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Umland Langenhagen Nachrichten Neues Dock sichert Arbeitsplätze bei TUIfly
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19:42 26.10.2011
Wartungsarbeit an Flugzeugen ist meistens Nachtarbeit. Quelle: Frank Wilde
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Langenhagen

Dass jemand eine Flasche guten Sekt am Träger eines riesigen Gestells aus Stahl und Aluminium zerschlägt und dafür auch noch Applaus erhält, kommt nicht häufig vor. Am Mittwoch ist Hans-Peter Reif, Leiter der Instandhaltung in der Flugzeugwerft von TUIfly auf dem Flughafen Hannover, genau dies widerfahren. Seine Mitarbeiter hatten auch allen Grund zum Klatschen: Der Koloss aus Metall sichert ihre Arbeitsplätze. „Was heute passiert, ist ein klares Bekenntnis zum Standort Langenhagen“, sagt Dieter Nirschl, Vorsitzender der Geschäftsführung von TUIfly.

Die Fluggesellschaft unterhält in Langenhagen ihre bundesweit einzige Werft, in der sie ihre Maschinen warten lässt. 24 eigene sowie weitere 14, die an AirBerlin vergeben sind, werden in der riesigen Halle regelmäßig von den 80 Mitarbeitern der Instandhaltung unter die Lupe genommen. Selbstverständlich ist das nicht. „Die Alternative wäre gewesen, die Wartung bei anderen Werften in Auftrag zu geben, etwa auf Malta, wo die Lohnkosten niedriger sind“, sagt Nirschl.

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Jetzt haben sich die Ferienflieger von TUIfly für die Langenhagener Variante entschieden und dort am Flughafen sogar noch mehr vor. Nicht nur die eigenen Maschinen sollen zum Check in die Hallen rollen, sondern auch die anderer Fluggesellschaften. „AirBerlin haben wir schon als Kunden gewonnen, aber wir wollen noch mehr Drittgeschäft akquirieren“, kündigt Hans-Peter Reif an.

Die Pläne hat sich TUIfly schon etwas kosten lassen, die 400 000 Euro nämlich für das neue Dock, das am Mittwoch die Sekttaufe erlebte. In ihm können anders als in den vorhandenen Anlagen nicht nur Flugzeuge vom Typ Boeing 737 versorgt werden, sondern auch der Airbus A320, was den potenziellen Kundenkreis vergrößert.

Beim Dock handelt es sich um zwei je 14 Meter hohe und 20 Tonnen schwere Türme mit Kränen und Auslegern, zwischen die die Flugzeuge rückwärts rollen. Die Türme können dann ganz dicht an die Maschinen herangeschoben werden und dienen den Mitarbeitern im Wesentlichen als Arbeitsbühnen, von denen aus sie an den Maschinen prüfen, schrauben, schmieren und notfalls Teile austauschen oder reparieren. Das gilt für das gesamte Flugzeug mit Ausnahme der Triebwerke. „Die benachbarte MTU, die darauf spezialisiert ist, zählt nicht zu unseren Konkurrenten“, betont TUIfly-Unternehmenssprecher Jens Hillrichs.

Was angesichts der Brisanz des Themas keiner so laut sagt: Die Anfang 2010 verfügte Verlängerung der uneingeschränkten Nachtflugerlaubnis für den Flughafen Hannover um weitere zehn Jahre dürfte bei der Investitionsentscheidung eine mitentscheidende Rolle gespielt haben. „Flugzeuge in der Luft bringen Geld, Flugzeuge am Boden verursachen Kosten“, verdeutlicht Hans-Peter Reif. Die üblichen Wartungsarbeiten müssen deshalb zu den akribisch ausgetüftelten Flugplänen für die Maschinen passen, was bedeutet, dass die meiste Arbeit in der Nacht stattfindet. „Wir sind darauf angewiesen, die Flugzeuge spät reinholen zu können“, sagt Reif. Liberale Nachtflugregelungen wie in Langenhagen passen TUIfly daher ins Konzept, Verschärfungen, wie sie derzeit etwa für den Flughafen Köln/Bonn angestrebt werden, dagegen nicht.

Einmal im Jahr sieht die Sache anders aus. Dann steht für jedes Flugzeug die sogenannte große Instandhaltung an, bei der es mehr oder minder komplett zerlegt, geprüft und wieder zusammengebaut wird. Etwa eine Woche steht es dafür im Hangar. Die 27 Maschinen der TUIfly werden vom 30. Oktober an nach und nach diesem Prozedere unterzogen; insgesamt wird sich die große Instandhaltung bis März hinziehen. Dann beginnt der Osterreiseverkehr, und alle Maschinen sollen in die Luft, Geld verdienen.

Bernd Haase

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