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Umland Langenhagen Nachrichten Stadt muss bei Inklusion ins Blaue planen
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11:18 25.03.2013
Von Antje Bismark
Peter Kleinsorge ist Leiter der Stabsstelle Inklusion und Schulraumplanung. Quelle: Frank Oheim
Langenhagen

„Uns fehlen ganz klar die Ausführungsbestimmungen“, sagt Peter Kleinsorge, Leiter der Stabsstelle Inklusion und Schulraumplanung. Zwar habe Deutschland die UN-Konvention zur Inklusion unterzeichnet und Niedersachsen seinen Willen bekundet, aber: „Noch gibt es keine konkreten Festlegungen zur Klassengröße“, sagt Kleinsorge. Das bedeute für die Kommunen, dass sie das Schuljahr 2013/14 nicht richtig vorbereiten könnten.

314 Jungen und Mädchen aus der Flughafenstadt hatten im vergangenen Schuljahr einen besonderen Förderbedarf, der diagnostiziert sei. „Sie lernen häufig in Förderschulen, die sich in der Trägerschaft der Region befinden.“ Kontakt zu den Familien könne die Verwaltung nicht aufnehmen: Aus Datenschutzgründen gibt die Region deren Adressen nicht heraus. Sie hat in einem Brief die Eltern aller Schulen aufgefordert, sich bei den jeweiligen Kommunen zu melden. „Das läuft langsam an“, sagt Kleinsorge.

Ungeklärt aber sei nach wie vor, wie sich ein Inklusionskind auf die Klassenstärke auswirke. Gelte der Grundsatz, dass für einen Förderschüler zwei Plätze pro Klasse berechnet würden, dann müsste Langenhagen - wenn jedes Kind in eine Regelschule wechseln würde - zusätzliche 314 Plätze, also mindestens zwölf Klassen, schaffen. „Das wird aber sicherlich nicht eintreten“, sagt der Fachmann. Er hofft, dass die Familien möglichst frühzeitig ihre Wünsche bekannt geben. „Zurzeit können wir nur reagieren, möchten aber gern aktiv den Prozess gestalten“, sagt Kleinsorge. Dafür gebe es in der Verwaltung eine Projektgruppe, der alle Dezernenten und beteiligten Kollegen angehören. Dabei gehe es um Baurechte und Kosten ebenso wie um den Übergang von der Kindertagesstätte oder Grundschule sowie den Förderbedarf.

Mit der Inklusion beschäftigt sich auch das Stadtgespräch am Donnerstag, 14. Februar, ab 18.30 Uhr im Rathaus. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Peter Kleinsorge beantwortet die Fragen von Familien unter Telefon (0511) 73079705 sowie nach einer E-Mail an inklusion@langenhagen.de.

Interview: Inklusion steht noch am Anfang

Alle Fäden rund um die Inklusion laufen in Langenhagen bei Peter Kleinsorge zusammen. Seit mehr als einem halben Jahr ist er verantwortlich für die Stabsstelle Inklusion im Rathaus. Über Erreichtes und bevorstehende Aufgaben sprach er mit NHZ-Redakteurin Antje Bismark.

Wenn Sie die Umsetzung der Inklusion als Marathonstrecke sehen: An welchem Punkt befindet sich Langenhagen?

Noch auf dem ersten Kilometer. Denn ich glaube, dass der Prozess Inklusion mindestens eine Generation braucht. Viele Menschen sehen zurzeit nur, dass Kinder mit einem Förderbedarf künftig in Regelschulen lernen sollen. Doch Inklusion geht viel weiter, alles, was mit Ausgrenzung (Separation) zu tun hat – alte Menschen, Behinderung, Migration, Religion ... Das ist noch längst nicht in den Köpfen aller angekommen.

Wo wird sich denn Inklusion in Zukunft wiederfinden?

In allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens. In Vereinen und Verbänden ebenso wie in der Kita, Schule oder Arbeitswelt. Dabei bin ich positiv überrascht, wie offen beispielsweise Vereine mit dem Thema umgehen. Sie pflegen und leben den unbefangenen Umgang mit Menschen mit Behinderung. Und oft stelle ich fest, dass die Vorstände gedanklich weiter als die Mitglieder sind. Sie haben häufig noch Vorbehalte.

Wie können die Verantwortlichen diesen Vorurteilen denn begegnen?

Das geht nur über positive Beispiele. Wenn Inklusion gelebt wird, dann gehört sie bald zur Normalität. Heute überlegen viele noch, ob und wie Inklusion sie und ihre Familien einschränkt. Ob beispielsweise das gemeinsame Lernen von Behinderten und Nichtbehinderten zu einer schlechteren Bildung führt. In der jetzigen Phase sprechen sie das nicht offen an, aber unterschwellig finden wir diese Bedenken vor.

Geht Langenhagen da mit gutem Beispiel voran?

Der von der Langenhagener Ratsmehrheit verabschiedete Aktionsplan ist ein Zeichen dafür, dass Rat und Verwaltung etwas machen möchten. Dazu gehört auch die Einrichtung der Stabsstelle, mit der wir einige Maßnahmen umsetzen konnten. Natürlich würden wir den Prozess gern beschleunigen – zumal wir nicht überall bei null anfangen. Einige Schulen haben ja durchaus schon inklusiv beschult. Und nicht immer hängt die Inklusion am Geld: Mit viel gutem Willen lässt sich manchmal mehr erreichen als mit einer Rollstuhlrampe.

Was wünschen Sie sich für das Stadtgespräch?

Dass wir mit der Meinungsbildung vorankommen. Dass die Zuhörer erkennen, dass Inklusion alle betrifft und sich viele Gruppen einbringen. Dass Interessierte kommen, deren Kinder vielleicht einmal neben einem Inklusionsschüler sitzen. Und dass wir eine offene Debatte in der Stadt führen können.

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