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Nachrichten Weißes Mahnmal soll an toten Radler erinnern
Umland Langenhagen Nachrichten Weißes Mahnmal soll an toten Radler erinnern
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00:16 17.07.2017
Von Sven Warnecke
Reinhard Spörer als Sprecher der ADFC-Ortsgruppe stellt nach dem tödlichen Unfall ein weißes Fahrrad als Mahnmal auf.
Reinhard Spörer als Sprecher der ADFC-Ortsgruppe stellt nach dem tödlichen Unfall ein weißes Fahrrad als Mahnmal auf. Quelle: Sven Warnecke
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Langenhagen

Seit Jahren steigen die Unfallzahlen mit Beteiligung von Radfahrern. Das hat auch die Polizei Langenhagen seit geraumer Zeit erkannt und spricht offen über „Sorgenkinder“. Die Zahlen bewegen sich Jahr für Jahr kontinuierlich im niedrigen dreistelligen Bereich. Die Ursachen indes sind vielschichtig. Doch in der Folge wurde und wird der Zweiradverkehr auch weiter verstärkt überwacht und in der Stadt von den Beamten kontrolliert.

Dem 67 Jahre alten Langenhagener kann das nicht mehr helfen. Der Radler erlag, wie berichtet, zwei Tage nach dem Zusammenstoß mit einem Auto im Bereich des Langenforther Platzes am vergangenen Wochenende seinen schweren Verletzungen.

Die Ermittlungen der Polizei hatten dann ergeben, dass sich der Mann entlang der Walsroder Straße offenbar völlig richtig verhalten hatte und bei Grün die Ampelkreuzung in Richtung Norden querte. Dabei wurde er aber von einer Mercedes-Fahrerin erfasst, die aus Godshorn kommend auf der Bothfelder Straße in Richtung Silbersee unterwegs war. Da die 25 Jahre alte Frau nach Erkenntnissen der Polizei die Ampel bei Rot überfahren haben soll, wird nun gegen sie wegen fahrlässiger Tötung ermittelt.

Der Sprecher der Langenhagener ADFC-Ortsgruppe, Reinhard Spörer, hat nun ganz in der Nähe der Unfallstelle ein Ghost Bike – ein weiß bemaltes Fahrrad – als Mahnmal aufgestellt. Seinen Angaben zufolge soll mit der aus den USA stammenden Initiative an den dort jüngst getöteten Radfahrer erinnert werden. „Ohne jegliche Schuldzuweisung“, betont er. Gleichzeitig will Spörer aber so auch für eine größtmögliche gegenseitige Rücksichtnahme im Verkehr werben, lautet sein eindringlicher Appell.

Zudem sei die Aktion auch als „Bitte an Kommunen und Polizei zu verstehen“, damit diese die Absicherung speziell der schwächsten Verkehrsteilnehmer unvermindert fortführen und möglichst noch intensivieren, fordert Spörer. Denn jedes Jahr würden etwa 3500 Verkehrsteilnehmer auf deutschen Straßen sterben – darunter circa 350 Radfahrer. „Das bedeutet rechnerisch fast jeden Tag einen toten Radler“, argumentiert der ADFC-Sprecher. Mit dem Geisterfahrrad möchte er nun darauf aufmerksam machen, wie gefährlich der Straßenverkehr ist. Dabei hat er nicht nur die Radler im Blick, sondern etwa auch Fußgänger, Rollstuhl- und Rollatorfahrer. Also alle, die nicht „von einem schützenden Blech umgeben am Straßenverkehr teilnehmen“.

Die Appelle hat Spörer als Notiz auch an das Fahrrad in Höhe der Unfallstelle am Langenforther Platz geklemmt. Eine Genehmigung für das Aufstellen des Mahnmals hat sich der ADFC-Sprecher nicht geholt. „Die brauche ich auch nicht, denn das Rad ist voll funktionstüchtig“, stellt er klar. Zudem sei es ordnungsgemäß gegen Diebstahl gesichert. Seinen Angaben zufolge behinderte das Zweirad dort auch niemanden. Wer sich daran stören sollte, dass das Fahrrad ohne Lichtanlage abgestellt ist, dem empfiehlt Spörer die Lektüre der jüngsten Änderung der Straßenverkehrsordnung (StVO). „Diese besagt, dass nicht mehr ständig funktionsfähiges Licht am Rad mitgeführt werden muss“, erläutert er. „Und da das Fahrrad kein Schrott ist, hole ich es auch wieder ab“, betont Spörer.