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Nachrichten Sledge-Hockey-Spieler laden den Rat ein
Umland Langenhagen Nachrichten Sledge-Hockey-Spieler laden den Rat ein
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00:15 25.08.2017
Von Rebekka Neander
National-Torhüter Simon Kunst (am Mikro) appelliert mit Mannschafts-Kameraden an den Rat, sich für den Erhalt der Eishalle einzusetzen. Für den Behindertensport sei die Halle in Norddeutschland nicht zu ersetzen. Quelle: Neander
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Langenhagen

"Kommen Sie doch einmal in die Halle, setzen sich in einen unserer Schlitten und probieren Sie aus, wie es ist, Eishockey ohne Beine zu spielen." Ob eines der 38 anwesenden Ratsmitglieder die Einladung des National-Torhüters Simon Kunst annehmen wird, blieb am Montagabend im Ratssaal offen. Denn öffentlich antworten wollte auf den Vorstoß des Langenhagener Sledge-Hockey-Spielers keiner der Politiker. Lediglich Bürgermeister Mirko Heuer reagierte auf Kunsts Appell an Politik und Verwaltung, sich für den Erhalt der finanziell in Schieflage geratenen Eishalle einzusetzen.

"Schön, dass Sie das Thema hier anreißen", entgegnete Heuer. Seit Februar führe die Stadt Diskussionen mit den aktuellen Betreibern der Eishalle. "Das System ist in Schieflage geraten", berichtete der Bürgermeister. Zu den zwei vorliegenden neuen Angeboten zum Betrieb der Eishalle versuche die Stadt derzeit "belastbares Zahlenmaterial" zu erhalten, was sich allerdings schwierig gestalte. Auch die neuen Angebote enthielten "Haken und Ösen".

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Für die Sitzung des Finanzausschusses am Dienstag, 19. September, werde die Stadt einen Verwaltungsvorschlag ausarbeiten. Die Politik müsse dann entscheiden, ob sie weiterhin Geld für die Eishalle ausgeben möchte. Mehr könne er dazu nicht sagen. Derzeit zahlt die Stadt 120.000 Euro jährlich als Betriebskostenzuschuss für den öffentlichen Lauf. Im Gegenzug erhielt sie laut Pachtvertrag 60.000 Euro pro Jahr. Diesen Vertrag hat die Stadt nun gekündigt, die derzeitigen Betreiber haben dagegen Widerspruch eingelegt. Sollte die Halle mit einem neuen Betreiber weitergeführt werden, kämen auf die Stadt rund 1,45 Millionen Euro an Investitionen zu, um die bereits vor Jahren festgestellten baulichen Mängel in Etappen abzuarbeiten. 

Kunst und seinen Mannschaftskollegen sind diese Mängel ebenfalls seit Jahren bekannt. Die Sportler gehörten von Anbeginn zu den Nutzern der Halle, die als einzige in Norddeutschland den internationalen Anforderungen für Para-Eishockey entspricht. Sie ist deshalb auch Para-Olympischer Trainingsstützung der Nationalmannschaft. Sollte sich das Nationalteam nun auf die bevorstehenden Turniere nicht in Langenhagen vorbereiten können, seien im Notfall zwar auch andernorts Eiszeiten zu organisieren, sagte Kunst auf Nachfrage. "Aber - mal abgesehen von den immensen Fahrtzeiten für uns - sind keine dieser Hallen auch bis in die Umkleiden oder die Toiletten für uns barrierefrei." Für die Ice Lions Langenhagen, die "derzeit beste Para-Hockey-Mannschaft in Deutschland", wäre das Ende der Halle der sportliche "Genickschuss".

Antje Bismark 24.08.2017
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