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Lehrte Kontroverse um Naturschutzgebiet geht weiter
Umland Lehrte Kontroverse um Naturschutzgebiet geht weiter
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15:20 18.10.2018
Wird er ein Naturschutzgebiet? Die Debatte um den Hämeler Wald geht weiter. Quelle: Gückel
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Lehrte/Hämelerwald

In der Kontroverse um die geplante Ausweisung des Hämeler Waldes und der angrenzenden Sohrwiesen als Naturschutzgebiet (NSG) geht ein tiefer Riss durch die Lehrter Politik. Während weite Teile der SPD sowie Linke und Grüne das Vorhaben befürworten, sind CDU, AfD, Piraten und der Hämelerwalder SPD-Ortsbürgermeister Dirk Werner dagegen. Das ist jetzt in einer Sitzung des Ausschusses für Umweltschutz und Landschaftspflege deutlich geworden. Eine Kampfabstimmung endete mit sechs zu fünf für die Befürworter der von der Region Hannover favorisierten Linie, aus dem bisherigen Flora-Fauna-Habitat (FFH) ein NSG mit entsprechend hohem Schutzstatus zu machen.

Ihren Ursprung hat die Debatte in der Aufforderung der Europäischen Union an Deutschland, den Vereinbarungen zu folgen und mehr Gebiete, die von hoher Bedeutung für Landschaft, Tier- und Pflanzenwelt sind, schneller unter strikten Schutz zu stellen. Die Region Hannover will das jetzt unter anderem für den Hämeler Wald und die Sohrwiesen bis zum kommenden Jahr unter Dach und Fach haben.

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Der Ortsrat Hämelerwald hat sich bereits gegen den Plan ausgesprochen. Er befürchtet enorme Einschränkungen für die Naherholung, etwa ein Betretungsverbot für den Wald, und Nachteile für die Forstwirtschaft. „Wir sind der Meinung, es reicht, wenn der Wald ein Landschaftsschutzgebiet ist“, sagte Ortsbürgermeister Werner im Ausschuss. Für die Hämelerwalder gehöre es einfach dazu, sich dort frei bewegen zu können. „Wir wollen nicht aus dem Wald ausgesperrt werden“, sagte er und verglich die Bestimmungen für ein NSG mit einer „großen Keule“. Sinnvoller sei es, den Wald im Status eines Landschaftsschutzgebiets zu belassen und dafür ergänzende Sonderbestimmungen zu erlassen. In einem NSG werde aber „erstmal alles verboten“. Martin Schiwek (CDU) nannte die Ausweisung eines NSG „völlig übertrieben“.

Christoph Lokotsch (Linke) begrüßte indessen das Vorhaben der Region. Es gehöre nicht zu den „verbrieften Grundrechten“ der Bürger, sich im Wald frei zu bewegen. Es gebe auch kein „Recht auf Umweltzerstörung“. Sehr wohl könne man aber sinnvolle Ausnahmen zu den Bestimmungen anregen. Volker Kemmling, Leiter des Fachdienstes für Grünplanung und Umwelt bei der Stadt Lehrte, deutete bereits Möglichkeiten für Kompromisse an. Das Betreten des Waldes abseits der Wege sei bisher „nicht schädlich“ gewesen, sagte er. Auch der Aspekt der Naherholung sei nicht von der Hand zu weisen. Sehr wohl müsse man aber Fahrrad- oder BMX-Fahrer abseits der Wege kategorisch verbannen. Kemmling sprach davon, einen „behutsamen Umbau des Waldes“ im Sinne des Umweltschutzes zu starten.

Auf Anregung des Piraten Sebastian Frenger soll das Thema nun noch einmal im Rat der Stadt diskutiert werden. Für diese Marschroute stimmten alle Ausschussmitglieder.

Von Achim Gückel