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Langenhagen Arbeitsverträge der GMF stehen im Fokus
Umland Langenhagen Arbeitsverträge der GMF stehen im Fokus
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15:19 26.09.2018
Sind die Arbeitsverträge der Wasserwelt-Betreibergesellschaft rechtlich sauber? Quelle: Sven Warnecke
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Langenhagen

Grünen-Fraktionschef Dirk Musfeldt hat in Langenhagen ein Thema auf das politische Tableau gehoben, dass es in sich haben könnte: Es geht um die arbeitsrechtlichen Bedingungen für die Mitarbeiter in der Wasserwelt. Ihm sei ein Arbeitsvertrag zugespielt worden, der „rechtswidrig erscheint“, berichtete Musfeldt in einer Sitzung des Betriebsausschusses Bad. Und mehr noch: „Das ist nicht Stil der Stadt“, monierte der Grünen-Fraktionschef und fordert sogleich Verbesserungen.

Angesichts dieser Kritik an der Betreibergesellschaft des städtischen Bades, der GMF – also der Gesellschaft für Entwicklung und Management von Freizeitsystem -, forderte etwa auch der SPD-Ratsherr Marco Brunotte das Geschäftsgebahren auf die Tagesordnung der Langenhagener Politik zu heben. Zudem mahnte er Details an. Bevor das die Justiz tue, warnte der Sozialdemokrat.

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Sind die Arbeitsverträge der Wasserwelt-Betreibergesellschaft rechtlich sauber? Quelle: Sven Warnecke

Die GMF steht nach eigenen Angaben als „modernes Dienstleistungsunternehmen“ für das Management von diversen Bädern, Thermen, Hotel-, Spa-, Wellness-, Fitness- und Sportanlagen mit circa 600 Mitarbeitern. Die Firma zeichnet für mehr als 70 Millionen Euro Umsatz verantwortlich.

Brunotte ging aber noch weiter: Angesichts des allgemeinen Fachkräftemangels sei das Geschäftsgebaren der GMF für ihn in keinster Weise ein „Instrument für eine Mitarbeiterfindung“. Nach einer erster Sichtung der von Musfeldt präsentieren Vordrucke der Arbeitsverträge sei das für ihn „arbeitsrechtlich angreifbar“.

Genau das werten Juristen auf Anfrage dieser Zeitung auch so – oder ähnlich. Bei den von der GMF offerierten Arbeitsverträgen könnte es sich rechtlich wohl um sogenannte Umgehungsverträge handeln. Auch wenn das wohl immer auf den Einzelfall ankommt: „Auf jeden Fall handelt es sich um Arbeitnehmer. Gleichwohl hat sich das Unternehmen etwa mit der Variante ,Geringfügigkeitsgrenze’ ein Türchen offen gelassen“, mutmaßt ein Arbeitsrechtler. Der Experte vermutet, dass die potentiellen Interessenten meist Rentner sein dürften, die dann das Einkommen als Zusatz erhielten.

Wie Wasserwelt-Betriebsleiterin Heike Ebersbach betonte, sei diese Verfahrensweise bei den Arbeitsverträgen ihres Unternehmens durchaus Gang und Gäbe. Zunächst bis zur „Bewährung“, danach gingen diese in feste Verträge über.

Diese Aussagen wollte die Langenhagener Kommunalpolitik so nicht stehen lassen, zumal auch der kommunale Betriebsleiter des Bades, der Langenhagener Stadtbaurat Carsten Hettwer, nach eigenen Angaben von dieser Praxis keine Kenntnis habe, wie er die Ausschussmitglieder wissen ließ.

Die nächste Sitzung des Betriebsausschusses Bad beginnt am Donnerstag, 27. September, um 17.45 Uhr im Ratssaal des Ratshauses, Marktplatz 1.Dabei gibt es neben einem Bericht der Betriebsführung inklusive Besucherzahlen auch einen über die Wirtschaftlichkeit – und eben über „aktuelle Gegebenheiten“, wie es in der Ankündigung heißt. Ob es dabei um die umstrittenen Arbeitsverträge der GMF geht, steht nicht fest. Dirk Musfeldt betont aber, dass das Thema zur Sprache gebracht werden soll. Vielleicht auch unter dem Punkt „Anfragen und Mitteilungen“.

Von Sven Warnecke