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Umland Langenhagen Nachrichten Muslimische Gemeinde baut neue Moschee
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00:16 03.02.2017
Eine fröhliche Gemeinschaft aus Integrationsbeirat und Selimiye Gemeinde: Hamidou Bouba, Mustafa Ünsal, Esma Yatakci, Justyna Scharlé, Erwin Eder, Ilhan Ünsal und Ugür Aydin freuen sich über einen regen Austausch. Quelle: Neander
Langenhagen

Von Ruhe und Besinnlichkeit für ein Gebet ist auf der Baustelle der Selimiye Gemeinde in diesen Tagen wahrlich nichts zu sehen. Zwar stehen die Mauern der neuen Moschee, und der Umriss des neuen Gebäudes an der Karl-Kellner-Straße 108 ist deutlich erkennbar. Doch noch können sich Regen und Schneegriesel ungehindert darauf ausbreiten. Bis Ende Mai und damit bis zum Beginn des Fastenmonats Ramadan soll das ein Ende haben.

„Dann sollte der Bau abgeschlossen sein. Und wir wollen mit dem Innenausbau beginnen.“ Ilhan Ünsal lacht. Das Vorstandsmitglied der Gemeinde weiß sehr wohl, dass ein solcher Bau mit einer gehörigen Portion an Eigenleistung seine Tücken hat. Aber er gibt sich zuversichtlich. „Wir warten gerade noch auf ein Statikblatt“, erzählt er in der Runde seiner Vorstandskollegen. Aber eigentlich laufe alles nach Plan.

Kritik an Baugenehmigung

Das mag für den Bau stimmen. Doch der Anlass für dieses Gespräch lässt auch eine andere Lesart zu. Es ist diese eine Wortmeldung in der letzten Ratssitzung des zurückliegenden Jahres, kombiniert mit Ratsanfragen aus den Kreisen der WAL und der AfD, die auf eine formal korrekte und deshalb eigentlich ganz unspektakuläre Baugenehmigung plötzlich ein ungewöhnliches Licht wirft. Ob denn der Stadt die politischen Hintergründe der türkisch-islamischen Gemeinde, weil verankert in dem derzeit in der Kritik stehenden Dachverband Ditib, bei Ausstellung der Genehmigung bekannt gewesen seien, wurde Stadtbaurat Carsten Hettwer von einem Einwohner öffentlich gefragt. Die behördliche Antwort fiel sachlich knapp aus: Der Bauantrag habe allen rechtlich erforderlichen Belangen entsprochen. Damit sei die Stadt zu einer Genehmigung verpflichtet. Mehr habe die Behörde im Übrigen auch nicht zu interessieren, entgegnete Hettwer. Egal, wer bauen möchte.

Für den Verwaltungsapparat war der sichtbare Vorgang damit beendet. Und doch gärte es hinter den Kulissen. Auch, weil niemand aus den Reihen der 43 Ratsmitglieder seinerzeit das Wort ergriff, um der Gemeinde für den Moscheebau den Rücken zu stärken.

Nun, ein paar Wochen später, sitzt die städtische Integrationsbeauftragte Justyna Scharlé mit den Vorsitzenden des Integrationsbeirates Erwin Eder und Hamidou Bouba sowie dem Vorstand der Selimiye Gemeinde im provisorischen Gebetsraum an der Karl-Kellner-Straße bei Tee und Keks und versucht zu begreifen, was eigentlich gerade passiert.

Denn die Runde an diesem Tisch kennt sich, und das schon ziemlich lange. Rund 30 Jahre besteht die Gemeinde bereits in Langenhagen. Mit der Moschee ist sie ein paar Mal umgezogen, zuletzt residierte die Gemeinde an der Bahnhofstraße. Weil diese Räume aber zu klein geworden waren, erwarb die Gemeinde einen Altbau samt Baugrundstück (und künftig eigenem Parkplatz) ein paar Hundert Meter um die Ecke an der Karl-Kellner-Straße. Während sich nun in dem ehemaligen Wohn- und Bürogebäude Gemeinde, Gebet und Krökeltisch für die Jugendarbeit provisorisch eingerichtet haben, bauen die Mitglieder nebenan an ihrem neuen Gotteshaus.
Die Gemeinde gehört zu den festen Ansprechpartnern für Blutspendetermine des Deutschen Roten Kreuzes. Und immer mal wieder glänzt sie als Gastgeber für rauschende Straßenfeste für alle Nachbarn und Freunde. Das jüngste Familiencamp der Gemeinde gastierte im Evangelischen Jugenddorf Boltenhagen.

Für Hamidou Bouba aber steht die Moschee der Selimiye-Gemeinde aber noch für etwas anderes. „Ich fühle mich hier sicher.“ Ein kurzer Satz, und doch steht er gleich für mehrere Kernpunkte dieser derzeit eher komplizierten Diskussionslage: Hamidou Bouba spricht kein Türkisch. Das von dem türkischen Iman freitags dort gelesene Gebet kann der aus Kamerun stammende Immobilien-Sachverständige nicht verstehen. „Aber weil ich weiß, wie die Menschen in dieser Gemeinde agieren, kann ich darauf vertrauen, dass das Freitagsgebet genau das erfüllt, was es soll.“
Nämlich aufzuarbeiten, was in der Woche in der Gemeinde oder für die Gemeinde geschehen ist. In Langenhagen, in Deutschland, in der Welt. So wie jede Sonntagskirchenpredigt im Grunde auch.

Bouba ist nicht der einzige, dem das so geht. „Viele unserer Jugendlichen sprechen inzwischen auch nur noch so schlecht Türkisch, dass wir für sie das Gebet auf Deutsch ausdrucken“, erklärt Gemeindevorstand Mustafa Ünsal. Dies bekümmert ihn. Dabei sieht Ünsal das Problem weniger bei seinem Gemeindenachwuchs. Sondern auch in dem System, das die türkischen Gemeinden bindet: Ihnen wird alle fünf Jahre über den Dachverband Ditib ein neuer Iman aus der Türkei geschickt. Meist muss dieser erst noch Deutsch lernen.

„Bis die sich hier so eingelebt haben, sind sie schon fast wieder weg“, klagt auch Esma Yatakci. Die junge Frau ist zweite Vorsitzende der Gemeinde und wird eigentlich nur noch außerhalb dieser darauf angesprochen, dass sie als selbstbewusste Frau ohne Kopftuch so gar keinem abgegriffenen Klischee türkischstämmiger Frauen entsprechen will.

Misstrauen durch Unwissenheit

Aber Mustafa Ünsal blickt nach vorn. Drei Jugendliche aus Langenhagen seien inzwischen in der Türkei und studierten dort. „Sie kommen dann zu uns zurück und können auf Deutsch das Gebet halten.“ Yatakci verbindet Hoffnungen auch mit dem neuen und in Deutschland bislang einzigen Universitätsinstitut für Islamische Theologie in Osnabrück. „Dort werden sie ausgebildet in Deutsch, Türkisch und Arabisch.“
Dass dieser seit drei Jahrenzehnten in Langenhagen beheimateten Gemeinde in jüngster Zeit steigendes Misstrauen entgegengebracht wird, führt Ünsals Sohn Ilhan vor allem auf Unwissenheit zurück. Der studierte Politikwissenschaftler hat sich in seiner Abschlussarbeit unter anderem der Terrorismusforschung gewidmet. „Wir können dem Misstrauen nur mit Aufklärung begegnen“, betont er und bekennt: „Das hat die islamische Gemeinde lange Zeit verpennt.“ Stattdessen überließen sie den Platz den Extremisten.

„Wer heute über Google etwas über den Islam erfahren möchte, findet auf den ersten Seiten nur Quellen, die dafür gar nicht anerkannt sind.“ Zugleich beschreibt Ilhan Ünsal sein eigenes Dilemma: „Wenn ich prüfen möchte, ob Jugendliche unserer Gemeinde sich womöglich solchen Moscheen nähern, in denen Salafisten unterwegs sind, muss ich selbst befürchten, dort gesehen zu werden. Und prompt werde ich selbst verdächtigt.“

Und deshalb sucht die Gemeinde jetzt erst recht den Weg nach draußen. Der Wunsch, mit einer Gruppe einen Weihnachtsgottesdient besuchen zu können („mit Anleitung“), scheiterte zwar im vergangenen Dezember an fehlgeleiteten E-Mails. Aber im Kleinen sind sie guten Mutes, wie Mustafa Ünsal lachend erzählt. „Wir haben hier oft Besuch von nicht-muslimischen Jugendlichen. Während ihre Freunde beten, gucken sie mit anderen Gemeindemitgliedern Fußball.“

Infoabend im kleinen Kreis

Für Mittwoch, 8. Februar, lädt die Gemeinde einen Kreis interessierter Nachbarn sowie Vertreter der Stadt und des Integrationsbeirates für 18.30 Uhr zu einem Gedankenaustausch in die Karl-Kellner-Straße 108 ein. Teilnehmen werden der Gemeindevorstand, der Integrationsbeirat der Stadt, Bürgermeister Mirko Heuer und Integrationsbeauftragte Justyna Scharlé sowie Andreas Alder, Leiter des Polizeikommissariats Langenhagen. Hintergrund dieser Veranstaltung war die Idee einer Anwohnerin, in einer Diskussionsrunde über die Moschee zu sprechen. Mirko Heuer nahm die Einladung zum Anlass, diese Runde in die Moschee selbst zu verlagern, damit man „miteinander und nicht übereinander spricht“. Die Gemeinde hat diese Idee sofort aufgenommen und ihre Räume angeboten.

Welche Rolle spielt Ditib?

Ditib steht für „Türkisch Islamische Union der Anstalt für Religion“. Die Selimiye-Gemeinde ist Mitglied dieses Verbandes. Zu den Vorwürfen, Imane der Ditib hätten in Nordrhein-Westfalen Informationen von Gemeindemitgliedern gesammelt, die Kritik an der Türkischen Regierung geäußert hätten, nimmt die Langenhagener Gemeinde Stellung: „Es ist auch in unserem Interesse, dass die schwerwiegenden Bespitzelungs-Vorwürfe untersucht und aufgeklärt werden. Wir positionieren uns hier ganz klar: In der Moschee wird keine Politik geduldet. Wer diese Absicht hat, kann das gerne außerhalb unserer Räumlichkeiten tun. Wie jeder andere Besucher der Gemeinde hat sich auch ein Religionsgelehrter an die Regeln zu halten. Wer sich nicht an die Regeln hält, muss auch die Konsequenzen dafür tragen.“

So wird man Mitglied

Im Gegensatz zur Mitgliedschaft in einer christlichen Gemeinde, deren Zuordnung wohnortbezogen ist, kann der SelimiyeGemeinde jeder beitreten, der seinen monatlichen Mitgliedsbeitrag zahlt. Dieser liegt bei mindestens 5 Euro und gilt pro Haushalt, nicht pro Familienmitglied. Die Langenhagener Gemeinde zählt derzeit nach eigenen Angaben 160 zahlende Mitglieder und betreut damit insgesamt rund 600 Menschen, die zum Teil auch außerhalb der Stadt wohnen. Der Vorstand der Gemeinde wird alle zwei Jahre gewählt. Bedingung für die Mitgliedschaft ist nicht das Bekenntnis zum muslimischen Glauben, sondern das Bekenntnis zu den gemeindeeigenen Regeln. Dazu gehört vor allem, wie der Vorstand betont, die Anerkennung der „freiheitlichen demokratischen Grundordnung“ des Grundgesetzes.

Von Rebekka Neander

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