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Lehrte Ausbildungsmesse ist wieder ein voller Erfolg
Umland Lehrte

Lehrte: Ausbildungsmesse ist wieder ein voller Erfolg

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13:56 27.11.2020
Laura Mälitz (von links) und Katharina Bruns von der Realschule Lehrte lassen sich zeigen, wie ein Gipsabdruck entsteht.
Laura Mälitz (von links) und Katharina Bruns von der Realschule Lehrte lassen sich zeigen, wie ein Gipsabdruck entsteht. Quelle: Patricia Oswald-Kipper
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Lehrte

Rund 30 Unternehmen aus Lehrte, Sehnde und weiteren Regionskommunen haben sich am Donnerstag bei einer Ausbildungsmesse im Kurt-Hirschfeld-Forum vorgestellt. Darunter auch Lehrter Arbeitgeber, wie die Firma Hellmann Logistics, die Stadt Lehrte, Miele oder das Altenheim Rosemarie-Nieschlag-Haus.

H. macht eine Ausbildung in der Verwaltung bei der Stadt Lehrte und erklärte am Donnerstag Schülern aus Lehrte alles rund um seine Ausbildung. An einer Tafel hatte er zusammen mit anderen Auszubildenden die Möglichkeiten für Ausbildungen und Berufe bei der Stadt Lehrte dargestellt.

„Wir wollen hier auf die Vielfalt bei unseren Ausbildungsberufen aufmerksam machen“, sagte Ulrike Brandes, Fachdienstleitung Personalservice bei der Stadt Lehrte. Während für Ausbildungen für den Beruf des Verwaltungsfachangestellten genug Bewerbungen eingingen, sei es beim Fachangestellten für Abwassertechnik oder beim Fachangestellten für Bäderbetriebe eher schwierig, geeignete Bewerber zu finden. „Die meisten wünschen einen Beruf im Büro, wo man sich nicht schmutzig macht“, so Brandes. Auch abweichende Arbeitszeiten wie etwa Arbeit nach 16 Uhr oder am Wochenende seien für viele angehende Auszubildende eher unattraktiv und schreckten ab.

Ausbilder bemängeln Qualität der Bewerber

Auch für Handwerksberufe fehlt nach wie vor der Nachwuchs. „Es ist schwierig, passende Bewerber zu finden“, bestätigte Stephan Schickedanz von der Firma Holcim aus Sehnde-Höver. Von den sieben freien Ausbildungsplätzen konnten erst zwei besetzt werden. Holcim präsentierte sich bei der Ausbildungsmesse in Lehrte zum ersten Mal. Das Unternehmen bietet für Haupt- und Realschulabsolventen Ausbildungen zum Baustoffprüfer, Elektroniker für Betriebstechnik und Industriemechaniker an. Laut Schickedanz mangelt es nicht nur an der Zahl der Bewerber, sondern auch an der Qualität. Viele bestünden den Einstellungstest nicht. „Da prüfen wir bestimmte Voraussetzungen, die etwa ein Industriemechaniker mitbringen muss, und oftmals passt das dann nicht“, so Schickedanz.

Justin Wienhold (rechts) ist Azubi bei der Firma Hellmann Logistics aus Lehrte. Migel Lorenz (links) und Rayen Chelbi informieren sich über eine Ausbildung zum Lagerist. Quelle: Patricia Oswald-Kipper

Es gibt aber auch Berufe, für die es stetig ein sehr großes Interesse gibt und die Nachwuchssorgen eher gering sind. Menschentrauben bilden sich stellenweise an den Ständen von Polizei, Bundeswehr oder auch am Stand von Volkswagen. Paul Görlich besucht die 11. Klasse des Gymnasiums Lehrte. Er will eine Pilotenausbildung bei der Bundeswehr absolvieren: „Ich kann mir eine Offiziersausbildung gut vorstellen.“

Aber auch andere Berufe sind gefragt – etwa zahnmedizinische Fachangestellte. An dem Stand von der Lehrter Zahnarztgemeinschaftspraxis von Günther Schneider konnten die Schüler einen Ausschnitt aus dem Beruf der Zahnmedizinischen Fachangestellten kennenlernen. Nicht nur für den Beruf wichtige Utensilien liegen dort aus, sondern die Schüler erfahren auch, wie ein Implantat gefertigt und eingesetzt wird. Dabei können sie auch selbst Gipsabdrücke machen. Laura Mälitz und Katharina Bruns sind sehr interessiert. „Das ist sehr abwechslungsreich, das könnten wir uns vorstellen“, waren beide überzeugt. Laut Gina Machardt, die in der Zahnarztpraxis für Qualitätsmanagement zuständig ist, ist es mittlerweile auch in diesem Bereich schwierig, Auszubildende zu finden. „Viele wollen lieber gleich Zahnarzt werden oder etwas anderes studieren.“

Praktika bieten optimalen Einstieg in den Beruf

Zum ersten Mal ist auch das Klinikum Wahrendorff aus Sehnde auf der Messe präsent. Das Klinikum mit Sitz in Ilten hat eine ganze Palette an Ausbildungen von kaufmännischen bis hin zu Pflegeberufen anzubieten. Allein für den Beruf des Heilerziehungspflegers und des Gesundheits- und Krankenpflegers sind pro Jahr jeweils 20 Ausbildungsstellen zu besetzen. Tjelle Nolte hat sich nach seinem Abitur für eine Ausbildung zum Heilerziehungspfleger entschieden. „Ich habe beim Freiwilligen Sozialen Jahr gemerkt, dass mir diese Arbeit sehr viel Spaß macht“, so der Auszubildende, der nun schon im dritten Lehrjahr ist. Er unterstützt die Bewohner des Klinikums bei alltäglichen Dingen. „Das kann auch mal der gemeinsame Besuch eines Fußballspiels oder ein Spaziergang sein“, sagt Nolte.

Paul Görlich probiert seine Kraft bei „Hau den Lukas“, den Azubis der Firma Holcim gefertigt haben. Er möchte Pilot werden. Quelle: Patricia Oswald-Kipper

Die Organisatorin Yvonne Salewski von pro regio, Ausbildung im Verbund, freut sich über die gute Resonanz bei der zweiten Ausbildungsmesse in Lehrte. Für sie ist die Messe ein voller Erfolg. „Heute hat eine ganze Klasse mit 20 Schülern hier Praktikumsverträge für alle abgeschlossen“, erzählt sie begeistert. Praktika seien der optimale Einstieg, um den Beruf kennenzulernen. Ob die Ausbildungsmesse wiederholt wird, ist jedoch unklar. „Es gibt mittlerweile so viele Angebote in der Art für die Schüler – da muss man immer mal wieder über neue Formate nachdenken“, sagt Salewski.

Von Patricia Oswald-Kipper