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Lehrte Bürgermeisterkandidaten offenbaren beim HAZ-Forum viele Gegensätze
Umland Lehrte Bürgermeisterkandidaten offenbaren beim HAZ-Forum viele Gegensätze
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00:17 02.05.2019
Die Kandidaten: Bürgermeister Klaus Sidortschuk (SPD, von links), Thomas Ganskow (Piratenpartei), Frank Prüße (CDU) und Oliver Gels (parteilos) haben sich beim HAZ-Forum den Fragen der Bürger gestellt. Quelle: Oliver Kühn
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Lehrte

Die Resonanz war eindrucksvoll: Fast 300 Besucher haben sich am Montagabend beim HAZ-Forum zur Bürgermeisterwahl in Lehrte im Kurt-Hirschfeld-Forum eingefunden. „Ich sehe einen Querschnitt der Gesellschaft“, freute sich Moderator und HAZ-Redakteur Achim Gückel. Das Interesse war genauso groß wie die Konzentration der Gäste auf die von Lesern eingeschickten Fragen und die Antworten der Kandidaten – kaum einer verließ die zweistündige Veranstaltung, die damit sogar eine gute halbe Stunde länger dauerte als geplant, bereits vorzeitig.

Das altersmäßig bunt gemischte Publikum hörte bis zum Schluss aufmerksam zu. Quelle: Oliver Kühn

Am 26. Mai können die Lehrter darüber entscheiden, wer von den vier Kandidaten vom 1. November an für die nächsten sieben Jahre Chef im Rathaus sein wird: Amtsinhaber Klaus Sidortschuk (SPD) oder die Herausforderer Frank Prüße (CDU), Thomas Ganskow (Piratenpartei) und Oliver Gels (parteilos).

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Gegensätze beim Neubau des Gymnasiums

Eines der meist diskutierten Themen ist seit Monaten der geplante Neubau des Gymnasiums: Soll er am derzeitigen Standort Friedrichstraße oder auf dem Schützenplatz verwirklicht werden? Darauf fielen die Antworten sehr unterschiedlich aus. „Der Schützenplatz wird nicht bebaut und muss so bleiben“, sagte Gels seine Meinung klar: „Da kommt keine Schule für mich hin.“ Nur müsse der Platz mit Flohmärkten und Festen mehr belebt werden, auch ein WC-Häuschen wäre sinnvoll.

„Der Schützenplatz eignet sich sehr gut“, meinte dagegen Ganskow. Prüße plädierte für einen „ergebnisoffenen Vergabewettbewerb“ in Sachen Gymnasium-Neubau, will den Schützenplatz aber erhalten und regte im Fall eines Neubaus eine Multifunktionsfläche an, die auch von Vereinen genutzt werden könnte, um Leben in den Stadtpark zu bringen. Sidortschuk dagegen bezweifelte, ob dort genug Platz für zwei Gebäude, einen Schulhof und Parkplatz sowie eine Multifunktionsfläche sei: „Den Optimismus teile ich nicht.“

In diesen Zusammenhang gehörte auch die Zukunft des Schulzentrums Süd. Für Prüße geht kein Weg an einem Abriss der bestehenden Gebäude von IGS, Realschule und Berthold-Otto-Schule und einem kompletten Neubau vorbei – doch wie die dazu zuletzt aufgerufenen 80 Millionen Euro an Investitionen gestemmt werden könnten, sei eine zentrale Herausforderung. Gels plädierte grundsätzlich für diese Campus-Lösung inklusive des Gymnasiums und einer großen Turnhalle. Amtsinhaber Sidortschuk zeigte sich hingegen pessimistisch. Ein Campus mit Realschule, IGS und Gymnasium mit insgesamt 2800 Schülern wäre eine „zu große Lösung“.

Leser kritisieren Kitaplätze in Containern

HAZ-Redakteur Achim Gückel (links) moderiert die Veranstaltung und gibt die Fragen der Leser weiter. Quelle: Oliver Kühn

Wie Kitaplätze in Containern mit einer qualitativ hochwertigen frühkindlichen Bildung zusammenpassen, wollte ein Leser wissen. „Das Problem ist seit 2017 bekannt, 250 Plätze fehlen, doch es ist nichts passiert oder wurde nicht mit Hochdruck verfolgt“, kritisierte Prüße in Richtung seines SPD-Kontrahenten. Jetzt müsse man drei Millionen Euro für die mobilen Einheiten ausgeben, bis die fünf geplanten neuen Kitas fertiggestellt seien. Gels wurde noch schärfer im Ton: „Die Verantwortlichen haben geschlafen.“ Das werde nun auf dem Rücken der Kinder ausgetragen. Im Neubaugebiet Sievershausen habe die Stadt ganz einfach eine Kita vergessen. Lehrte dürfe aber keine „Container-City“ werden.

Sidortschuk wehrte sich gegen die Zahlen. Die Stadt habe in den vergangenen Jahren fast 280 neue Kitaplätze und 50 neue Stellen geschaffen. Es fehlten lediglich 50 bis 100 Plätze, bislang sei noch jedes Kind aufgenommen und keine Gruppe wegen Erziehermangels geschlossen worden – und Container erfüllten die gleichen Voraussetzungen wie feste Häuser. Da sprang ihm Kandidat Ganskow bei. Container seien gut ausgebaut und für eine vernünftige Betreuung geeignet.

Mehr Party in der Stadt!

Außer dem Weihnachtsmarkt und dem Weinfest laufe in Lehrte in Sachen Stadtleben und Stadtmarketing nicht mehr viel, hatte ein anderer Leser moniert. „Da hat er wohl das Schützenfest vergessen“, erinnerte Gückel an eine der großen Traditionsveranstaltungen. Man habe viel Kunst, Kultur und Theater in der Stadt und auch die Weihnachtsbeleuchtung deutlich verschönert, entgegnete Sidortschuk. „Wir brauchen aber mehr Man- und Womanpower von Ehrenamtlichen im Stadtmarketingverein.“

Das wollte Prüße nicht gelten lassen. Alles auf die Ehrenamtlichen zu schieben, reiche nicht: „Wir müssen die Hauptamtlichkeit ausweiten und brauchen eine zweite Kraft.“ Dann wären auch wieder der Maibummel und ein Public Viewing bei Fußball-Weltmeisterschaften möglich. Auch Gels forderte mehr Personal im Stadtmarketingverein und verstärkt Vereine ins Boot zu holen: „In Lehrte muss wieder mehr los sein, Lehrte muss rocken und Party machen.“ Ganskow schlug ein Foodtruck-Festival über mehrere Tage vor.

Ordnungsdienst gegen Vermüllung begrüßen (fast) alle

Große Bühne: Die Kandidaten konnten im Kurt-Hirschfeld-Forum ihre Vorstellungen vor einem großen Publikum präsentieren. Quelle: Oliver Kühn

Die Vermüllung in der Stadt beschäftigt viele Leser – wie will die Verwaltung dagegen vorgehen? Mit einem Ordnungsdienst, der im Sommer komme, sagte Sidortschuk. Zwei Mitarbeiter sollten dann gegen die oftmals gleichen Personen vorgehen, die sich nicht benähmen und auch „robuste Ansprachen“ machen. Streifengänge sollten der „gefühlten Unsicherheit“ vieler Bürger begegnen. Ein Ordnungsdienst sei der richtige Weg, befand auch Prüße. Er bezweifelte aber, ob dafür zwei Mitarbeiter ausreichten.

Gels hält solch einen Dienst ebenfalls für richtig, aber mit mehr Personal – und regte als Kriminalbeamter eine Videoüberwachung an ausgewählten Stellen an. Vermüllung sei eine Ordnungswidrigkeit, die die Stadt konsequent ahnden müsse. Lediglich Ganskow zeigte sich skeptisch, das sei eigentlich eine Aufgabe der Polizei. Und in Hannover habe der eingeführte Ordnungsdienst auch nicht viel verändert.

Flüsterasphalt und Lkw-Verbote gegen Verkehrslärm?

Auch die Themen Lärm und Verkehr bewegt die Lehrter. Die Situation sei schwierig, sagte Prüße, eventuell könne man an Strecken wie etwa der Ahltener oder Iltener Straße Flüsterasphalt einbauen und Tempolimits einführen. Gels forderte, bei Unfällen auf der A2 eventuell Lkw-Fahrverbote für die Innenstadt zu überdenken, bessere Grünphasen einzurichten, Lärmschutzwände an Bahntrassen voranzutreiben und den Radverkehr zu stärken. Sidortschuk erinnerte an den Lärmaktionsplan, den die Stadt über den gesetzlichen Lärmschutz hinaus an Straßen und Bahnstrecken ausweiten wolle und kündigte an, dass man mindestens eine Buslinie in der City auf Elektroantrieb umstellen werde –mucksmäuschenstill könne es in der Stadt aufgrund ihrer Verkehrslage aber niemals werden.

Zum Thema Radschnellweg nach Hannover positionierten sich die Kandidaten klar. Gels antwortete ebenso wie Ganskow mit einem deutlichen Ja, auch Prüße will sich dafür einsetzen, doch nicht durch Wohngebiete. Sidortschuk sagte, er sei nicht grundsätzlich dagegen, doch habe das innerörtliche Radwegenetz mit Strecken wie etwa von Lehrte Süd zum Schützenplatz mit 1000 Radlern am Tag Vorrang.

Straßenausbaubeiträge abschaffen wollen alle – doch wie?

Eine klare Vorstellung hat Gels bei den Straßenausbaubeiträgen, die Bürger ruinieren könnten: „Diese müssen abgeschafft werden.“ Auch Prüße nannte die oft hohen Summen eine ungerechte Sache, die dem Solidaritätsprinzip widersprächen und plädierte ebenfalls für eine Abschaffung. Ganskow stimmte seinen Vorrednern bei und meinte, dass man sich über die Finanzierung später Gedanken machen könne – was für Heiterkeit im Saal sorgte. Sidortschuk erinnerte daran, dass man dann eine Million Euro pro Jahr mehr durch Kredite finanzieren oder die Grundsteuer von 440 auf 740 Punkte erhöhen müsste: „Damit wären wir dann Niedersachsenmeister.“

Ein weiteres Streitthema in Lehrte seit fast drei Jahren ist das geplante Aldi-Logistikzentrum. Lehrte sei von der Lage her ein günstiger Ort für Logistik und „lieber Aldi als Amazon“ meinte Ganskow. Aligse sei der richtige Standort, befand Prüße, doch die Versiegelung von 20 Hektar Flüche müsse Lehrte in Sachen Arbeitsplätze und Gewerbesteuer auch etwas bringen. „Sonst müssen wir Aldi absagen.“ Auch Sidortschuk bezeichnete Aligse als beste Fläche in der Stadt, zudem sei Aldi seit 50 Jahren ein verlässlicher Partner der Stadt. Er wünsche sich wieder eine sachliche Diskussion, und da stimmt ihm Gels zu. „Die hat gefehlt, das würde ich als Bürgermeister anders machen“, sagte der Parteilose mit einem Seitenhieb auf den Amtsinhaber. Die Bürgerinitiative in Aligse lobte Gels: Diese habe gute Arbeit geleistet, denn schließlich sei noch nichts gebaut worden.

Nach gut zwei Stunden war das HAZ-Forum beendet. Und nachdem, was in den Gängen zu hören war, haben viele Lehrter nun eine konkretere Vorstellung der Kandidaten mit nach Hause genommen.

Die Debatte zum Nachlesen im Liveticker:

  • 29.04.19 19:06
    Um 21.05 Uhr - 35 Minuten später als eigentlich geplant - endet das HAZ-Forum in Lehrte. Ein spannender Abend mit vielen Fragen und Antworten endet. Wir beenden an dieser Stelle den Liveticker und bedanken uns für Ihre Aufmerksamkeit. Ein ausführlicher Bericht über die Podiumsdiskussion finden Sie in Kürze auf haz.de/lehrte.
  • 29.04.19 19:04
    Die letzte Frage des Abends geht an den Amtsinhaber und lautet: "Wenn einer Ihrer Kontrahenten Bürgermeister werden würde, was würden Sie ihm raten, wovor würden Sie ihn warnen?"
    Klaus Sidortschuk antwortet deutlich: "Ich kämpfe darum, dass es dazu gar nicht erst kommt. Und im Gegensatz zu Herrn Ganskow genieße ich es, in Lehrte zu leben, die Probleme und Debatten auch beim Einkaufen mitzubekommen." Mit Blick auf die Streitigkeiten im Rat, die Gels zuvor angesprochen hat, hält er dagegen: "Bei allen im Rat heißt es: erst die Stadt, dann die Partei. Deshalb möchte ich Bürgermeister bleiben."
  • 29.04.19 19:03
    Zum Schluss gibt es an jeden Kandidaten noch eine Frage.
    "Was passiert mit dem Lehrter SV, wenn Sie Bürgermeister werden?", fragt HAZ-Redakteur Achim Gückel Frank Prüße. "Unsere Strukturen im SV sind so gut, dass es nahtlos weitergehen wird, wenn ich nicht mehr da bin", antwortet dieser.
    "Ein Bürgermeister entscheidet nicht alles alleine. Es gibt den Rat. Wenn Sie als Unabhängiger Bürgermeister werden, wo suchen Sie sich Ihre Mehrheit?", lautet die Frage an Oliver Gels. Seine Antwort: "Ich werde moderieren. Ich hoffe, dass es entspannter mit mir wird, die Parteien sich nicht mehr gegenseitig schlecht machen, sondern der ein oder andere sich auch mal anders entscheidet und die Sache voranbringt."
    "Sie würden im Fall einer Wahl nicht von Hannover nach Lehrte ziehen, glauben Sie nicht, dass Ihnen das die Lehrter übel nehmen?", fragt Gückel Thomans Ganskow. "Man kann vor mir nicht verlangen, meine Eigentumswohnung im Ihmezentrum zu verkaufen. Das wäre ein Minusgeschäft. Außerdem würde ich dann meine Außensicht aufgeben. Und die ist wichtig."


  • 29.04.19 18:56
    Lob für die Bürgerinitiative von Oliver Gels: "Die BI hat dafür gesorgt, dass die Bürger informiert werden." Aldi sei ein gutes Beispiel für das Thema Bürgerbeteiligung. "Der Fehler der Stadt war, die Bürger dabei auszuschließen. Eine richtige, sachliche Diskussion zuzulassen, das sollte das Ziel sein. Dafür setze ich mich ein."
    "Es ist schlicht falsch: Natürlich wurden die Betroffenen beteiligt", hält Klaus Sidortschuk dagegen. Innerhalb des Bebauungsplanverfahrens sowie bei zwei Anwohnerversammlungen. "Ich würde mir wünschen, dass wir bei diesem Thema wieder zur Diskussion um die Sache zurückkehren." Es gebe keine Lösung, die alle zu 100 Prozent zufriedenstellen würden. Einen Vorhaben bezogenen Bebauungsplan hält Sidortschuk nicht für den richtigen Weg - dieser würde sehr viel weniger Schutzansprüche festlegen als sie Aldi bereits jetzt zugesagt hat.
  • 29.04.19 18:49
    Das geplante Aldi-Logistikzentrum in Aligse ist wohl das umstrittenste Thema in Lehrte. "Würden Sie es vertreten, dass die Standortfrage neu untersucht und neu entschieden wird? Würden Sie die Planung verwerfen, wenn sich große Nachteile für die Bevölkerung herausstellen?" lautet die Leser-Frage.
    Thomas Ganskow: "Wir alle sind Fans von kurzen Wegen. Dann muss man auch eine zentrale Versorgungsmöglichkeit in der näheren Umgebung zulassen. Daher plädiere ich dafür, dass man die Lage, die die Stadt bietet, auch ausnutzt. Lieber Aldi als Amazon mag ich sagen mit Blick auf die Bedingungen für die Mitarbeiter."
    Frank Prüße: "Sollte man in Lehrte einen neuen Standort suchen? Da sage ich definitiv nein. Wenn, dann ist dieser Standort der richtig. Ob man die Entscheidung dafür trifft, entscheidet sich am Ende der Planung." Die CDU habe gerade dafür gestimmt, einen Vorhaben bezogenen Bebauungsplan zu erstellen. "Logistik braucht unendlich Fläche, die Fläche in Lehrte ist aber endlich." Wenn man 20 Hektar versiegele, dann müsse sich das für die Stadt lohnen. Wenn die Gewerbesteuereinnahmen, die zusätzlichen Arbeitsplätze und anderes stimmen, ist alles gut. "Wenn nicht, darf man die Entscheidung dafür nicht treffen."
  • 29.04.19 18:42
    "Als Bürgermeister ist man verantwortlich für alles, was die Mitarbeiter tun. Dann muss man dafür sorgen, dass Fehler erst gar nicht passieren", sagt Thomas Ganskow - dafür gibt es Pfiffe aus dem Publikum. "Ich bin überzeugt, dass die Mitarbeiter der Stadtverwaltung richtig arbeiten, aber alle Entscheidungen sollten transparent sein und öffentlich werden." Ein Live-Stream aus politischen Gremien sei eine Möglichkeit, sagt Ganskow.
    "Fehler passieren, das ist wichtig, daraus muss man lernen", sagt hingegen Frank Prüße. "Und ich glaube nicht, dass bei der Stadt Lehrte mehr Fehler passieren als anderswo." Allerdings sei er ein Fan von flachen Hierarchien. Diese motivierten die Mitarbeiter umso mehr. "Ich würde die Verantwortung daher auf mehr Schultern verteilen."
    Oliver Gels macht klar: "Wenn Probleme das erste Mal auftauchen, etwa bei der Backhausstraße, dann muss ich da sein als Bürgermeister. Dann muss ich das in die richtige Richtung lenken und ansprechbar sein, offen, transparent. Das würde ich gewährleisten."
  • 29.04.19 18:37
    Viele Bürger werfen dem Rathaus mangelnde Transparenz vor, manche Vorhaben dauerten zu lange: Was sagt der Amtsinhaber dazu? Was würden die drei Herausforderer anders machen?
    Als erstes darf Bürgermeister Klaus Sidortschuk antworten: "Wo Menschen arbeiten, da passieren Fehler. Wir haben fast 600 Mitarbeiter bei der Stadt. Was ich schwer ertrage, ist, wenn einer einen Fehler macht, dass dann dieser der ganzen Verwaltung angerechnet wird." Die letzten Zeiten seien etwas ruckelig gewesen. "Im Zweifelsfall sollte man mich beschimpfen, aber nicht die Mitarbeiter in der Verwaltung."
  • 29.04.19 18:32
    Thomas Ganskow: "Es muss andere Mittel und Wege geben, als den Schock hinzunehmen, wenn Bürger auf einmal Rechnungen für Straßen im fünfstelligen Bereich bekommen. Ja, die Strabs muss weg. Wie man das finanzieren kann, sehen wir dann. Da muss man kreativ werden. Das macht Hannover nicht anders." Das Ganze über die Grundsteuer zu finanzieren, sei nicht die Lösung.
    Frank Prüße: "Wir können die Straßenausbaubeiträge nicht über die Grundsteuer finanzieren. Steuern sind nicht zweckgebunden. Wenn es uns wieder schlechter gehen sollte, müssen wir uns die Frage stellen, wie wir das finanzieren können. Aber nicht im Moment: Das machen wir bei Schulbauten auch nicht. " Die Strabs widerspreche seiner Ansicht nach dem Solidarsystem. "Die Kasse der Stadt Lehrte ist gut. Deshalb sollten wir diese Ungerechtigkeit abschaffen."
  • 29.04.19 18:28
    Lehrte muss in den nächsten Jahren zig Millionen Euro für Schulen, Kitas, die neue Feuerwehrwache und andere Großplanungen ausgeben. Kann die Stadt sich das überhaupt leisten? Die Leser stellen dazu zwei klare Fragen an die Kandidaten: "Heben Sie die Grundsteuer in Ihrer Amtszeit an, und schaffen Sie die Straßenausbaubeiträge ab?"
    Oliver Gels: "Im Doppelhaushalt steht die Anhebung der Grundsteuer für 2020 schon drin. So ist das. Man müsste nochmal drüber nachdenken. Die Straßenausbaubeiträge würde ich abschaffen. Viele Straßen sind in keinem guten Zustand, das muss sich ändern."
    Klaus Sidortschuk: "Wir haben jetzt zwei richtig gute Haushaltsjahre gehabt, wirtschaftlich viel eingefahren. Können wir uns das alles leisten? Ja, das können wir." Mit Blick auf die Straßenausbaubeiträge habe er seine Zweifel: Schaffe man diese ab und saniere die Straßen per Grundsteuer, müsste man diese auf 740 Punkte erhöhen. "Damit wäre Lehrte Niedersachsenmeister." Es müsse mehr darum gehen, die hohen, teils dramatischen Belastungen bei der Finanzierung durch die Anlieger zu verhindern.
  • 29.04.19 18:21
    Und wie schaut es mit dem möglichen Radschnellweg nach Lehrte aus?
    "Ja, ich werde mich dafür einsetzen", beantwortet Frank Prüße die nächste Leserfrage. Aber dieser Schnellweg dürfe nicht mitten durchs Wohngebiet führen, sondern an Ahlten vorbei. Oliver Gels schließt sich an: "Ich befürworte das auch. Wir müssen es den Menschen schmackhaft machen, aufs Fahrrad zu steigen. Das bringt auch wieder andere Leute zu uns." Das sei ein Projekt, das die Stadt erneut nach vorne bringe. Bürgermeister Klaus Sidortschuk ordnet das Thema ein: "Es gibt bisher keine verbindliche Aussage, dass der Radweg Lehrte nichts kosten wird. Meine Position ist ganz klar: Ich möchte auch einen Radschnellweg, aber die Bedingungen müssen vorher klar sein." Auch bei den innerörtlichen Radwegeverbindungen gebe es noch Nachholbedarf. "Und da möchte ich zuerst den Schwerpunkt setzen." Thomas Ganskow antwortet als letzter auf die Frage: "So eine Entscheidung kann nur auf Grundlage der Kosten und Rahmenbedingungen getroffen werden", sagt er. Das gehe für Lehrte heute Abend nicht. "Grundsätzlich werden solche Radschnellwege aber kommen, denn sie können nachweislich den Verkehr entzerren. Das Thema gibt es auch in Hannover und dort ist es umstritten. Aber von mir gibt es ein klares Ja."


  • 29.04.19 18:15
    Oliver Gels plädiert dafür, Druck zu machen, damit die Lärmschutzwände an den Bahnstrecken kommen. Der Autoverkehr müsse mit der "Grünen Welle" entzerrt werden und im Fluss bleiben, bei Stau sollten nicht alle die Autobahn verlassen und die Stadt verstopfen dürfen. "Dafür werde ich mich einsetzen."
    Auch Klaus Sidortschuk geht auf den Lärmaktionsplan für Lehrte ein. "Wir werden zum Herbst über die Pflicht hinaus alle Straßen, die wir dürfen, für einen erweiterten Lärmaktionsplan anmelden." Als konkrete Maßnahme nennt der Bürgermeister den Tausch der West-Umgebung gegen die Ahltener Straße. Wenn sich die Straße dann in kommunaler Trägerschaft befinde, könne die Stadt entscheiden, ob Flüsterasphalt komme. "Ich würde mir wünschen, dass wir mindestens eine Stadtbuslinie auf Elektroverkehr umstellen und das bald", sagt Sidortschuk. Denn vor allem der Schwerlastverkehr - auch Busse - verursachten viel Lärm. "Ein kleiner Tropfen, aber irgendwo müssen wir anfangen. Lehrte wird aufgrund seiner Lage nie mucksmäuschenstill werden, aber wir werden die Situation mit konkreten Maßnahmen verbessern."
  • 29.04.19 18:08
    Frank Prüße verweist auf den Lärmentwicklungsplan: "Es gibt viele neuralgische Punkte, an denen schwierige Lärmsituationen entstehen. Da müssen wir etwas tun." Flüsterasphalt sei eine Möglichkeit, Elektromobilität könne langfristig auch für ruhigere Straßen sorgen. "Man sollte gucken, wie sich der Verkehr entwickelt, wenn eine neue Logistikansiedlung oder ein Megahub dazukommen, und dann sollte man solche Entscheidungen im Zweifelsfall nicht treffen."
  • 29.04.19 18:06
    Und weiter geht's mit Lärm und Verkehr: An der Bahnstrecke, an Durchgangsstrecken, in der Kernstadt, aber auch in Ahlten und Aligse gibt es diese Probleme. "Welche Maßnahmen lassen sich dagegen ergreifen?", lautet die nächste Leserfrage an die Kandidaten.
    Thomas Ganskow setzt auf Lärmmessgeräte, um festzustellen, ob etwas wirklich oder "wieder nur gefühlt" zu laut ist. "Wenn so etwas installiert ist, kann man gleich einen Schritt weitergehen und den Feinstaub messen." Das ergebe ein Gesamtbild, das man Punkt für Punkt arbeiten könne. "Aktionismus wie Fahrverbote einzuführen bringt nichts, das verlagert Probleme nur."
  • 29.04.19 18:03
    "Ja, wir brauchen diesen Ordnungsdienst", betont Frank Prüße (CDU) als Reaktion auf die Äußerungen seine Vorredners. "Es geht nicht darum, dass er Aufgaben der Polizei übernimmt, sondern da zu sein, wo Lehrter sich fürchten und aufzupassen, dass nirgends Müll hingeworfen wird." Es gebe dunkle Gassen in Lehrte, wo man sich nicht wohlfühle und ein Ansprechpartner helfen kann.
    "Die Testphase von zwei Jahren ist gut", sagt Oliver Gels. Eine enge Zusammenarbeit mit der Polizei sei wichtig. Aber was mache die Stadt denn gegen die Vermüllung? "Videoüberwachung ist eine Möglichkeit bei illegaler Müllentsorgung an bestimmten Stellen, auch wenn es das letzte Mittel ist", sagt der Polizist. "Die Stadt sollte einen regelmäßigen Säuberungskalender einführen und nicht nur die Bürger und Ehrenamtlichen beim Frühjahrsputz aufräumen lassen."
  • 29.04.19 18:00
    Gibt es überhaupt genügend Mülleimer? Muss man immer gleich mit Ordnungs- und Sicherheitsdiensten gegen etwas vorgehen? Diese Fragen stellt sich Thomas Ganskow. "Das hat es in Hannover gegeben, und es hat nichts gebracht." Im Zweifelsfall sei die Polizei zuständig. "Ordnungspersonal braucht eine fundierte Ausbildung. Man muss dann evaluieren, ob es seinen Zweck erfüllt."
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Von Oliver Kühn