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Kinder aus Tschernobyl kommen seit 25 Jahren nach Lehrte

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00:19 14.06.2019
Sie sind für vier Wochen in Lehrte zu Gast: Acht Mädchen aus dem vom Tschernobyl-Unglück betroffenen Gomel in Weißrussland. Quelle: Katja Eggers
Lehrte

Mit einem Fest mit Spielen, einem Gottesdienst und einer Ausstellung hat die Matthäusgemeinde am Pfingstsonntag ein besonderes Jubiläum gefeiert. Seit nunmehr 25 Jahren nehmen Gastfamilien in Lehrte jedes Jahr für vier Wochen Kinder aus Weißrussland bei sich auf. Der Aufenthalt ist für die Mädchen und Jungen wie eine Kur, denn die Kinder kommen aus Gomel im Südosten Weißrussland. Gomel ist noch immer verstrahlt. Das Gebiet befindet sich rund 100 Kilometer vom Atomkraftwerk in Tschernobyl, in dem sich am 6. April 1986 der schwere Reaktorunfall ereignete.

Jeder fünfte Weißrusse ist verstrahlt

Hoch hinaus: Anna (3) versucht sich beim Klettern. Quelle: Katja Eggers

„Das Feuer nach der Explosion hatte die Kraft von 500 Atombomben“, erklärte der Arzt Alexander Pokulnjewitsch, der die Kinder als Dolmetscher begleitet. Noch heute sei jeder fünfte Weißrusse der permanenten Strahlung ausgesetzt, nur fünf Prozent der Kinder würden gesund geboren, berichtete Pokulnjewitsch.

Für die Erholung außerhalb des verstrahlten Gebietes ist er sehr dankbar. Denn die Kinder aus Gomel haben vor allem ein geschwächtes Immunsystem. „Sie leiden unter Kopfschmerzen, Kreislauf- und Schilddrüsenproblemen und werden schnell müde“, berichtete Gastmutter Annette Tatchen vom Organisationsteam. Ihre Familie hat sich von Anfang an dem Projekt beteiligt.

Suche nach Gasteltern gestaltet sich schwierig

In den vergangenen 25 Jahren sind mittlerweile 330 Kinder zu Besuch in Lehrte gewesen. Sie waren in dieser Zeit in 110 Gastfamilien untergebracht. Anfänglich beherbergten die Familien die Kinder vier Wochen am Stück. Mittlerweile wechseln die Kinder nach zwei Wochen in andere Familien. „Zwei Wochen sind für die Familien einfacher zu handhaben“, erklärte Tatchen. Denn die Suche nach Gasteltern hatte sich in den vergangenen Jahren zunehmend schwierig gestaltet. Viele Gasteltern würden sich aber auch schon seit etlichen Jahren anbieten.

Rund um die Matthäusgemeinde wird gefeiert. Quelle: Katja Eggers

Weil eine Gastfamilie krankheitsbedingt absagen musste, sind in diesem Jahr nur acht Kinder aus Gomel in Lehrte zu Besuch. Sonst sind es bis zu zwölf. In diesem Jahr sind es ausschließlich Mädchen. Sie sind zwischen acht und zwölf Jahre alt und bleiben noch bis zum 4. Juli. Ihre Gastfamilien und etliche Helfer aus der Gemeinde haben ihnen ein abwechslungsreiches Programm zusammengestellt. Unter anderem sind Ausflüge in den Harz und in einen Freizeitpark sowie Bastel- und Spielnachmittage im Gemeindezentrum geplant.

Schwimmbadbesuch gehört zu den Highlights

Welche Aktivitäten in den vergangenen 25 Jahren mit den Tschernobyl-Kindern stattgefunden hatten, konnten sich die Besucher in einer kleinen Ausstellung anschauen. Tatchen hatte für jedes der 25 Jahre ein Plakat mit Texten und Fotos gestaltet. Immer wieder taucht das Lehrter Freibad auf. „Das gehört für die Kinder seit je her zu den absoluten Highlights“, erklärte Tatchen.

Dolmetscher und Kinderarzt Alexander Pokulnjevitsch, Annette Tatchen und Helferin Ingried Struckmann schauen sich gemeinsam die Jubiläumsausstellung an. Quelle: Katja Eggers

Auch die zehnjährige Xenia freut sich vor allem auf das Schwimmbad. „Und auf das Spielen und Quatschmachen in der Gruppe“, sagte sie lachend. Xenia ist schon zum zweiten Mal in Lehrte. Auch diesmal wurden ihre Reisekosten von der evangelischen Landeskirche übernommen, die das Projekt seit 1991 organisiert. Der Aufenthalt in Lehrte wird von den Gastfamilien und der Matthäusgemeinde finanziert. Der Aufenthalt ist für die Kinder nach wie vor wichtig. „Die vier Wochen hier in Lehrte stärken das Immunsystem nachweislich für ein ganzes Jahr“, betonte Tatchen.

Von Katja Eggers

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