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Lehrte Beim Abriss der Stadtwerke-Villen kommt Wehmut auf
Umland Lehrte

Lehrte: Abriss der Villen auf dem alten Stadtwerkegelände

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18:00 28.11.2019
„Da oben war mal unser Schlafzimmer“: Irene Schwirtz schaut sich den Abriss an der Manskestraße an. Quelle: Achim Gückel
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Lehrte

Dachziegel scheppern, Balken brechen, Wände bersten: Am Donnerstagvormittag hat der lange angekündigte und mehrfach aufgeschobene Abriss der beiden alten Villen auf dem früheren Stadtwerkegelände begonnen. Bis zum Weihnachtsfest sollen von den zwei – für Lehrter Verhältnisse historischen – Bauwerken, die das Stadtbild an der südlichen Manskestraße über Jahrzehnte beherrschten, nicht einmal mehr die Grundmauern übrig sein. Beide stehen einem Projekt der Lehrter Wohnungsbaugesellschaft im Weg, die auf dem Gelände das Quartier am Stadtpark errichten will – mit mehr als 90 neuen Wohneinheiten, Tiefgarage, ökologischem Mobilitätskonzept und betreutem Wohnen.

Lehrter Villa hat 100-jährige bewegte Geschichte hinter sich

Irene Schwirtz sah sich das Abrissszenario am Donnerstag besonders genau an. „Dort, wo der Bagger jetzt zugreift, war mal unser Schlafzimmer“, sagte sie. 20 Jahre lang hat sie mit ihrem Mann im ersten Stockwerk jenes Gebäudes gewohnt, das direkt an der Manskestraße steht und in dem nach dem Wegzug der Stadtwerke zuletzt noch unbegleitete minderjährige Flüchtlinge untergebracht waren. Im März 1908 war die Baugenehmigung für das Haus erteilt worden. Danach brachte es eine mehr als 100-jährige und bewegte Geschichte hinter sich. „Es war ein schönes Wohnen dort“, sagte Schwirtz, die von 1960 bis 1980 im ersten Stock des Gebäudes zu Hause gewesen war.

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Die Villa an der Manskestraße wurde 1908 erbaut. Jetzt steht sie dem Quartier am Stadtpark im Weg, das die Lehrter Wohnungsbaugesellschaft errichten will. Quelle: Achim Gückel

Dass die zwei alten Villen jetzt abgerissen werden, schmerzt Schwirtz schon ein wenig. Sie in das nun geplante Bauprojekt zu integrieren sei aber wirtschaftlich nicht darstellbar gewesen, sagt Christian Swoboda, stellvertretender technischer Leiter bei der Lehrter Wohnungsbau. Der Beschluss, dass die Villen weichen müssen, fiel schon vor geraumer Zeit. Vor wenigen Monaten wurden dann die Wohncontainer auf dem Stadtwerkegelände beseitigt. Sie hatten zwischenzeitlich Geflüchteten als Unterkunft gedient. Dann fielen die Mauern jener Stadtwerkegebäude, die im rückwärtigen Bereich der Baufläche standen.

Asbest im Keller macht Abriss teuer

Dann geriet der Abriss jedoch ins Stocken. Ende September hatten die Villen eigentlich schon verschwinden sollen. Doch im Keller jenes Hauses, das direkt an der Manskestraße steht, fanden die Mitarbeiter des beauftragten Unternehmens massenweise Asbest. Das Material diente zur Ummantelung von Rohren und als Isolierungsmasse an Wänden. Die Demontage und Entsorgung dieses Sondermülls dauerte Monate. Und sie wurde für die Lehrter Wohnungsbau teuer.

Sie sind 111 und 92 Jahre alt. Jetzt müssen die beiden alten Häuser auf dem früheren Stadtwerkegelände an der Manskestraße weichen.

Wegen des Asbestfunds seien die Abrisskosten, die zunächst mit einem „knapp sechsstelligen Betrag“ kalkuliert wurden, wie Wohnungsbau-Geschäftsführer Frank Wersebe sagt, um 50.000 Euro angestiegen. Das Projekt Quartier am Stadtpark beginnt also gleich mit unerwarteten Mehrkosten.

Türgriffe abgebaut und als Andenken mitgenommen

Irene Schwirtz und ihr Mann waren indes nicht die einzigen, die sich das Schauspiel des Abrisses am Donnerstag anschauten. Viele Schaulustige stoppten vor dem Gelände und beobachteten die Präzisionsarbeit mit dem Bagger. Und auch in den vergangenen Wochen waren die zwei Villen ein Anziehungspunkt – zum Beispiel für eine andere Bewohnerin. „Sie hat sich als Andenken die Türgriffe abgebaut und mit nach Hause genommen“, sagt Swoboda.

Villen haben bewegte Vergangenheit

Die beiden Stadtwerkevillen, die derzeit an der Manskestraße abgerissen werden, lassen sich durchaus als historisch bezeichnen. Sie haben eine bewegte Vergangenheit hinter sich. Laut Stadtsprecherin Nele Domin waren die Bauherren jeweils Handwerker gewesen.

Das markante Gebäude mit der Hausnummer 17, das etwas näher an der Straße liegt, wurde 1908 gebaut. Bevor es 1997 in den Besitzt der damaligen Lehrter Gasversorgung (heute Stadtwerke) kam, hatte es laut dem ehemaligen Stadtwerkegeschäftsführer Bernd Fengler dem Lehrter Gustav Behrens gehört. Dieser hatte einst das Erdgeschoss bewohnt. Im oberen Stockwerk waren Mietwohnungen. Die Stadtwerke ließen die Räume später zu Büroräumen für die Mitarbeiter der Abwasserbeseitigung umbauen. „Die schönen Stuckdecken aus dem Jugendstil haben wir damals aber erhalten“, betont Fengler.

Die zweite Villa mit der Nummer 19, die etwas weiter hinten auf dem Gelände liegt, war laut Fengler früher auch unter dem Namen Huchsche Villa bekannt. Sie wurde 1927 errichtet. Zum Haus hatten ursprünglich noch Stallungen gehört. Die Stadtwerke nutzten das Gebäude später für ein Lager und für ihre kaufmännische Abteilung.

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Von Achim Gückel

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