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Umland Langenhagen Nachrichten Bürgermeister Heuer zieht erste Amtsbilanz
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07:14 03.11.2015
Von Rebekka Neander
Bürgermeister Heuer bei einer Versammlung in Godshorn im Oktober. Quelle: Rebekka Neander
Langenhagen

Reden kann er gut. Erklären, moderieren, gar wüten zuweilen. Doch in diesem Moment ist er still. Weil ihm partout nicht einfallen will, welchen gefühlt ewig existierenden Ratsbeschluss er sofort umsetzen wollte. Mit dieser Frage ertappt zu sein, das nervt ihn sichtlich. Vielleicht, weil er die Symbolkraft des Moments ahnt.

Seit einem Jahr ist Mirko Heuer, Quereinsteiger in Politik wie Verwaltung, Bürgermeister von Langenhagen. Das Büro wirkt noch immer nicht so richtig eingerichtet. Ein paar Wahlsieger-Geschenke scheinen eher stehen geblieben als bewusst eingeräumt. Statt Bildern hängen Projektskizzen an den Wänden. Das Einzige, das sich stetig entwickelt, sind die Aktenberge auf seinem Schreibtisch. Noch so ein Bild mit Symbolkraft.

Das zurückliegende Jahr wirkt ein wenig wie eine Achterbahnfahrt. Statt eines langsamen Anstiegs ging es gleich rasant zur Sache, wobei die abendliche Sprengung eines Bombenblindgängers auf der Baustelle des Schwimmbades im Rückblick geradezu ein Vergnügen war. Heuer kassierte kurz darauf ohne politische Mehrheit im Rat den Haushaltsentwurf seines Vorgängers Friedhelm Fischer und präsentiert sich seither als Erneuerer von Bürokratie und Finanzkultur der Stadt. Der Etat, so sein Credo, müsse von Beginn an ausgeglichen sein und damit Recht und Gesetz entsprechen. Das Hoffen auf sprudelnde Gewerbesteuerquellen der vergangenen Jahre müsse ein Ende haben.

Politiker wollte Heuer nie sein. In die CDU-Fraktion des Rats katapultierte ihn das erste große Ringen um ein neues Schwimmbad. Gute zehn Jahre ist das her. Politiker wollte Heuer auch jetzt nicht sein. Vielmehr gehörte zu seinen Wahlaussagen stets, als „Bürgermeister aller Langenhagener“ das tiefe Misstrauen zwischen Verwaltung und Politik und unter den Fraktionen zu versöhnen. Und will man die Verdienste dieses ersten Dienstjahres ausdeuten, so gehört der inzwischen offenkundig deutlich konstruktivere Umgangston zwischen den Beteiligten wahrlich zu Heuers Errungenschaften. Auch ohne die (von Heuer gewünschte) Erhöhung des Gewerbesteuersatzes gilt der Haushalt 2015 als ausgeglichen. Die Eishalle bekommt nach jahrelangem Streit nun doch einen städtischen Zuschuss. An der Walsroder Straße wird die Brache mit knapp 200 Wohnungen bebaut. So viel Tatkraft gab es im Rat lange nicht.

Das war vor dem Sommer.

Was seither geschehen ist, erklärt vielleicht ein wenig, warum Heuer heute nicht alles sofort einfällt. Warum sein Terminmanagement für manchen zum roten Tuch geworden ist. Warum die Verwaltungsreform angeschoben, aber nicht beendet ist. Und warum seine vielen Kommentare in sozialen Medien immer spätere Zeitstempel tragen.

Kurz vor den Sommerferien attestiert ein Brandschutzgutachter weiten Teilen des Schulzentrums die Abrissreife. Seit September gehören auch Flüchtlinge infolge fernen Kriegselends zu den Aufgaben. Zwischendurch bringen aufgebrachte Bürger ihren stets um Ausgleich bedachten Bürgermeister am Ufer vertrocknender Parkteiche sowie während des langen Kita-Streiks an die Grenze von Geduld und Höflichkeit.

Ob er das Amt unterschätzt hat? Nein, sicher nicht, sagt er. Dann bemüht er einen Vergleich: Als „Change-Manager“ in einem Zentrum der Datenverarbeitung sei es seine Aufgabe gewesen, mit dem schlimmsten Plan B umzugehen. „Wenn Sie verhindern müssen, dass Tausende Arbeitnehmer ihr Gehalt nicht bekommen.“ Eine besondere Herausforderung nennt er derlei.

Wirklich resigniert klingt er dagegen, wenn er sich mal wieder nicht richtig informiert fühlt - von den eigenen Mitarbeitern. Umgekehrt stößt er die eigenen Leute just in jenen Momenten vor den Kopf, wenn sich Heuer besonders bürgernah fühlt und kurzerhand „ausnahmsweise“ Veranstaltungen an Orten zulässt, die sich in der Versammlungsstättenverordnung nicht finden lassen. Heuer selbst sieht sich viel mehr als Verwaltungschef als als oberster Repräsentant. Im Rathaus sind sich manche Mitarbeiter nicht ganz sicher, ob diese Selbstwahrnehmung so richtig ist. Während er nämlich häufig Außentermine in aller Ausführlichkeit wahrnimmt, stapeln sich auf seinem Schreibtisch mitunter die Akten. Das ist der Preis der Volksnähe.

Den zahlt Heuer auch im Internet. Wer wissen wollte, wo er ist, konnte dies nicht selten im sozialen Netzwerk Facebook nachlesen. Dort postet der Bürgermeister bemerkenswert oft, was er gerade macht - und das auf zwei verschiedenen Seiten: der privaten sowie der des Bürgermeisters. Häufig fällt es schwer, eine Trennung auszumachen. Zuweilen sehr detailliert erläutert er Bürgern dort Pläne, oft auch solche, die noch nicht vollends abgestimmt sind. Das kostet Zeit, oft bis spät in die Nacht. Er seufzt. „Ich kann halt nicht anders.“ Die Transparenz, um die sich Heuer so sehr bemüht, hat ihre Schattenseiten. Das geht so weit, dass manches Ratsmitglied ihm inzwischen bewusst Informationen nicht mehr abends zukommen lässt, damit sie über Nacht nicht via Facebook unters Volk gebracht werden.

Nein, er habe nicht alles geschafft, was er sich vorgenommen hat - so sagt er. Aber zufrieden sei er trotzdem. Auch, weil er es all den Verschwörungstheoretikern gezeigt habe. Von versprochenen Posten im Rathaus war viel die Rede vor der Wahl für all die Freunde im politischen Umfeld. Daraus ist nichts geworden. Und werde es auch nicht. „So leicht mache ich es keinem.“

Nichts geworden ist bis heute auch aus der Tempo-30-Zone vor der Kita Stadtmitte. Die wollte Heuer umsetzen, sobald er Chef im Rathaus ist. „Stimmt, ja“, sagt er. Nein, die sei nicht vergessen. Er habe gleich danach gefragt - „und eine unbefriedigende Antwort von der Behörde bekommen“. Und nun? Heuers Blick wandert über das Aktengebirge auf dem Schreibtisch. Er bleibe da dran. Wenn es all die anderen Termine zuließen. Dann werde er auch die versprochene Klausurtagung mit den Führungskräften nachholen. „Wir funktionieren irgendwie alle nur derzeit.“

Dabei machten sie doch alle einen wirklich tollen Job. „Und das würde ich gern auch mal ordentlich sagen.“

Unbekannte haben zwischen Freitag, 18 Uhr, und Montag, 2.45 Uhr, die Planen von vier Lastwagen aufgeschlitzt, die an der Bayernstraße in Godshorn abgestellt waren. Ob etwas gestoglen wurde, ist noch nicht klar. Die Polizei sucht Zeugen.

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