Lehrte: Entscheidung über Neubau des Gymnasiums ist vertagt
Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Lehrte Gymnasium-Neubau: Entscheidung auf März vertagt
Umland Lehrte

Lehrte: Entscheidung über Neubau des Gymnasiums ist vertagt

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
17:08 22.11.2019
Das Sek-1-Gebäude des Lehrter Gymnasiums: Ist hier der richtige Platz für eine Erweiterung? Der Schulausschuss hat die Entscheidung darüber auf nächstes Jahr vertagt. Quelle: Achim Gückel
Anzeige
Lehrte

Die Entscheidung über die Zukunft des Lehrter Gymnasiums ist vertagt. Erst im kommenden Jahr, voraussichtlich im März, wird der Rat der Stadt über die zwei zur Debatte stehenden Varianten für die Schule entscheiden: Sanierung und Anbauten an der Friedrichstraße oder ein vollständiger Neubau der Schule auf dem Schützenplatz. Auf diese Verschiebung hat sich der Schulausschuss am Donnerstagabend zähneknirschend und nach rund zweistündiger Debatte geeinigt. Grund dafür ist der bisher nur dürftige und von der Verwaltung extrem kurzfristig gelieferte Vergleich der beiden zur Debatte stehenden Varianten.

Allerdings wurden die politischen Marschrouten am Mittwochabend einmal mehr deutlich. Während Sprecher der Mehrheitsgruppe aus SPD, Grünen und Die Linke betonten, dass die Tendenz bei ihnen zu einer baulichen Lösung an der Friedrichstraße geht, sagte CDU-Fraktionschef Hans-Joachim Deneke-Jöhrens, dass ein vollständiger Neubau auf dem Schützenplatz möglicherweise preiswerter wäre und auch weitere Vorteile haben könnte. Diese Variante sei jedenfalls „kein Hirngespinst“, konterte er frühere Kritik aus dem Lager der Ratsmehrheit.

Barsche Kritik an der Stadtverwaltung

Die Sitzung am Donnerstagabend begann mit barscher Kritik an der Stadtverwaltung. Diese hatte den von der Politik geforderten Vergleich der Varianten erst wenige Stunden vor der Sitzung übermittelt. Das Papier sei aber nicht ausführlich genug und biete nicht den geforderten Kostenvergleich. Aussagen über mögliche Nachnutzungen der Gebäude an der Friedrichstraße und der Sek II an der Burgdorfer Straße sowie Untersuchungen von alternativen Standorten für einen Neubau gebe es nicht, kritisierte der Ausschussvorsitzende Thomas Diekmann (SPD). Das sei „keine Art und Weise“ mit den Politikern umzugehen. Bodo Wiechmann (SPD) nannte das aus dem Rathaus vorgelegte Papier „teils erschütternd“, Deneke-Jöhrens eine „dürftige Synopse“, in der die wichtigen Fragen „nicht vernünftig abgewogen“ seien.

Bürgermeister Frank Prüße stellte sich vor seine Verwaltung. Es sei seit dem Beschluss des Rates Ende Oktober personell nicht möglich gewesen, den Standortvergleich ausführlicher auszuarbeiten. Das liege unter anderem am Amtswechsel beim Bürgermeister und an einer Unterbesetzung in der Bauverwaltung, konkretisierte der Erste Stadtrat Uwe Bee. Prüße betonte, dass man sich bei einer derart wichtigen Entscheidung wie der Zukunft des Gymnasiums nicht unter Zeitdruck setzen lassen dürfe. Er selbst hänge an keiner der beiden Varianten, man müsse aber die beste und wirtschaftlichste von beiden finden. Ein Neubau auf dem Schützenplatz funktioniere indes nur, wenn die Schützen für ihr Fest eine adäquate Fläche als Ersatz bekämen.

Der Schützenplatz am Hohnhorstweg: Genug Platz für einen Neubau des Gymnasiums wäre dort, nicht aber für eine neue Sporthalle. Bäume müssten nicht weichen, aber wie der Schulbusverkehr funktionieren könnte, ist noch völlig unklar. Quelle: Achim Gückel

Einige wichtige Erkenntnisse liefern die bisherigen Untersuchungen der Bauverwaltung und eines Architekturbüros dennoch. Grundsätzlich ist auf dem Schützenplatz genug Raum für ein Gymnasium, das dann allerdings teilweise vierstöckig sein müsste, sowie für einen Pausenhof und 54 Stellplätze für Autos. Dafür müsste auch kein einziger Baum gefällt werden. Das skizzieren vorläufige Bauzeichnungen, die den gesamten Raumbedarf des Gymnasiums berücksichtigen.

Wie etwa der Schulbusverkehr am Schützenplatz abgewickelt werden, wo eine Wendeschleife entstehen und wo der Ersatz für den Schützenplatz entstehen könnte, bleibt bislang aber offen. Auch die dringend notwendige neue Sporthalle wäre auf dem Schützenplatz nicht unterzubringen.

Im Februar soll es weitere Fakten geben

Aussagen darüber, was bei einem kompletten Umzug des Gymnasiums auf den Schützenplatz mit den Altbauten passieren würde, liefert das Papier aus dem Rathaus nicht – ebenso wenig wie Antworten auf die Standorte eines alternativen Schützenplatzes und der zusätzlichen Sporthalle. All das soll die Stadtverwaltung nun bis Mitte Februar nachliefern. Der Schulausschuss will am 27. Februar erneut beraten, der Rat könnte dann frühestens im März entscheiden.

Das sogenannte Müllerhaus und die Sporthalle an der Friedrichstraße geraten nun auch in den Fokus der Untersuchungen. Wenn sie weichen würden, wäre vielleicht auch neben dem bisherigen Sek-1-Gebäude genug Platz für ein komplett neues Gymnasium. Quelle: Achim Gückel

Insbesondere Wiechmann war über den Zeitverzug erbost. Jedes halbe Jahr Verzögerung bei der Entscheidung bedeute 1 Million Euro mehr Ausgaben. Das ergebe sich aus den derzeitigen allgemeinen Kostensteigerungen in der Baubranche. Bisher sind die Kosten für das Gymnasiumprojekt nur grob geschätzt. Sie liegen zwischen 40 und 48 Millionen Euro. Begonnen hatte die Diskussion zu dem Thema im Mai 2017 nach einem Antrag aus dem Lager von Rot-grün-rot, weil damals schon die große Raumnot der größten Schule Lehrtes absehbar war.

Sollte die Variante mit einem Neubau auf dem Schützenplatz zum Zuge kommen, könnte es nach Einschätzung des Ausschussvorsitzenden Thomas Diekmann sechs bis sieben Jahre dauern, bis der Neubau fertig ist. Denn dafür wären unter anderem noch planungsrechtliche Verfahren nötig, die allein anderthalb bis zwei Jahre dauern könnten. Baurecht gibt es auf dem Schützenplatz derzeit nämlich noch nicht.

Leiterin bittet um „Schule aus einem Guss“

Mitte dieser Woche hatte das Gymnasium mit einem offenen Brief an Bürgermeister Frank Prüße für Aufsehen gesorgt. Schulleitung, Elternvertreter, Schülervertretung und Personalrat baten darin um eine transparente und ergebnisoffene Entscheidungsfindung in Sachen Erweiterung oder Neubau der Schule. Schulleiterin Silke Brandes plädierte dabei erneut für einen Neubau auf dem Schützenplatz. Auch am Donnerstagabend im Schulausschuss kam die Chefin des Gymnasiums zu Wort. Sie bat wörtlich um eine „Schule aus einem Guss“ und sagte, der Schützenplatz sei derzeit nur „eine befestigte Fläche mit Autos ohne Grün“. Sie habe die Hoffnung, dass dort ein Schulneubau als „naturnahes Gebäude“ entstehen könne.

Brandes betonte außerdem, dass zu Beginn der Diskussion um eine Erweiterung des Gymnasiums, also vor rund zweieinhalb Jahren, für sie noch der Zeitfaktor wichtig gewesen sei. Sie habe darauf gehofft, das Projekt sei erledigt, wenn man wegen der Rückkehr zum Abitur nach 13 Jahren im Sommer 2020 Klassenräume für einen zusätzlichen Jahrgang benötige. Mittlerweile sei „der Zeitfaktor aber nicht mehr so brisant“, sagte Brandes. Daran, dass im nächsten Sommer zusätzliche Container her müssten, um einen zusätzlichen Jahrgang unterzukriegen, gehe mittlerweile kein Weg mehr vorbei.

Die Schulleiterin bat die Lehrter Politiker auch, beide zur Debatte stehenden Bauvarianten weiterhin unvoreingenommen zu prüfen und wies dabei erneut auf das klare Ja der Schule zum Neubau auf dem Schützenplatz hin.

Lesen Sie auch

Von Achim Gückel

Ein Mann aus Lehrte hat am Donnerstag eine Frau belästigt und sie bis zum Hauptbahnhof Hannover verfolgt. Der Stalker lief dem 21-jährigen Opfer sogar bis in die Polizeiwache hinterher. Der 27-Jährige gehört zu einer polizeibekannten Großfamilie, die Mitte Oktober einen 17-Jährigen mit dem Tode bedrohte.

22.11.2019

Ahltens Grundschüler haben am Freitagvormittag die Folgen des Klimawandels eindringlich vor Augen gehalten bekommen. Der Naturfotograf und Klimaschützer Sven Achtermann hat den Dritt- und Viertklässlern in seinem Vortrag nicht nur Fotos von seinen Expeditionen gezeigt, sondern auch Tipps gegeben, was sie selbst gegen den Klimawandel tun können.

22.11.2019

Flammlachs, Selbstgemachtes und viele Aktionen für Kinder: Der Drei-Dörfer-Weihnachtsmarkt der Ortschaften Kolshorn, Aligse und Röddensen öffnet zum 26. Mal seine Pforten auf dem Festplatz Unter den Eichen in Lehrte-Aligse. Er findet vom 29. November bis 1. Dezember statt.

22.11.2019