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00:16 05.07.2017
Paul-Otto Ströbel zeigt seine beiden Speedautos.
Paul-Otto Ströbel zeigt seine beiden Speedautos. Quelle: Stephan Hartung
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Kaltenweide

Es sind die kleinen Flitzer, die mit einem Gemisch aus Methanol und Rizinusöl fahren: Ihr Supersprit sorgt für den Geruch – und ebenso für ein atemberaubendes Tempo und eine beeindruckende Geräuschkulisse. Die Autos klingen wie Flugzeuge und rasen mit mehr als 300 Stundenkilometern über den abgezäunten Ring, der die Größe einer Zirkusmanege hat.

50 „Piloten“ aus sechs Nationen sind an diesem Wochenende in Kaltenweide zu Gast, um an den Rennen des Hannoverschen Motorsportclub teilzunehmen. „Wir kennen uns seit Jahren von den vielen Rennen. Es ist immer ein Wiedersehen wie in einer Familie“, sagt der Engländer Oliver Monk. Im ersten Rennen des Tages hatte er Pech. „Es gab ein Problem mit dem Auspuff. Kann passieren“, sagt Monk – und lässt sein anderes Autos für den nächsten Durchgang wiegen. Daheim in Birmingham hat er ein eigenes Geschäft für diese Speedautos. „Ich bin ein Ein-Mann-Betrieb. Als Kind habe ich schon gern mit Modellflugzeugen gespielt – dann wurde es immer mehr“, sagt er und lacht.

Auch Paul-Otto Ströbel muss über die Zeit- und vor allem Kostenintensität seines Hobbys schmunzeln. „Man muss dafür im positiven Sinne verrückt sein“, sagt der Schweizer. Pro Saison nimmt er an 15 bis 17 internationalen Rennen teil, in diesem Jahr war er bereits in Australien. Mit zwei Fahrzeugen in zwei verschiedenen Leistungsklassen ist Ströbel am Start. Jedes Auto muss acht Runden absolvieren, das entspricht 500 Metern. „Und natürlich ist man nervös. Denn es ist eine komplexe und stark beanspruchte Technik verbaut. Kerze, Kolbenfresser oder was anderes – es kann immer etwas kaputtgehen“, sagt Ströbel. Das große Zittern dauert über die gesamte Distanz.

Und wenn etwas kaputtgeht, dann ist es wie in der Formel 1: Dann wird der Schaden in der Boxengasse behoben. Die Boxengasse ist in diesem Fall ein kleiner Unterstand auf dem Gelände am Kaltenweider Maaßweg. Dort reparieren die Teilnehmer fieberhaft ihre Fahrzeuge mit Schraubenziehern und Spezialwerkzeugen. 

Ströbel hat zu Hause seine eigene Werkstatt. Natürlich gibt es die nötigen Ersatzteile für die Speed­autos weder im Baumarkt noch im Internet. „Man muss gut vernetzt sein. Ich habe Beziehungen nach Italien, Polen und Russland, erhalte von dort Lieferungen“, sagt der 75-Jährige. Er schätzt die jährlichen Kosten für sein Hobby inklusive Reisen auf 150.000 Euro. „Andere Leute laufen stundenlang über den Golfplatz. Ich leiste mir dieses Hobby, seit ich Rentner bin – und das kann ich auch als früherer Geschäftsmann.“

Der HMC konnte sich über spektakuläre Rennen freuen, hatte jedoch am Wochenende mit dem Wetter zu kämpfen. Denn auch, wenn die Autos mit Höchstgeschwindigkeiten wie in der Formel 1 über den Ring rasen – es gibt doch einen Unterschied. „Unsere Autos haben keine Regenreifen, die Räder drehen durch“, sagt HMC-Vorsitzender Harro Herpichböhm. Daher wurde die Strecke mittels Gasbrenner getrocknet und mit Planen geschützt. Wer gewonnen ist nebensächlich. Schließlich ist es ja ein Familientreffen – unter Gleichgesinnten.

Das sind Club, Autos und Meisterschaften

Der Hannoversche Motorsport Club im ADAC, der sich mit HMC abkürzt, richtete in Kaltenweide auf dem sogenannten Heidering Rennen für Speedmodellautos aus. Die kleinen Flitzer bestehen aus Aluminium und Kohlefaser, sind aerodynamisch geformt und größtenteils selbst gebaut. Die Zweitakt-Modellmotoren mit einem Hubraum von 1,5 bis 10 Kubikzentimetern leisten bis zu 6 PS und sind in den leistungsstärksten der insgesamt sechs Klassen schneller als 300 Stundenkilometer.

In Kaltenweide war der HMC Gastgeber des dritten Laufs zur deutschen Meisterschaft, der finale vierte Lauf erfolgt in wenigen Wochen im Schwarzwald. Gleichzeitig war das Wochenende auf dem Heidering ein internationales Wettrennen. Im August 2018 wird es erneut international: Dann ist der HRC Ausrichter der Europameisterschaft, dieses Jahr erfolgt die EM in der Ukraine.

Fotostrecke Langenhagen: Wie in der Formel 1 - nur im Kleinformat

Von Stephan Hartung

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