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Nachrichten Stadtbahn und Auto haben nie beide grün
Umland Langenhagen Nachrichten Stadtbahn und Auto haben nie beide grün
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00:16 10.07.2017
Von Sven Warnecke
Auch im theoretischen Fall einer grünen Ampel gilt das Schild "Vorfahrt achten"  zu beachten. Quelle: Sven Warnecke
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Langenhagen

Die polizeilichen Ermittlungen hatten ergeben, dass der 47 Jahre alte Taxifahrer am Montag vor zwei Wochen beim Abbiegen von der Bothfelder Straße auf die Schützenstraße die für ihn geltende rote Ampel wohl missachtet hatte, hieß es von der Polizei Hannover. Es kam zu dem folgenschweren Zusammenstoß, eine Woche später starb der 88 Jahre alte Taxifahrgast an den Folgen seiner schweren Verletzungen.

„Es kann auch nicht sein, dass der Ampelpfeil grün zeigt und parallel die Stadtbahn freie Fahrt hat“, betont nun bei einem Ortstermin Anette Mecke, Leiterin der Langenhagener Abteilung Verkehr und Straße, im Gespräch mit dieser Zeitung. Anderslautende Vermutungen seien falsch. Diese Ampel, wie auch die weiteren im Verlauf der Bothfelder Straße entlang der Stadtbahngleise stehenden Lichtzeichen seien so programmiert, dass das ausgeschlossen werden könne, versichert Mecke.

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Gleichwohl sollten Autofahrer beim passieren der Schienen Obacht walten lassen, ergänzt Meckes Kollege Sebastian Hoffmeister aus der Abteilung Sicherheit, Ordnung und Umwelt. „Dazu ist auch jeder Verkehrsteilnehmer verpflichtet“, erinnert er an die Vorschriften und verweist dabei auch an die an den Schienen stehenden „Vorfahrt achten“-Schilder.

Meckes Angaben zufolge habe die Stadt mit der Übernahme der Ampeln im Jahr 2014 diese in Abstimmung mit der Üstra sukzessive umgebaut – und so auch etwa für Fußgänger sicherer gemacht. Dort werden Passanten nun mit einer sogenannten Doppelrot-Ampel und einer akustischen Signalanlage vor herannahenden Stadtbahnen gewarnt. Zudem sei für den abbiegenden Straßenverkehr die Gelbphase der Ampeln so ausgelegt, dass es eigentlich nicht zu einer Kollision mit dem Schienenverkehr kommen könne, betont Mecke. Bei einem Rotlichtverstoß infolge menschlichen Versagens indes trage der Fahrer und nicht die Stadt die Verantwortung.

Etwas derartiges kann Üstra-Sprecher Udo Iwannek für seine Stadtbahn-Fahrer zwar nicht in Gänze ausschließen. „Doch defensives Fahren ist Bestandteil der Ausbildung und wird ständig weiter geschult“, betont er auf Anfrage.

Dem möglichen Einbau einer Zwangsbremse – der sogenannten Zugsicherung – im oberirdischen Schienenverkehr erteilt Iwannek angesichts der immensen Investitionskosten aber eine Absage. Denn dort sei sein Unternehmen auf etwa 200 Kilometern Schienennetz unterwegs. Ein derartiges oberirdisches System gibt es Iwanneks Angaben zufolge nirgendwo in Deutschland.

Lediglich auf den circa 20 Kilometer umfassenden unterirdischen Tunnelabschnitten werde diese Technik von der Üstra verwendet. Denn anders als auf dem oberirdischen Schienennetz könnten seine Kollegen unter der Erde nicht auf Sicht fahren und müssten sich allein auf die Lichtsignale verlassen. Wenn im Tunnel dann etwa ein Stoppsignal überfahren werden sollte, wird der Zug zwangsgebremst, berichtet der Üstra-Sprecher. „Und das System funktioniert blendend.“

Fotostrecke Langenhagen: Stadtbahn und Auto haben nie beide grün
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