussichlich im Oktober 2019 werden die Katholiken der beiden einst fusionierten Gemeinden in Langenhagen einem neuen sogenannten Pastoralraum zugeschlagen. "Das ist ausdrücklich keine Gemeinde-Fusion", betont Tischler. Im Gegenteil, und dies mache die Sache wahrlich spannend: "Das Bistum setzt seit einiger Zeit darauf, die einzelnen Gemeinden in ihrer Identität zu stärken", erläutert Tischler. Weil es aber zeitgleich immer weniger Pfarrer gebe und die Personalkostendebatte auch an den katholischen Gemeinden nicht spurlos vorbeigeht, werden neue Funktionseinheiten geschaffen. "Für den Pastoralraum im Norden der Region wird es fortan nur noch einen leitenden Pfarrer geben sowie einen weiteren Priester. Hinzu kommen zwei Gemeindereferenten sowie ein Verwaltungsbeamter." Der Pastoralraum Nord ist dann einer von insgesamt acht in der Region Hannover. Den Startschuss für diese Neustrukturierung machte der Süden rund die Laatzener Gemeinde vor wenigen Wochen.

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Dass Langenhagen erst 2019 drankommt, hat laut Tischler einen einfachen Hintergrund. "Das Bistum hat sich entschlossen, dort neu zu strukturieren, wo absehbar keine Personalveränderungen anstehen." Da der Eintritt in den Ruhestand bei den katholischen Pfarrern an kein festes Datum gebunden ist, hat Tischler in dem für ihn anstehenden Korridor einen symbolischen Zeitpunkt ausgewählt. "Ich feiere im Juli 2019 meinen 66. Geburtstag und im Oktober desselben Jahres bin ich 20 Jahre in Langenhagen", sagt Tischler und ergänzt mit einem Lächeln: "Das ist doch ein guter Zeitpunkt, um in den Ruhestand zu gehen."

Viele Eltern engagieren sich

Dass man Tischler vermissen wird, will Hopfe nicht in Frage stellen. Doch die Gemeinde, so sagt sie, ist seit der Fusion von Liebfrauen und Zwölf-Apostel durch viele Täler gegangen - und hat diese hinter sich gelassen. Nicht zuletzt der erfolgreiche Kampf um den Erhalt beider Kirchen in den vergangenen Jahren habe gezeigt, "dass unsere Neuaufstellung der Gemeinde mit ihrem Pastoralen Konzept in Hildesheim wirklich überzeugt hat". Tatsächlich habe sich das Gemeindeleben inzwischen deutlich wiederbelebt. Nicht nur zähle die Gruppe der Kinder zur Erstkommunion mehr als 50. "Es sind darunter auch 17 Eltern, die sich bei der Betreuung engagieren", fügt Tischler hinzu. Auch der LieZaTreff, der inzwischen ins ehemalige Pfarrhaus der Liebfrauen-Kirche gezogen ist, stehe auf kräftigen Beinen. Auf dem neuen Prospekt sind inzwischen sechs Köpfe als Kern-Team zu sehen, gestartet war die Idee mit vieren. "Und nicht zuletzt hat uns die jüngste Zeit, in der Pfarrer Tischler krankheitsbedingt ausgefallen war, gezeigt, dass wir uns gut selbst organisieren können und eine eigene Identität gefunden haben", betont Hopfe.

Tischler hat mit dieser selbstbewussten Gemeinde kein Problem. Im Gegenteil. Ihn freut die Entwicklung, auch wenn er seinen Mitstreitern hier und da noch organisatorischen Nachhilfebedarf attestiert, wie er mit einem Schmunzeln ergänzt. Doch für seine Kollegen am Altar werde die neue Zeitrechnung keine allzu leichte. "Das hängt nicht allein an der Frage, wie Gottesdienste in Menge und Uhrzeiten zu koordinieren sind", mutmaßt der Pfarrer. "Sondern auch, dass die Gemeinde den Pfarrer nicht als reinen Dienstleister behandelt." Eine Heimat zu finden in den Gemeinden bleibe weiterhin wichtig. "Und deshalb müssen die Gemeinden den Geistlichen auch weitestgehend die Arbeit abnehmen, damit ihnen Zeit für die Seelsorge bleibt", ergänzt Hopfe.

Von Langenhagen bis Schwarmstedt

Der neue Pastoralraum, wie es vom Bistum Hildesheim genannt wird, umfasst die fusionierten katholischen Gemeinden Liebfrauen und Zwölf Apostel in Langenhagen, die Paulus-Gemeinde in Burgwedel sowie die St. Maria Immaculata in der Wedemark und Heilig Geist in Schwarmstedt. Der ab Herbst 2019 leitende Priester wird aller Voraussicht nach der derzeitige Pfarrer in Mellendorf Hartmut Lütke werden. Unterstützt wird er von dem derzeit in Großburgwedel amtierenden Pfarrer Ivan Mykhailiuk. Der Priester der ukrainisch-griechisch-katholischen Kirche, die kein Zölibat kennt, aber mit der römischen Kirche uniert ist, ist verheiratet und hat zwei Kinder. 

Neue Wege zur Erstkommunion

Ebenfalls Ergebnis des neuen Pastoralkonzeptes für die Gemeinde ist ein neuer Weg zur Erstkommunion: Seit diesem Monat bereiten sich 57 Kinder auf die erste Heilige Kommunion im Frühsommer 2018 vor. Begleitet werden sie erstmals durch ein Team Ehrenamtlicher und viele engagierte Eltern. Alle zwei Wochen treffen sich die Kinder und ihre Begleiter in kleinen Gruppen. Es wird gesungen, gespielt, gebastelt und in vertrauensvollem Austausch auch von Gott erzählt. Die Familien werden damit in die Kommunionsvorbereitung einbezogen. Einmal pro Monat gibt es ein Treffen aller Familien. Nach der Premiere dieses Treffens Ende Oktober mit einem gemeinsamen offenen Singen, wird es im November um das Thema „Tod und Licht“ gehen. Dann werden die Kinder nach einem Gang über den kirchlichen Friedrich an der Karl-Kellner-Straße rund 60 Grablichter entzünden. 

Von Rebekka Neander

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