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Langenhagen Schornsteinfegerschule zieht von Langenhagen nach Hannover
Umland Langenhagen

Schornsteinfegerschule zieht von Langenhagen nach Hannover

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00:19 26.06.2019
Niedersachsens Schornsteinfeger werden künftig in Hannover ausgebildet – und nicht mehr in Langenhagen. Quelle: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-tmn
Langenhagen

Die Entscheidung ist gefallen: Die Schornsteinfegerschule Niedersachsen verlässt Langenhagen nun doch. Die Schule hat ein Grundstück im Wissenschaftspark an der Holleriethallee in Marienwerder erworben und gleichzeitig die Immobilie an der Konrad-Adenauer-Straße verkauft. Somit sind die Planungen für die 22.000 Quadratmeter große Fläche an der Vinnhorster Straße in Godshorn vom Tisch. Die Langenhagener Stadtverwaltung reagierte frustriert auf den Entschluss.

Stadt ist enttäuscht über Wegzug der Schornsteinfegerschule

„Die plötzliche Entscheidung der Schornsteinfegerschule halte ich für unfair“, sagte Stadtbaurat Carsten Hettwer am Sonnabend auf Anfrage enttäuscht. Schließlich habe es trotz einiger Zweifel eine breite Zustimmung in der Langenhagener Politik gegeben – von der daraus resultierenden Arbeit der Stadtverwaltung ganz zu schweigen. Nicht minder geknickt zeigte sich auch Bürgermeister Mirko Heuer: „Die Entscheidung der Schulleitung, aus Langenhagen wegzugehen, hat uns sehr überrascht.“ Die Nachricht sei erst vergangene Woche gekommen – und ganz ohne Vorwarnung.

Das Gebäude der Schornsteinfegerschule Niedersachen an der Konrad-Adenauer-Straße ist verkauft. Quelle: Katerina Jarolim-Vormeier

Mit dem Aufstellungsbeschluss zum Bebauungsplan Nummer 447 „Westlich Vinnhorster Straße“ wurde Ende Februar die Möglichkeit geschaffen, die Schornsteinfegerschule an diesem Standort in Godshorn anzusiedeln – und eine große politische Mehrheit war für den Umzug auf die Fläche.

Interessante Weiterentwicklung für die Stadt

Das Grundstück an der Ecke Langenhagener und Vinnhorster Straße hat die Stadt der Schornsteinfegerschule angeboten. Die Schule entscheidet sich für eine Fläche in Marienwerder. Quelle: Katerina Jarolim-Vormeier

„Das wäre eine interessante Weiterentwicklung für die Stadt gewesen“, sagte der Bürgermeister. Mit der Schornsteinfegerschule Niedersachsen, der Gesellschaft für Bildung und Forschung im Schornsteinfegerhandwerk, der Prüfstandsgesellschaft sowie der Schornsteinfegerinnung Hannover und zudem dem Institut für Gebäudelüftung hätte sich dort ein Verbund angesiedelt, der mit weitem Abstand größte branchenspezifische Anbieter im norddeutschen Raum und eine der vier größten Einrichtungen bundesweit, berichtete der Verwaltungschef weiter über die Möglichkeiten an der Vinnhorster Straße.

Diesen Entwurf haben Architekten für die ursprünglich an der Vinnhorster Straße geplanten Neubau der Schornsteinfeger Schule gefertigt. Quelle: Stadt Langenhagen

 

Und es wäre dort ein Bildungs- und Innovationszentrum im Schornsteinfegerhandwerk (BIS) mit einer stattlichen Zahl an Arbeitsplätzen entstanden. „Für mich ist es definitiv eine Enttäuschung“, sagte Heuer. Dazu zählt auch der plötzliche Verkauf des jetzigen Areals an der Konrad-Adenauer-Straße, für das auch die Stadt Interesse angemeldet hatte. „Denn dafür hatten wir bereits gute Ideen zur Nachnutzung entwickelt“, sagte Heuer.

Schulbau soll im Frühjahr beginnen

Mit dem Neubau in Hannover soll im Frühjahr 2020 begonnen werden. Der Umzug ist dann für zwei bis drei Jahre später geplant. Das auserkorene Areal liegt südlich der Autobahn 2 an der Abfahrt Herrenhausen und ist 15.000 Quadratmeter groß. Dort gibt es auch einen Stadtbahn-Anschluss vor der Tür. „Unsere Schüler kommen aus ganz Niedersachsen, Bremen und Hamburg und müssen die Schule gut erreichen“, sagte Landesinnungsmeister Stephan Langer am Rande der Meisterfeier am Freitagnachmittag – und nannte damit einen Grund für die ins Auge gefasste Fläche in Hannover. Einige der jungen Frauen und Männer seien noch unter 18 Jahren und somit auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. Allerdings: Auch Langenhagen bietet sowohl am jetzigen Standort als auch an der Vinnhorster Straße eine gute Anbindung an Stadtbahn und S-Bahn.

Entwürfe der neuen Schule werden am 12. September präsentiert

Am 12. September sollen die Pläne des Architekturwettbewerbs präsentiert werden. Insgesamt fünf Planungsbüros haben sich an der Ausschreibung beteiligt. Eine Jury entscheidet über den favorisierten Entwurf. „Wir gehen davon aus, dass ein Entwurf dabei sein wird, der uns gefällt“, sagte der Landesinnungsmeister. Wenn nicht, würde sich das Verfahren verzögern.

Sollte ein Konzept überzeugen, geht Langer davon aus, dass gleich ein Bauantrag gestellt werden wird. Er geht von einer Genehmigungsphase von drei bis sechs Monaten und rechnet daher mit dem Baubeginn im Frühjahr des nächsten Jahres.

Innung will 18 Millionen Euro in Neubau investieren

Grund für den Umzug ist das in die Jahre gekommene Domizil an der Konrad-Adenauer-Straße. 1967 sei mit dem Bau begonnen worden, berichtete Heinrich Brand, Vize-Landesinnungsmeister nun am Rande der diesjährigen Meisterfeier. Fünf Jahre später waren die ersten Schornsteinfegerschüler in das Internat eingezogen. Mittlerweile sind die Zimmer wie auch die sanitären Anlagen, nicht mehr zeitgemäß. Die jungen Leute logieren aktuell zu dritt in einem Doppelzimmer. „Das ist auf Dauer kein Zustand“, sagte Brand.

Deshalb plant der Landesinnungsverband ein Bildungszentrum mit Unterbringungsmöglichkeit von 160 Schülern – und das in 80 Doppelzimmern. Bisher haben 120 Auszubildende Platz an der Konrad-Adenauer-Straße Platz. Die Schornsteinfeger-Verband will rund 18 Millionen in den Neubau investieren.

40 neue Schornsteinfeger-Meister präsentieren sich auf der Treppe der Schule mit Vize-Landesinnungsmeister Heinrich Brand (Fünfter von links, erste Reihe), Vizepräsidentin der Handwerkskammer Stephanie Wlodarski, Kultusminister Grant Hendrik Tonne und Ladesinnungsmeister Stephan Langer. Quelle: Katerina Jarolim-Vormeier

Schornsteinfeger feiern 40 Meister

Matthias Trappe und Luca Tilch zeigen stolz ihre Urkunden und lachen. Beide gehören zu insgesamt 40 frischgebackene Schornsteinfegermeistern, die ihre Prüfungen erfolgreich bestanden haben. Am Freitagnachmittag überreichten Kultusminister Grant Hendrik Tonne, Stephanie Wlodarski, Vizepräsidentin der Handwerkskammer Hannover und Landesinnungsmeister Stephan Langer den Jungmeistern ihre Briefe. Die Absolventen kamen aus Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Sachsen-Anhalt, Hamburg, Bremen und Thüringen.

Der 23-jährige Luca Tilch aus Heinbockel bei Stade hat in dritter Generation die Meisterprüfung bestanden. Bereits sein Vater und Großvater hatten dann die Möglichkeit junge Leute auszubilden und sich selbstständig zu machen. „Bevor ich mich selbständig mache, will ich noch Erfahrungen sammeln und mich weiter qualifizieren“, sagte Tilch, der noch sechs bis sieben Jahre bis zur Selbstständigkeit warten will.

Auch der 34-jährige Matthias Trappe möchte den Schritt in die Selbständigkeit nicht gleich gehen. Der Meister aus Altwarmbüchen zieht es vor, in seiner Firma noch mehr Fertigkeiten und Geschick zu lernen.

Vorab warb Kultusminister Grant Hendrik Tonne für das Handwerk, das Berufschancen ermögliche. „Meister ist der Schlüssel für die Betriebsnachfolge.“ Das Handwerk müsse Signale an Schüler senden, damit sich die jungen Schulabgänger für einen handwerklichen Beruf interessieren. Der Kultusminister sprach sich in seiner Rede auch für die Digitalisierung aus. „Der neumodische Kram ist alternativlos“, sagte er. Als Gastgeschenk überreichte ihm der Landesinnungsmeister Stephan Langer einen Zylinderhut, die typische Kopfbekleidung des „schwarzen Mannes“, der noch heute zumindest Geselle sein muss.

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Von Katerina Jarolim-Vormeier und Sven Warnecke

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