Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Lehrte Eltern demonstrieren für Verbesserungen in Kitas und Schulen
Umland Lehrte

Lehrte: Eltern demonstrieren für Verbesserungen in Kitas und Schulen

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
00:16 08.05.2019
Die Demonstranten halten ihre Transparente in die Höhe. Quelle: Katja Eggers
Anzeige
Lehrte

Mit Transparenten und Plakaten, auf denen Forderungen wie "Gleiches Recht für alle Kinder“, „Handelt endlich!“ zu lesen waren, haben rund 50 Bürger am Sonnabend auf dem Lehrter Rathausplatz für schnellere und bessere Lösungen in Kitas und Schulen demonstriert. Sie waren damit der Aufforderung der Gruppe Pro Kids gefolgt. Laut René Kopmann, einem der Initiatoren der Gruppe, haben sich bereits mehr als 370 Unterstützer in Unterschriftenlisten eingetragen.

Die Initiative Pro Kids hat viele Forderungen. Quelle: Katja Eggers

Sorge bereitet den Eltern vor allem, dass bis 2022 in Lehrte 250 Kita-Plätze fehlen werden. Das Kita-Maßnahmen-Paket der Stadt sehe zwar zur Überbrückung Container vor. „Aber auch dann wird nicht jedes Kind einen Platz bekommen, und die Wartezeiten sind zu lang“, betonte Kopmann. „Die Entscheidungsträger müssen die politischen Prozesse beschleunigen“, erklärte Mareike Hirthe, die ebenfalls zu der Gruppe gehört. Mitinitiatorin Alice Rendelmann wünschte sich, dass jeder Lehrter, der eine Familie gründen wolle, zu gegebenen Zeitpunkt auch eine bedarfsgerechte Kinderbetreuung erhalte. „Nur so kann eine Familie ohne Existenzangst positiv in die Zukunft blicken“, sagte sie.

Anzeige

Forderungen basieren auf eigenen Erfahrungen

Die Forderungen von Pro Kids basieren vor allem auf eigenen Erfahrungen im Kampf um Kita-Plätze. Kerstin Fricke berichtete, dass sie für ihre Tochter seit zwei Monaten gesetzlichen Anspruch auf einen Kitaplatz habe, einen Betreuungsplatz aber frühestens im August bekomme. „Wer zahlt mir den Verdienstausfall?“, fragte Fricke. Laut Kopmann haben mittlerweile einige Eltern der Initiative ihren ersehnten Platz erhalten. „Aber wir kämpfen hier auch für die, die das nicht haben“, betonte Kopmann.

Um Lehrtes Politikern die Chance zu geben, sich zu den Problemen zu äußern, hatte die Initiative die Parteien im Rat der Stadt auf den Rathausplatz eingeladen und ihnen zuvor ihre Fragen mitgeteilt. Die Initiative wollte unter anderem wissen, mit welche Maßnahmen die Politiker dem Personalproblem im Kitabereich entgegenwirken wollen, ob sie die provisorischen Lösungen zeitlich begrenzen und die Bedarfsplanung anpassen werden.

Unterschiedliche Statements

Thomas Ganskow (Piratenpartei, von links), Klaus Sidortschuk (SPD), Frank Prüße (CDU), Oliver Gels (parteilos) und Christian Gailus (Grüne) sind der Einladung von Pro Kids gefolgt. Quelle: Katja Eggers

Neben Lehrtes vier Bürgermeisterkandidaten äußerte sich dazu auch Christian Gailus, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Grünen im Lehrter Rat. Beim Personalproblem in den Kindertagesstätten sehe er die rot-schwarze Landesregierung in der Pflicht. Die Ausbildung der Erzieher müsse verbessert werden und das Schulgeld für die Auszubildenden wegfallen. Die Fraktion werde demnächst über die Vergabe von Lehrter Stipendien für Auszubildende in Erziehungsberufen diskutieren. Bürgermeisterkandidat Thomas Ganskow von der Piratenpartei schlug vor, für Verwaltungsmitarbeiter eine eigene Kita im Rathaus zu schaffen, für Erzieher Gratisbesuche in Schwimmbädern einzuführen und preiswerte Wohnungen für Mitarbeiter im öffentlichen Dienst anzubieten.

Der parteilose Bürgermeisterkandidat Oliver Gels erklärte, dass man Erzieher direkt fragen müsse, warum sie in andere Kommunen wechseln und warum junge Menschen diesen Beruf heute nicht mehr ergreifen wollen. „Da kann man auch mal direkt in die Schulklassen gehen“, sagte Gels. Er warf der Stadt zudem vor, bei der Kita-Bedarfsplanung „gepennt“ zu haben. CDU-Bürgermeisterkandidat Frank Prüße meinte, dass die Kitaplanung der Stadt zu viel Zeit gekostet habe. „Muss man wirklich zwei Jahre planen, kann man nicht schon mal mit dem Bau einer Kita anfangen?“, fragte er.

Thema ist bei allen Kandidaten auf der Agenda

Der Rathausplatz wird zur Redebühne. Quelle: Katja Eggers

Amtsinhaber Klaus Sidortschuk betonte, dass es zu den wichtigsten Aufgaben der Stadt gehöre, den Bedarf an Kita-Plätzen zu decken. Dafür werde die Bedarfsplanung regelmäßig angepasst. Seit 2011 seien bereits 280 neue Plätze geschaffen worden. „Und in den nächsten 24 Monaten werden mit den geplanten fünf neuen Kitas weitere 375 dazukommen“, sagte Sidortschuk.

Für die Initiative Pro Kids ist es wichtig, dass die Verbesserung in Kitas und Schulen auch nach der Bürgermeisterwahl am 26. Mai noch vorangetrieben wird. „Aber ich habe das Gefühl, dass das bei allen Kandidaten auf der Agenda steht“, sagte Kopmann.

Stadt setzt Kita-Maßnahmenpaket um

Auf den steigenden Bedarf an Kinderbetreuungsplätzen reagiert die Stadt mit dem geplanten Bau von fünf neuen Kitas. Bis zu ihrer Inbetriebnahme werden bis 2022 im Stadtgebiet jedoch 75 Krippenplätze und 175 Kitaplätze fehlen. Die Verwaltung hat daher ein sogenanntes Kita-Maßnahmenpaket erarbeitet. Es sieht zur Überbrückung Container an sechs verschiedenen Standorten vor. Die mobilen Raumeinheiten sollen im Herbst 2019 aufgestellt und für die Dauer von zwei Jahren genutzt werden. Die Stadt geht davon aus, dass die zusätzlichen Kitas in Arpke und Sievershausen jeweils im Herbst 2020 ihren Betrieb aufnehmen. Ende 2020 oder Anfang 2021 wird die Kita Ahlten folgen, die beiden Einrichtungen in der Kernstadt sollen im Herbst 2021 an den Start gehen. Die Stadt will zudem weiteres Kitapersonal einstellen. eg

Von Katja Eggers

Anzeige