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Langenhagen Rat genehmigt Zuschuss: Verein Febel darf Kinder im Wald betreuen
Umland Langenhagen

Rat Langenhagen genehmigt Zuschuss: Verein Febel darf Kinder im Wald betreuen

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17:27 11.09.2019
Im Matsch toben ausdrücklich erlaubt: Dreckige Kleidung bleibt im Wald nicht aus. Quelle: Gerko Naumann (Archiv)
Kaltenweide

Die Freie Evangelische Bildungs- und Erziehungseinrichtungen Langenhagen – kurz Febel – kann einen Kindergarten in Kaltenweide im Wald errichten. Dafür wurde dem Verein, der bereits fünf Kinderbetreuungseinrichtungen in Langenhagen betreibt, von den Niedersächsischen Landesforsten im Kananoher Forst auch bereits ein entsprechendes Grundstück in Aussicht gestellt, berichtet die Leiterin der Febel-Kita, Waltraud Dachwitz.

Nach einigem Ringen hat sich nun der Rat der Stadt Langenhagen in jüngster Sitzung mehrheitlich darauf verständigt, dem Verein für den geplanten Waldkindergarten mit Platz für 15 Kinder einen Betriebskostenzuschuss in Höhe von jährlich 80.000 Euro zu genehmigen. Die Laufzeit des Vertrages ist zunächst auf zehn Jahre festgeschrieben. Doch der Entscheid des Rates wurde nicht ohne vorangegangene Diskussion getroffen. Die Stadt beteiligt sich auch an den Anschaffungskosten für den Waldkindergarten-Wagen sowie die Herrichtung des Platzes in Höhe von etwa 75.000 Euro. Die Region Hannover bezuschusst das Projekt mit 30 Prozent der Investitionskosten, maximal aber mit 25.000 Euro.

BBL warnt vor der Gefahr von Zeckenbissen

Vor dem Entscheid im Rat kritisierte Grünen-Fraktionschef Dirk Musfeldt die seiner Meinung nach fundamentalistische Ausrichtung des Trägervereins und sprach von einer „klerikalen Bewegung“. BBL-Fraktionschef Jens Mommsen hat indes große Sorge wegen der seiner Ansicht nach im Wald lauernden Gefahren, etwa vor der von Zecken übertragenen Borreliose. Er sprach von Verantwortung der Politiker und meinte: „Dieses Projekt, das müssen die Eltern wissen, ist gefährlich.“

Die CDU-Parteivorsitzende Jessica Golatka wies indes in einem emotionalen Beitrag darauf hin, dass die Politik nicht in die Wahlfreiheit der Eltern eingreifen dürfe. Und sie berichtete davon, dass es ausdrücklicher Elternwunsch sei, in Kaltenweide einen Waldkindergarten einzurichten. Das bestätigten auch drei Eltern in der Sitzung. Sie appellierten an die Vertreter im Rat, nun endlich dem Antrag auf einen Betriebskostenzuschuss zuzustimmen. Denn die so entstehenden Plätze würden dringend gebraucht, machten sie an eigenen Beispielen deutlich. Golatka sprach von etwa 40 Kindern, die nach den Prognosen zum nächsten Stichtag keinen Kita-Platz in Langenhagen bekommen könnten. Deshalb sei das Angebot von Febel höchst willkommen.

CDU-Fraktionschef Reinhard Grabowsky sprang seiner Parteifreundin bei und erinnerte mit Blick auf die immer wieder in den politischen Gremien verschobene Entscheidung an die bereits vor zwölf Jahren geführte Debatte, Febel seinerzeit den Betrieb einer Kita – der Arche – in Kaltenweide zu ermöglichen. Er warnte nun davor, erneut in die „Ideologie von einst zu verfallen“. Denn das Verwaltungsgericht hatte seinerzeit zugunsten von Febel entschieden, in der Folge musste sich die damalige rot-grüne Mehrheit im Langenhagener Rat dem Urteil beugen.

15 Kinder finden künftig Betreuungsplatz im Wald

In dieser Art Unterkunft werden sich Kinder und Erzieher im Waldkindergarten treffen. Quelle: Gerko Naumann (Archiv)

In dem Waldkindergarten sollen künftig 15 Kinder betreut werden. Und die Nachfrage nach einem Platz ist offenbar groß, viele Eltern sind vom waldpädagogischen Konzept überzeugt, berichtet Febel-Geschäftsführer Christoph Schließke. Ein vergleichbares Angebot gibt es bereits in der Wedemark, in Barsinghausen und in Hannover. Schließke freut sich, dass sich letztlich eine große Mehrheit für das Febel-Angebot ausgesprochen habe. „Jetzt warten wir auf die Baugenehmigung, die Voraussetzung für die Betriebserlaubnis ist.“ Doch das sei nur noch formal, eine mündliche Zusage habe es bereits gegeben.

Der Plan von Febel sieht vor, im Kananoher Forst einen Waldkindergarten-Wagen aufzustellen – natürlich mit Strom und Heizung, sagt Schließke. Ein Großteil der vorbereitenden Arbeiten sei bereits erledigt. Aus diesem Grund ist er optimistisch, noch in diesem Herbst die Kita zu eröffnen. Dann werden seinen Angaben zufolge gut 110 Kinder in sechs Gruppen in den Febel-Einrichtungen betreut – der Verein beschäftigt inzwischen in Kaltenweide 38 Mitarbeiter.

Das waldpädagogische Konzept von Febel

Der Verein Febel hat am 14. März 2019 den Antrag gestellt, einen in Langenhagen bislang nicht vorhandenen Waldkindergarten in Zusammenarbeit mit engagierten Eltern anzubieten. Dieser soll maximal 15 Betreuungsplätzen bieten. Ursprünglich war das ab August geplant, musste aber wegen fehlender politischer Zustimmung zunächst verschoben werden.

Das spezifische Profil soll die Verbindung von Naturpädagogik und religionspädagogischem Ansatz sein, heißt es vom Verein. Die Kinder sollen die Möglichkeit bekommen, in einer geschützten Umgebung und in enger Verbindung mit der Natur aufzuwachsen. Mit von der Partie sind auch die Förster der Landesforsten, heißt es dazu von Febel-Geschäftsführer Christoph Schließke. Es gehe darum, dass die Kinder lernen, sozial verantwortlich zu handeln, Regeln einzuhalten sowie sorgsam mit Pflanzen und Tieren umzugehen.

In dem Febel-Antrag heißt es dazu weiter, dass „die Bewegung im Wald bei nahezu jedem Wetter die körperliche Entwicklung fördere und die Abwehrkräfte der Kinder stärke. Dort sollen, wie auch in anderen Gruppen, die Grundlagen des christlichen Glaubens sowie der Werte vermittelt werden, sie sollen das Feiern des Kirchenjahres und das Erzählen von biblischen Geschichten kennenlernen.“

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