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Umland Langenhagen Nachrichten Reihenhaus für Flüchtlinge Thema im Rat
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06:36 16.03.2015
Von Rebekka Neander
In dem Reihenhaus in Engelbostel sollen bis zu 15 Flüchtlinge unterkommen. Quelle: Symbolbild
Langenhagen

Ein beliebiger Morgen dieser Tage: Doris Lange hat eben zwei Wohnungen besichtigt. Mal wieder. Ist durch Räume geschritten, hat prüfende Blicke geworfen auf Heizung, Fenster und Tapete. Was man eben so tut als potenzieller Mieter. Neben ihr schritt der Eigentümer. Hat erzählt und gezeigt. Man scheint sich einig - bis zu dem Punkt, an dem klar wird, dass in den zwei Köpfen zwei grundunterschiedliche Rechnungen aufgemacht wurden.

„Wenn ich eine Wohnung anschaue, dann prüfe ich die Zimmer darauf, wie viele Menschen in welchem Raum unterkommen können“, wird Doris Lange ein paar Tage später erzählen. Und dabei meint sie jeden Raum. „Ein Wohnzimmer ist dann ebenso ein Wohnraum wie jeder andere auch.“ Und deshalb wird aus der Vermieterrechnung „Drei Zimmer = Eltern mit Kind“ bei Doris Lange eben unter Umständen eine Unterkunft für sechs bis acht Personen. Und deshalb wird unter dem Strich dieser Besichtigungstour vermutlich eine Wohnung stehen, aus der vielleicht etwas wird. Aus der anderen wird nichts. Darüber wird Lange nicht grollen. „Wir akzeptieren, wenn ein Vermieter Bedenken hat.“ Es helfe niemandem, wenn es später Ärger gibt. Wobei Lange um Verständnis wirbt: „Normale Mieter machen auch Lärm.“

Die Wege, die Doris Lange und ihre Kollegen im Allgemeinen Sozialdienst, der Bau- und der Rechtsabteilung bereits zurückgelegt haben, mag sie nicht zählen. Wozu auch? Controller interessiert das nicht. Nur jene sollte es interessieren, die zuweilen mutmaßen, die Stadt prüfe Unterkünfte nicht gut genug. Fünfmal haben Lange und/oder Kollegen jenes umstrittene Reihenhaus in Engelbostel besichtigt, über dessen Kauf der Finanzausschuss am Dienstag beraten wird.

Wer verstehen möchte, warum dieses baulich gut erhaltene Haus so begehrt ist im Rathaus, sollte einen Blick auf die Alternativen werfen. „Wir bekommen nur eine Handvoll Wohnungen überhaupt angeboten. Und die sind oft von einer Qualität, dass - so die Wohnung überhaupt infrage kommt - wir sie dem Wohnungsmarkt kaum wegnehmen“, sagt Sozialdezernentin Monika Gotzes-Karrasch. „Oder wir bekommen Gewerbeobjekte, alte Gaststätten, in die wir enormes Geld stecken müssten für einen Umbau. Und auch dann gäbe es in den meisten Räumen kein Tageslicht oder nicht genügend Toiletten.“ Auch dies wird sie morgen als Gast bei Bedarf dem Ausschuss erläutern.

So gut sich das Reihenhaus aus Sicht der Stadtverwaltung auch eignen mag, der Kauf wird kein Befreiungsschlag: Schon die aktuelle Quote sagt, Langenhagen fehlen für 2015 noch 200 Plätze. Noch fehlt die offizielle Bestätigung der Region, sagt Gotzes-Karrasch: „Aber wir rechnen damit, dass sich die Quote bis zum Sommer deutlich erhöhen wird.“

Der Finanzausschuss beginnt am Dienstag um 17.45 Uhr im Ratssaal, Konrad-Adenauer-Straße.

„Zwei-Klassen-Gesellschaft schafft Unfrieden“

Das Reihenhaus in Engelbostel kaufen, aber nur mit zehn Leuten belegen – so lautet eine Kompromissformel, die in Ratskreisen zur Befriedung des Streites im Ortsrat diskutiert wird. „Das geht nicht“, lautet dazu die klare Ansage von Sozialdezernentin Monika Gotzes-Karrasch. „Wenn wir anfangen, bei den Unterkünften eine Zwei-Klassen-Gesellschaft zu etablieren, schaffen wir Unfrieden: bei den Flüchtlingen und auch bei den Nachbarn.“ Davon habe niemand etwas. „Wir wollen, dass alle zufrieden sind mit den Unterkünften“, sagt Gotzes-Karrasch. Niemand habe etwas davon, wenn es um ein Haus Streit gebe und die Sozialarbeiter der Stadt gezwungen wären, täglich dort einschreiten zu müssen. „Wenn wir anfangen, in einem Haus gezielt weniger Leute unterzubringen, wollen dies danach alle anderen auch.“ Gleichzeitig aber weist Gotzes-Karrasch auf ein Detail hin. „Die Belegungszahl ist eine rechnerische Größe, was in ein Haus theoretisch passt.“ Wenn die Stadt aber rechnerisch Zimmer habe, in die eine Familie mit zwei Kindern passt, aber nur eine Familie mit einem Kind da ist, „dann werden wir die Zimmer dieser Familie sicherlich nicht verwehren“.

Um Müllsünder in die Schranken zu weisen, will Bürgermeister Mirko Heuer zwei neue Stellen schaffen: Sogenannte Parkranger sollen auch ermächtigt werden, Bußgelder anzuordnen - wenn es dafür eine Mehrheit im Rat gibt.

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