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Nachrichten Rentnerin triumphiert über Postbank
Umland Langenhagen Nachrichten Rentnerin triumphiert über Postbank
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19:05 14.04.2009
Von Thorsten Fuchs
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Das hannoversche Amtsgericht hat der Rentnerin Recht gegeben – jetzt muss die Postbank Ilse T. 990 Euro nebst Zinsen sowie die Rechtsanwaltskosten zahlen.

Die Geschichte des Streits beginnt mit dem Besuch einer Mitarbeiterin des Finanzdienstleisters BHW bei Ilse T. im März 2007. Zum zweiten Mal schon war die Vertreterin bei der älteren Dame, die sich nach eigenem Bekunden damals in recht niedergeschlagener Stimmung befand. Nach Zuraten der Mitarbeiterin schloss sie zwei Sparpläne ab: Zehn Jahre lang sollte sie monatlich je 100 Euro in zwei Fonds einzahlen, Kindern und Enkeln sollte das Geld eines Tages zugutekommen.

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Nach elf Monaten jedoch schwand ihr Glaube an den Sinn der Anlage. Sie kündigte – und erhielt nur einen Teil ihres Geldes zurück. In den Verträgen, auf die die Postbank – zu ihr gehört das BHW mittlerweise – sich beruft, findet sich unter dem Punkt Abschlussentgelt der handschriftliche Eintrag „45 Prozent“. In Ilse T.s Durchschrift hingegen ist dieses Feld leer. Sie glaubte, sie bekäme ihr gesamtes eingezahltes Geld zurück – und sollte nun auf 990 Euro verzichten. Das wollte Ilse T. nicht hinnehmen. Sie nahm sich einen Anwalt.

Die Postbank berief sich auf das Kleingedruckte. Ilse T. habe mit ihrer Unterschrift die Vertragsbedingungen auf der Rückseite zur Kenntnis genommen. Für die Rentnerin lag der Fall anders: Als sie die Verträge abschloss, sei von einem Abschlussentgelt nicht die Rede gewesen. Und nur weil nachträglich jemand in die Verträge etwas eingefügt hatte, wollte sie nichts zahlen.

Vor dem Amtsgericht erklärte die Postbank-Mitarbeiterin nun, sie könnte sich an den Vorgang nicht erinnern. Der Amtsrichter schloss sich Ilse T. und ihrem Anwalt Marcus Trott an. Die Einträge mit der Angabe „45 Prozent“ seien offenbar nachträglich eingefügt worden. Die 73-Jährige habe davon ausgehen können, dass zu ihrem Vertrag kein Abschlussentgelt gehörte.

Die Postbank will den Fall nicht kommentieren und erwägt, die nächste Instanz anzurufen. Bei Ilse T. und ihrem Rechtsvertreter herrscht hingegen Freude. „Der Fall zeigt, dass man sich auch von großen Unternehmensnamen nicht einschüchtern lassen muss“, erklärt Anwalt Trott. Ilse T. ist schlicht froh: „Ich kann auf das Geld nicht verzichten.“

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