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Lehrte Verhagelte Ernte: Lehrtes Äpfel haben nicht nur Sonnenbrand
Umland Lehrte

Bauer Nöhre beklagt verhagelte Apfelernte

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18:15 13.08.2019
Dellen und rote Verfärbungen: Landwirt Harm Nöhre zeigt einen Apfel mit typischen Hagelschäden. Quelle: Katja Eggers
Lehrte

Wenn Landwirt Harm Nöhre in diesen Tagen seine 1,3 Hektar große Plantage mit den rund 4500 Apfelbäumen abschreitet, sind für ihn die Schäden des jüngsten Unwetters mehr als deutlich. Der Hagel hat auf etlichen Äpfeln Dellen und rote Verfärbungen hinterlassen. Bei manchen Äpfeln ist die Schale sogar so verletzt, dass dort Pilze und Fäulniserreger eindringen können.

„Die Hagelkörner waren zwar nicht so groß wie 2013, aber dafür gab es viele kleine Körner“, erklärt Nöhre. Für den Verzehr seien die roten Stellen eigentlich kein Problem. Die Äpfel könne man problemlos essen. „Das ist nur ein optisches Problem – so wie ein Lackschaden beim Auto“, erläutert Nöhre. Die Kunden würden die verfärbten Äpfel jedoch in der Regel ungern kaufen. „Die meisten Verbraucher möchten vor allem schöne, äußerlich perfekte Äpfel – da würde ich mir in Zeiten von Diskussionen über Lebensmittelverschwendung mehr Toleranz erhoffen“, betont der Bauer.

Äpfel mit roten Stellen zum Vorzugspreis

Nöhre hat jüngst mit der Ernte der Frühäpfel begonnen und pflückt derzeit die Sorte Delbar von den Bäumen. Delbar punkte mit süßem Geschmack, sei saftig, aber leider auch sehr empfindlich. Die Hagelschäden sind darauf besonders gut sichtbar. Nöhre muss daher aussortieren und entscheiden, welcher Apfel noch gut ist und welcher nicht mehr. Bei der Sorte Delbar sei mindestens ein Viertel der Äpfel komplett unbrauchbar, meint Nöhre. Anders als andere Sorten würden sich die Frühäpfel auch nicht zum Versaften eignen.

Vier Äpfel, vier Probleme: Die Äpfel sind geschädigt durch Hagel (von links im Uhrzeigersinn), Sonne, die Raupe des Frostspinners und Vögel. Quelle: Katja Eggers

Äpfel mit verletzter Schale sind für Nöhre unbrauchbar. Äpfel mit roten Verfärbungen verkauft er seinen Kunden zum Vorzugspreis. Auch Äpfel mit Sonnenbrand, bei denen die Schale braune Verfärbungen zeigt, werden aussortiert. Die verbrannten Stellen würden als oberflächliche Schäden an der Schale beginnen, könnten aber auch tiefer gehen und den Apfel noch mehr schädigen. „Diese Äpfel bleiben in der Plantage, da freuen sich die Mäuse drüber“, sagt Nöhre. Die Brandschäden gehen auf Hitze und Sonne zurück.

Überhaupt haben die Wetterkapriolen der vergangenen drei Jahre den Lehrter Apfelbauern vor große Herausforderungen gestellt. 2017 sei ein sehr nasses Jahr gewesen. Nöhre hatte Staunässe und ertrunkene Wurzeln zu beklagen. Dazu kam Frost im Frühjahr. Das Jahr 2018 habe sich indes durch große Trockenheit ausgezeichnet. Die Hitze setze sich in diesem Jahr nun fort. „Aber im vergangenen Jahr konnten wir wenigsten noch von den Wasserreserven von 2017 zehren“, erklärt Nöhre.

Harm Nöhre erntet mit seinem Sohn Claas (8) die ersten Frühäpfel und sortiert sie auf dem Anhänger schon mal vor. Quelle: Katja Eggers

Hagelnetze sind teuer

Der Lehrter Landwirt rechnet damit, dass die Extreme beim Wetter aufgrund des Klimawandels weiter zunehmen werden. Verhagelte Apfelernten sieht er als „Schicksalsschlag“, mit dem Bauern nun mal umgehen müssen. „Das kann ich auch deshalb einigermaßen wegstecken, weil ich mehrere Standbeine habe und obendrein noch Spargel, Erdbeeren, Himbeeren, Zwetschgen und Kartoffeln anbaue sowie Schweine halte“, sagt Nöhre.

Nichtsdestotrotz denkt er darüber nach, wie er den klimatischen Veränderungen auf seiner Plantage künftig trotzen kann. „Versichern lassen wäre ein Möglichkeit, aber das ist sehr teuer“, sagt er. Hagelnetze seien ebenfalls kostspielig. Nöhre will indes einen Beregnungsteich anlegen. Dort würde das Wasser gesammelt, das bisher aus dem Brunnen kommt und dann zu eisenhaltig ist. Im Teich würde es durch den vorherigen Kontakt mit der Luft aber neutralisiert werden.

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Von Katja Eggers

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