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Umland Langenhagen Nachrichten Dieser tödliche Unfall hat den Fahrer traumatisiert
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00:23 13.04.2018
Immer wieder Unfälle: Wer hat an dieser Kreuzung Vorfahrt und ist die Schaltung rechtens, fragt ein hannoverscher Jurist.  Quelle: Sven Warnecke
Langenhagen

 Richard K. (Name von der Redaktion geändert) ist auch heute noch schwer angeschlagen. Weniger angesichts der selbst erlittenen körperlichen Verletzungen, die der Taxifahrer an jenem schicksalhaften 26. Juni vergangenen Jahres nach einer Kollision mit einer Stadtbahn in Langenhagens Zentrum davongetragen hat. Es ist die Psyche, die leidet. Denn die Kollision endete für seinen Passagier tödlich. Und für K. bleibt die Frage, was er verkehrt gemacht haben soll. Noch immer ermittelt die Staatsanwaltschaft Hannover gegen den 48-Jährigen.

Immer unfallfrei und ohne Punkte

K. fährt sein knapp 20 Jahre Taxi, nach eigenen Angaben unfallfrei und ohne „Punkte auf  dem Konto“. An dem Junitag fährt er – wie seit vielen Monaten  – seinen hochbetagten Kunden morgens von Isernhagen zur Langenhagener Dialysepraxis. Drei mal in der Woche steht die Tour für ihn an. An der Bothfelder Straße/Ecke Schützenstraße bleibt er als erstes Fahrzeug an der Rechtsabbiegerampel stehen und wartet auf Grün. Als die Signalanlage umspringt, fährt er los. Guten Gewissens, Vorfahrt zu haben, wie er sagt.

Doch dann passiert es. Ihm kommt aus Richtung Langenforther Platz eine Stadtbahn entgegen – mit knapp 50 Stundenkilometern, wie sein Anwalt Hans-Peter Ryssel sagt. Es kommt zum Zusammenprall. In der Stadtbahn wird zum Glück niemand verletzt. Anders sieht es im Taxi aus. Zwar werden Chauffeur und der neben ihm sitzende 89 Jahre alte Fahrgast von Airbags geschützt. Doch beide müssen, nachdem die Langenhagener Feuerwehr sie mit schwerem Gerät aus dem Wrack geschnitten haben, verletzt ins Krankenhaus.

Dieser Unfall endete letztlich tödlich. Derzeit ermittelt die Staatsanwaltschaft. Quelle: Feuerwehr (Archiv)

Anwalt: Stadtbahn-Fahrer war zu schnell

Der Taxifahrer kann nach auskurierter Lungenquetschung und Schädelhirntrauma nach drei Wochen aus der Klinik entlassen werden. Sein Fahrgast stirbt indes einige Tage nach dem Unfall. Weil offenbar in dem Krankenhaus „tragischerweise wohl eine Bluttransfusion unterlassen wurde“, meint Anwalt Ryssel. Gleichwohl kann der 89-Jährige vor seinem Tod noch bezeugen, dass der Taxifahrer bei Grün gefahren sei.

Für den Juristen ist neben der angeblich fehlenden Behandlung des Seniors unverständlich, wie der Stadtbahnfahrer mit derartiger Geschwindigkeit in den Bahnhof Langenhagen-Zentrum einfahren kann. Der Verkehrsexperte erinnert in diesem Zusammenhang daran, dass der Schienenverkehr in Kreuzungsbereichen dem abfließenden Straßenverkehr durchaus auch die Chance einräumen müsse, diesen zu verlassen. Dabei zitiert Ryssel auch ein jüngst in Hannover gesprochenes Urteil, dass eben einen Stadtbahn-Fahrer nach einem ähnlich gelagerten Fall auf der Podbielskistraße zu einem Bußgeld verurteilt hatte

Justiz sieht keine Pflichtverletzung des Stadtbahnfahrers

Das Ermittlungsverfahren gegen den Taxifahrer ist noch nicht abgeschlossen, teilt auf Anfrage die Erste Staatsanwältin Kathrin Söfker jetzt mit. Der Ausgang sei zum jetzigen Zeitpunkt völlig offen. Sie rechnet mit einer Entscheidung nicht vor Ende April. Klar ist für die Staatsanwaltschaft Hannover aber, dass es keine Indizien für einen Fehler in der hannoverschen Klinik bei der Behandlung des verletzten Fahrgastes gegeben hat. Zudem seien die Ermittlungen gegen den Stadtbahnfahrer eingestellt, sagt Söfker weiter. „Es gibt keinen Hinweis auf eine Pflichtverletzung.“ Das habe die staatsanwaltliche Auswertung des Fahrtenschreibers zweifelfrei ergeben, betont sie. 

Üstra-Fahrern wird defensives Fahren beigebracht

Das bestätigt auch Üstra-Sprecher Udo Iwannek. Die für den Streckenabschnitt zugelassene Höchstgeschwindigkeit betrage 50 Stundenkilometer. Die Stadtbahn näherte sich seinen Angaben zufolge mit Tempo 46. „Wenn ich Grün habe, muss ich mich doch nicht in die Kreuzung schleichen, weil andere ja ihr Rotlicht missachten könnten“, betont Iwannek. „Als der Fahrer sah, dass ein Auto sich dem Gleisbereich näherte, leitete er circa 20 Meter vor dem Kollisionspunkt eine Gefahrenbremsung ein. Und der Mitarbeiter sei sehr erfahren, seit 38 Jahren bei der Üstra beschäftigt und habe sich wegen des Unfalls nichts vorzuwerfen, betont der Üstra-Sprecher. Und defensives Fahren sei Bestandteil der Ausbildung und werde ständig weiter geschult. Iwannek geht vielmehr davon aus, dass der Taxifahrer einen Fehler gemacht haben dürfte. 

 Für Anwalt Ryssel indes ist klar, dass an der Schaltung der fraglichen Ampel etwas nicht stimmen könne. Er spricht von einem „Fehler im System“. Angesichts der Häufung von Unfällen an dieser Stelle müsse etwas verändert werden, meint der Jurist. Er plant, diese konkrete Ampelsituation auch beim nächsten Verkehrgerichtstag zu thematisieren. 

Für Stadt ist falsche Programmierung ausgeschlossen

Die Langenhagener Stadtverwaltung hatte indes kurz nach dem Unfall betont, dass an dieser Stelle niemals Schienen- und Straßenverkehr gleichzeitig  eine grüne Ampel haben könnten. Die besagte Ampel, wie auch die weiteren im Verlauf der Bothfelder Straße entlang der Stadtbahngleise stehenden Lichtzeichen seien so programmiert, dass das ausgeschlossen werden könne, versicherte seinerzeit Anette Mecke, Leiterin der Langenhagener Abteilung Verkehr und Straße. Zudem müssten Autofahrer beim Passieren der Schienen stets Obacht walten lassen, lässt sich die Verwaltung mit Hinweis auf die Vorschriften und die an den Schienen stehenden „Vorfahrt achten“-Schilder zitieren.

Ungeachtet des schwebenden Ermittlungsverfahrens fährt K. heute wieder Taxi. Und macht sich weiter Vorwürfe. In jeder freien Minute ist er nach eigenen Angaben im Gedanken bei seinem verstorbenen Passagier. Um dessen ehemaliger Lebensgefährtin den Besuch am Grab auf einem Isernhagener Friedhof zu ermöglichen, fährt er die Seniorin auf eigene Kosten regelmäßig dorthin und wieder nach Hause. „Die ganze Situation ist für mich nicht einfach“, sagt der Mann, der bei grüner Ampel gefahren sein will. Wenn er denn einen Fehler an dem Unfalltag gemacht haben sollte, würde er das auch zugeben. „So bin ich erzogen“, betont der 48-Jährige. 

Von Sven Warnecke

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