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Umland Langenhagen Nachrichten Familie sucht neue Wohnung – Wer kann helfen?
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00:17 17.01.2019
Seit einem Jahr wohnt die sechsköpfige Familie Ali Racho in einer Wohnung in Langenhagen, in der es an den Wänden schimmelt. Die Familie ist verzweifelt auf der Suche nach einer neuen Bleibe. Foto: Vater Hassan (35, von links), Aram (6), Roujin (8), Mutter Amina (35) und Salwa (3) Quelle: Julia Polley
Langenhagen

Sie wünschen sich einfach nur eine Wohnung ohne Schimmel. „Das ist das Wichtigste“, sagt Hassan Ali Racho. Seit einem Jahr wohnt er mit seiner Frau und vier Kindern in Räumen, die muffig und feucht sind. Das Wasser kondensiert an den Fenstern. Sie versuchen deshalb verzweifelt eine neue Bleibe zu finden – bisher vergeblich.

Verschimmelte Wände und Kuscheltiere: Die Familie Ali Racho sucht eine neue Wohnung.

In der 70 Quadratmeter großen Wohnung ist fast überall Schimmel an den Wänden zu sehen, teilweise bröckelt der Putz. Nur das Schlafzimmer der Kinder ist noch unversehrt. Vater Hassan hat schon mehrfach mit speziellen Mitteln versucht, das Problem in den Griff zu bekommen – doch die ganze Mauer ist feucht, der Erfolg seiner Streichaktionen ist immer nur von kurzer Dauer. Die Familie kann nur noch zwei der drei Zimmer nutzen. Die Eltern schlafen seit zwei Monaten immer mit Matratzen im Wohnzimmer – die Luft im Schlafzimmer ist zu feucht. Eines der Kinder leidet unter Husten und Atembeschwerden. Der Kinderarzt hat dies bescheinigt und empfiehlt, in schimmelfreien Räumen zu wohnen.

Tochter auf Flucht geboren

2014 ist die Familie aus dem Irak geflüchtet – damals kamen Terroristen in ihren Ort. Ihr gerade neu gebautes Haus konnten sie nicht mehr beziehen, berichtet der Vater. Inzwischen ist es nach seinen Angaben zerstört. Schritt für Schritt hat es die Familie nach Deutschland geschafft. Auf dem Weg ist die jüngste Tochter Salwa (3) geboren. Zunächst lebten sie in verschiedenen Flüchtlingsunterkünften. Dann ergab sich vor einem Jahr die Möglichkeit, dass sie aus den Unterkünften gemeinsam in die Wohnung ziehen könnten, bis sie eine andere Bleibe gefunden haben. Doch soweit ist es bisher nicht gekommen.

Vorwürfe wollen sie aber niemanden machen. Sie sind dankbar für die Hilfe, die sie bei der Suche durch Sozialarbeiter, Nachbarn, Freunde und den jetzigen Vermieter bekommen haben. Trotzdem fragt sich die Familie täglich, warum für sie kein Platz ist. „Deutschland ist eine große Nation, hat aber keinen Platz für vier Kinder“, sagt Hassan Ali Racho.

Deutschland wieder zu verlassen, kommt für sie nicht infrage. Die Kinder fühlen sich wohl und haben Freunde gefunden. Die älteste Tochter Seruer (11) besucht die fünfte Klasse an der IGS, Roujin (8) und Aram (6) gehen in die Hermann-Löns-Schule. Salwa hat seit Kurzem einen Platz in der Elisabeth-Kita und freut sich, endlich Deutsch lernen zu dürfen, so wie die älteren Geschwister es schon können. Mutter Amina (35) engagiert sich Ehrenamtlich in der Kirchengemeinde und lernt ebenso wie ihr Mann fleißig die Sprache. Hassan möchte im Februar die B1-Prüfung ablegen – Voraussetzung, um einen Job zu finden oder eine Ausbildung zu beginnen.

990 Sozialwohnungen in Langenhagen

Nach Angaben von Stadtsprecherin Juliane Stahl gibt es in Langenhagen derzeit 990 Sozialwohnungen, die mit einem Wohnungsberechtigungsschein, umgangssprachlich B-Schein genannt, bezogen werden können. Die Räumlichkeiten sind unterschiedlich groß. „Daher wird sich nur ein Teil aller vorhandenen B-Schein-Wohnungen für eine sechsköpfige Familie eignen“, heißt es von Stahl auf Anfrage weiter. Aktuell stehe keine der Wohnungen frei und es gebe eine Vielzahl von Anträgen auf Anmietung der Räume. Bei der Abteilung Soziales der Stadt könne die Vermittlung einer Sozialwohnung beantragt werden, teilt Stahl mit. Einen B-Schein hat auch die Familie Ali Racho. Sie ist deshalb berechtigt, eine Sozialwohnung zu beziehen.

Nachbarin Caroline von Blanckenburg, die sich auch in der Initiative Offene Gesellschaft Langenhagen engagiert, unterstützt die Familie bei der Suche. „Hassan schickt mir die Wohnungsanzeigen und ich rufe bei den Vermietern an“, sagt sie. „Einmal waren wir nah dran an einer Wohnung – die Familie ist auf dem zweiten Platz gelandet.“ Oftmals sei das Problem, dass die Vermieter nicht mit dem Jobcenter kooperieren wollen. Von dort bekommt die Familie Geld, unter anderem für die Miete.

Familie ist bescheiden

Und muss die Wohnung außer ohne Schimmel noch irgendwas haben? „Vier Zimmer wären toll“, sagt Hassan Ali Racho. Im Moment gibt es keinen Platz für einen Esstisch, gegessen wird auf dem Boden im Wohnzimmer. Ansonsten ist die Familie bescheiden. Die vier Kinder wünschen sich, dass sie sich mit Freunden auch mal zuhause verabreden können. Im Moment geht das nicht. Die Familie würde in ihrer neuen Bleibe auch bei verschiedenen Tätigkeiten, wie zum Beispiel Rasenmähen, Putzen oder Einkaufen, mithelfen. „Das wäre kein Problem“, sagt der 35-jährige Familienvater.

Wer eine Wohnung anbieten kann oder Kontakte zu möglichen Vermietern hat, kann sich bei Caroline von Blanckenburg per E-Mail an info@supervision-hannover-blanckenburg.de melden. Sie koordiniert die weitere Suche.

Gesundheitsgefahren durch Schimmel

Das Umweltbundesamt weist auf seiner Internetseite darauf hin, dass von Schimmelpilzen eine Gesundheitsgefahr ausgehen kann. Die Gesundheit könne beeinträchtigt sein, wenn die Sporen in großer Zahl eingeatmet werden, heißt es dort. „Grundsätzlich sind alle Schimmelpilze in der Lage, allergische Reaktionen wie beim Heuschnupfen auszulösen“, schreibt das Umweltbundesamt. Dazu zählen unter anderem eine laufende Nase, Augenreizungen und Niesen. Wer in einer feuchten und schimmeligen Wohnung lebe, bei dem sei außerdem das Risiko für Atemwegserkrankungen und Atemwegsinfektionen erhöht. Zudem könne eine bereits vorhandene Asthmaerkrankung verstärkt werden.

Weitere Informationen zu Schimmelpilzen und wie Sie ihnen in der Wohnung vorbeugen können finden Sie auf der Internetseite des Umweltbundesamt.

Von Julia Polley

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