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Umland Langenhagen Nachrichten Schulenburg-Nord verschwindet
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06:16 18.03.2012
Von Rebekka Neander
Voraussichtlich noch in diesem Jahr werden alle fünf Gebäude am nördlichen Dorfrand (im Bild rechts) abgerissen. Quelle: Neander
Langenhagen

Dass das abgehängte Dorf keine Zukunft hat, ist seit Jahren klar. Die Flughafengesellschaft will zwischen Nord- und Südbahn langfristig Gewerbe ansiedeln. Nur das Datum für den Abriss fehlte bislang. Im Dezember kündigte der Flughafen – bislang ein geduldiger Vermieter - überraschend allen Bewohnern seiner im Laufe der Jahre übernommenen Häuser.

Nun ist auch der Grund für diese Entscheidung klar: Laut Bebauungsplan müssen die Bewohner des Dorfes vor dem Lärm geschützt werden, der von dem Paketdienstleister TNT-Express zu erwarten sein wird. Das Unternehmen, noch am Rehkamp ansässig, baut derzeit direkt am Dorfrand. Doch je weniger Menschen in Schulenburg-Nord wohnen, desto kürzer darf die Lärmschutzwand sein.

Bis September dieses Jahres müssen alle Mieter ausgezogen sein. Sobald ein Haus leersteht, lässt der Flughafen es abreißen. Vor zwei Wochen fiel ein Haus an der Dorfstraße. Und es wird nicht lange dauern, bis das nächste von Baggern eingerissen wird: Zum 1. März hat Schulenburgs Ortsbürgermeister Dieter Grundey seine gemieteten Gebäude am nördlichen Ende der Dorfstraße besenrein übergeben. Auch die Mieter eines Hauses schräg gegenüber werden zum 1. April ihre Wohnung verlassen.

Wären alle noch existierenden Gebäude in Schulenburg-Nord nach Inbetriebnahme am (geplanten) 4. Oktober noch bewohnt, müsste sich eine Lärmschutzwand von mindestens zehn Metern Höhe auf gut 200 Meter Länge erstrecken. Mit dem Auszug der Bewohner am nördlichen Ende der Dorfstraße wird sich der schutzwürdige Bereich mehr als halbieren. Ob TNT die Wand selbst baut oder dies der Flughafen übernimmt, dazu wollte keines der Unternehmen auf Anfrage Stellung nehmen.

Umziehen wird auch der SPD-Ratsherr Karl-Heinz Dahlke, der sich nach jahrelangen Verhandlungen nun mit dem Flughafen über ein Ersatzgrundstück einigen konnte. Wann Dahlke tatsächlich ausziehen wird, spielt für den TNT-Bau letztlich keine Rolle. Im Rathaus hieß es, bei unterschriebenen Verträgen sei eine Übergangszeit von mehreren Monaten den Bewohnern zuzumuten.

Die Vorgeschichte

Seit etwa zwanzig Jahren kauft die Langenhagener Flughafen-Gesellschaft Grundstücke und Häuser in Schulenburg-Nord auf, um langfristig das Gebiet zwischen der Nord- und der Südbahn als Gewerbefläche auszubauen. Nach einer Offensive Ende der achtziger Jahre wurde dies vom Flughafen zwischenzeitlich mit mäßigem Engagement vorangetrieben.

Vor rund vier Jahren jedoch nahm das Unternehmen einen neuen Anlauf. Mehrere Eigentümer verkauften damals. Übrig blieb ein harter Kern von fünf Privatleuten sowie dem Niedersächsischen Jagdklub, der in der Industrieruine der Ruhrgas AG seine Trainingsstätte aufgebaut hatte. Außer mit dem Ratsherrn Karl-Heinz Dahlke, für den der Flughafen nun ein Grundstück gefunden hat und dort bauen wird, ist das Unternehmen dem Vernehmen nach mit einem weiteren Eigenheimbesitzer handelseinig geworden.

Aller Voraussicht nach werden von dem Dorf nach diesem Sommer nur noch drei Wohnhäuser in Privatbesitz übrig bleiben, zwei davon in direkter Nachbarschaft zu dem Neubau des Paketdienstleisterses TNT. Die übrigen Häuser wird der Flughafen abgerissen haben, sobald die Mieter ausgezogen sind. Man wolle so vermeiden, dass die leerstehenden Häuser Ziel von Randalierer und Wertstoffdieben werden, heißt es beim Flughafen. Tatsächlich wurde aus einem Privathaus vor einigen Monaten deine Förderanlage einer Holzheizung gestohlen. Entdeckt wurde der Diebstahl, als der Käufer der Anlage diese abmontieren wollte.

Die vom Flughafen eingesetzten Abrissunternehmen montieren aus den Abbruchhäusern aus Kostengründen zuvor alle Wertstoffe sortenrein aus. Auch bei dem im Februar abgerissenen Wohnhaus waren die Arbeiter zuvor tagelang damit beschäftigt, Dämmstoffe aller Art herauszunehmen. Fenster und Türen bauten die Arbeiter nach eigenen Angaben immer zuletzt aus, um Unbefugten den Zutritt zu den Häusern zu verwehren. Die Verhandlungen mit den Hauseigentümern, aber auch mit den Landwirten um Ackerland gehen derweil weiter. Alle bislang Betroffenen sprechen dem Flughafen Langenhagen dabei große Hilfsbereitschaft zu. Zum einen übernehme das Unternehmen die Umzugskosten. Zum anderen helfe es, wo gewünscht, bei der Suche nach einer alternativen Unterkunft.

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