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Lehrte Braucht Rethmar einen Dorfladen?
Umland Lehrte

Dorfladenschließung: Viele Rethmarer sehen Handlungsbedarf

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13:26 06.10.2019
Der Dorfladen in Rethmar hat am 30. März endgültig seine Türen geschlossen. Quelle: Oliver Kühn
Rethmar

Als in Rethmar Ende März der Dorfladen schloss, ist das Entsetzen im Ort groß gewesen. Wie es künftig mit der Nahversorgung in Rethmar weitergehen soll, ermittelt das Braunschweiger Thünen-Institut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei derzeit in einer Bedarfsanalyse. Nun gibt es einen Zwischenstand. Mehr als 80 Prozent der Befragten gaben darin an, dass es ihnen sehr leicht fällt, anderswo einzukaufen. Das ist aber nur eines der Ergebnisse.

Alle Informationen will das Instituts allerdings ganz bewusst noch nicht veröffentlichen. „Das könnte das weitere Antwortverhalten beeinflussen“, erklärt der wissenschaftliche Mitarbeiter Matthias Seel. Denn Ende Januar soll es eine zweite Befragungsrunde geben. „Da wird viel aus der ersten Umfrage auftauchen, aber es wird auch neue Fragen geben – wir möchten auf diese Weise schauen, ob und wie sich das Antwortverhalten der Bürger verändert“, erläutert Seel. Denn das Besondere der Befragung ist, dass diese einmal vor der Schließung des Dorfladens stattgefunden hat und ein weiteres Mal nach dessen Schließung durchgeführt wird.

Von 797 Bögen kommen 378 ausgefüllt zurück

„Die spannendste Frage ist für mich, ob Rethmar überhaupt einen Dorfladen braucht“, erklärt Rethmars Ortsbürgermeister Matthias Jäntsch. Er sieht in der Befragung vor allem eine Chance, dass Bürger äußern können, was ihnen bei der Nahversorgung wichtig ist und in welche Richtung es künftig überhaupt gehen könnte. Denkbar seien auch ein mobiler Anbieter oder ein genossenschaftlich betriebener Dorfladen, wie es ihn in Bolzum bereits gibt.

Über die hohe Beteiligung der Bürger freut sich Jäntsch daher sehr: „Das zeugt von Interesse und von Verantwortungsbewusstsein.“ Anfang März waren in Rethmar 797 Bögen verteilt worden, 378 kamen ausgefüllt zurück. Laut dem Institut entspricht dies einer Rücklaufquote von 47 Prozent. „Das ist ein sehr gutes Ergebnis“, sagt auch Seel.

Nur acht Prozent waren Stammkunden

Laut Zwischenergebnis sind acht Prozent der Befragten im Dorfladen Stammkunden gewesen, die dort alles oder fast alles gekauft haben. 75 Prozent gaben indes an, nichts oder nur wenig dort gekauft zu haben. Das Café im Dorfladen wurde von 15 Prozent der Befragten mindestens einmal pro Woche besucht. Fast 80 Prozent gaben an, immer oder fast immer mit dem Auto zum Einkaufen zu fahren, öffentliche Verkehrsmittel werden nur selten benutzt, die wenigsten gehen zu Fuß.

Die Umfrage hat zudem ergeben, dass sich vor der Schließung des Dorfladens rund 82 Prozent der Befragten eher zufrieden, zehn Prozent unentschieden und nur knapp acht Prozent eher unzufrieden mit den Einkaufsmöglichkeiten generell zeigten. Der Aussage, dass man in Rethmar gut leben könne, stimmen mehr als 80 Prozent zu. Mehr als 70 Prozent sind der Meinung, dass durch die Ladenschließung das Dorf abgewertet wird, dementsprechend sehen 65 Prozent der befragten Haushalte großen oder sehr großen Handlungsbedarf.

Jäntsch: „Schließung ist für viele eher ein Luxusprobleme“

Auf die Schließung bezogen gaben mehr als 80 Prozent an, dass es ihnen sehr leicht falle, anderswo einzukaufen. Rund fünf Prozent fällt dies indes schwer oder sehr schwer. Etwa 80 Prozent der Befragten sind insbesondere betroffen vom Wegfall der Möglichkeit, zuvor Vergessenes zu kaufen. „Es scheint so, dass die Dorfladenschließung für einige wenige Rethmarer ein echtes Problem und für viele indes eher ein Luxusproblem ist“, schlussfolgert Jäntsch.

Viele Rethmarer würden möglicherweise den Gedanken genießen, eine Einkaufsmöglichkeit direkt im Ort zu haben, könnten sich aber auch mühelos umorientieren und zum Einkaufen etwa ins nahe Sehnde fahren. Jäntsch betont zudem: „Falls es einen neuen Dorfladen in Rethmar geben sollte, müssen wir unser Einkaufsverhalten auf jeden Fall ändern, sonst kann er hier nicht existieren.“

Logopädin eröffnet Praxis im Obergeschoss

Für die Fläche im Erdgeschossgibt es noch immer keinen neuen Mieter, im Obergeschoss des ehemaligen Dorfladens an der Hauptstraße 14 in Rethmar weht jetzt aber frischer Wind: Johanna Sasse hat über dem einstigen Geschäft Anfang September eine Praxis für Logopädie aufgemacht. Die gelernte Logopädin hatte zuvor eineinhalb Jahre nach geeigneten Räumen gesucht, in Rethmar ist sie nun fündig geworden.

Im ersten Stock hat sie drei Behandlungsräume eingerichtet. Sasse will dort Kinder und Erwachsene mit Sprachstörungen, neurologischen Erkrankungen, Schluck-, Sprech- und Stimmstörungen behandeln. „Ich freue mich auf die Arbeit mit verschiedenen Patienten in meinen neuen Räumen und hoffe, dass dadurch auch wieder neues Leben in das Gebäude des ehemaligen Dorfladens einzieht“, sagt Sasse.

Da die Logopädin auch häufig Hausbesuche macht, bittet sie unbedingt bei jedem Besuch um eine vorherige Anmeldung unter der Telefonnummer (0 51 38) 7 09 26 78.

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Von Katja Eggers

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